Auf den ersten Blick sah es am Montag an der Baustelle in Aesch Nord so aus, als geschehe fast nichts. Rund ein Dutzend Männer und Frauen in Leuchtwesten standen neben einer Betonplatte, kontrollierten einige Geräte und schauten zu, was sich kaum sichtbar vor ihnen abspielte: Mit rund zehn Metern pro Stunde bewegte sich eine 1200 Tonnen schwere Betonplatte seitwärts. Nach mehreren Stunden erreichte sie ihre definitive Position, nämlich unter der Kreuzung, wo bisher der Autobahnzubringer Aesch in die Kantonsstrasse mit Tram mündete.

Gut vorbereitet

In Zukunft soll man von der Autobahn her unter Tram und Strasse in Richtung des boomenden Aesch Nord fahren können, bis zum Kreisel am Pfeffingerring. Die Platte bildet die Decke der zukünftigen Unterführung. «Alles ist genau für den heutigen Tag vorbereitet», sagte Andreas Netz, Gesamtprojektleiter beim Ingenieurbüro Jauslin Stebler.

Bereits ab vergangenem Frühling hatte man begonnen, die 46 mal 15 Meter grosse und 90 Zentimeter dicke Platte auf dem Areal neben der International School zu erstellen, auf Schaltafeln, die einfach auf dem Boden lagen. In unzähligen Sitzungen hätten alle beteiligten Firmen das exakte Vorgehen koordiniert, sagt Netz. Vor drei Wochen wurde die Platte probehalber auf einer kurzen Strecke bewegt – anfangs verkeilten sich die Schaltafeln, doch dieses Problem konnte man dann lösen. Am Montag schliesslich hoben 25 Pressen, die je 50 Tonnen Druck ausübten, den Betonkoloss um einige Zentimeter an.

Zu schnell gebaut

Für den Druck seitwärts sorgte eine Hydraulikpresse, die 500 Tonnen Druck ausübte. So konnte die Platte auf Metallschienen gelangen, die geölt worden waren. Auf dem rutschigen Film glitten die 1200 Tonnen schliesslich, von Auge kaum sichtbar, 55 Meter seitwärts auf die vorbereiteten 44 Bohrpfeiler, die die Seitenwände der Unterführung bilden werden. Die definitive Lage ist zentimetergenau definiert. «Falls die Platte etwas falsch liegt, ziehen wir sie sicher nicht wieder raus», sagte Netz am Montag, als der Verschiebevorgang noch lief. «Dann bauen wir die Strasse darüber entsprechend verschoben.»

Am Montag Mittag zeigte er sich aber sehr zuversichtlich, dass das nicht nötig sein würde. Überhaupt läuft der Bau des verlängerten Autobahnanschlusses gut – fast zu gut. Die Arbeiten sind seit Anfang Jahr nämlich so rasch vorangeschritten, dass die Verschiebung bereits vor einigen Wochen hätte stattfinden können.

Gemeindepräsidentin ist optimistisch

Knackpunkt war dann aber die Tramlinie. Die Baselland Transport AG musste sie für die Verschiebung zwei Wochen lang unterbrechen, was sie nur während den verkehrsarmen Herbstferien tun wollte. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, die Unterführung Ende 2020 dem Verkehr zu übergeben. Trotz des engen Zeitfensters für die Plattenverschiebung sieht es jetzt ganz danach aus, als könne dies ein Jahr früher geschehen.

Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) geht jedenfalls davon aus, dass dies gelingt. Dem Dutzend interessierten Bürgern am Baustellenrand erklärte sie am Montag: «Wir sind bereit für ein Einweihungsfest Ende 2019.»