Für kurze Zeit fühlte man sich am Sonntagnachmittag tatsächlich wie in Appenzell, wo Landsgemeinden eine lange Tradition haben. Als nämlich zu Beginn Alphornbläser Arnold Anderhalden urchige Musik durch die Anlage des Schlosses Zwingen erklingen lässt.

Im Gegensatz zu einigen Kantonen in der Ostschweiz kennt die Region Basel die Institution der Landsgemeinde nicht. Wenn aber die Volksseele dermassen kocht, sei es auch hier Zeit, eine abzuhalten, dachten sich die Verantwortlichen des Vereins Depo-Nie im Quellgebiet. «Wir sind nicht einfach Deponiegegner, sondern dafür, die beiden Quellen zu retten», sagt Vereinspräsident Remo Stebler in seiner Eröffnungsrede. Hinter ihm hängen die Fahnen aller 13 Laufentaler Gemeinden, die in einem feierlichen Einmarsch zur Gemeindeverwaltung getragen wurden.

Die rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Festbänken wissen genau, wovon der Blauner spricht. Werden zwei Tälchen in Zwingen und Blauen mit unverschmutztem Aushubmaterial aufgefüllt, können zwei für den Wasserverbund Birstal wichtige Quellen nicht mehr genutzt werden. Um die beiden Deponien zu errichten, muss der kantonale Richtplan angepasst werden. Die Baselbieter Bevölkerung stimmt am 27. November über die Vorlage ab.

Resolution an Kanton und Bund

Bis auf Rolf Richterich (FDP), der sich als Befürworter des Richtplans ausgesprochen hat, sind sämtliche Landräte aus dem Laufental an die Landsgemeinde gekommen. Jeder hält eine kurze Rede und erklärt, weshalb man in die vier Wochen die Anpassung ablehnen sollte. Abgesehen von der FDP haben sämtliche Baselbieter Parteien für die Abstimmung die Nein-Parole beschlossen.

«Aus ökologischer, sozialer und basisdemokratischer Sicht müssen wir diese Deponien verhindern», sagt Linard Candreia (SP). Es dürfe nicht sein, dass das Laufental die gesamte Last tragen müsse. Viel mehr wäre es schlauer, mehrere kleine Deponien im ganzen Kantonsgebiet zu erstellen. Marc Scherrer (CVP) erinnert daran, dass beide Standorte die Grundwasserschutzzone verletzten. Deshalb habe er der Regierung eine Interpellation mit mehreren Fragen zukommen lassen, die diese jedoch nur dürftig beantwortet habe. «Ich habe meinen Fragenkatalog nun auch der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission zur Stellungnahme vorgelegt.»

Zwischen den Reden der Landräte besteht für sämtliche Anwesenden die Möglichkeit, sich zu äussern. Alle sprechen sich für die Rettung der Quellen aus. Nur Rolf Graf, Präsident der Bauunternehmer Region Basel, verteidigt die Deponien. «Wir können den Aushub nicht immer nach Frankreich, nach Solothurn oder ins Fricktal bringen.» Seine Äusserungen werden von den Laufentalern mit lauten Buhrufen quittiert.

Zum Abschluss verabschiedet der Verein Depo-Nie im Quellgebiet eine Resolution, die dem Regierungsrat und Bundesrat übergeben wird. Darin fordern die Teilnehmer der Landsgemeinde, dass Grundwasserschutzgebiete geschützt und unverschmutztes Aushubmaterial möglichst vollständig verwertet werden sollen.