«Ob Sie der ganz grosse Pate sind – das ist nicht nachgewiesen», sagte Gerichtspräsidentin Monika Roth am Dienstag im Strafgericht in Muttenz. Der 59-jährige Mann hörte sich die Urteilsbegründung geduldig an, während auf den Zuschauerplätzen die Gesichter immer länger wurden: Mehrere Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft verfolgten die Urteilsbegründung und konnten mit den zahlreichen Freisprüchen sichtlich wenig anfangen.

Staatsanwalt Urs Geier hatte eine Haftstrafe von zwölf Jahren gefordert, der Mann sei Drahtzieher eines riesigen Drogenkartells und habe Marihuana von insgesamt rund 2,4 Tonnen gehandelt. Auf die Spur brachten die Ermittler viele Telefonüberwachungen. Aufwändig wurden auch sogenannte IMSI-Catcher eingesetzt. Doch als Hauptbeweis für die Rolle des 59-Jährigen dienten vor allem die Aussagen zweier Mittäter.

Maschinengewehr im Haus

Und genau hier lag die Krux: In sogenannten Konfrontationseinvernahmen stellte man die Männer dem Hauptangeklagten gegenüber, dabei gab es aber formelle Fehler. Auch war das Ergebnis für das Gericht nicht überzeugend. Ferner trennte man die Untersuchungen geständiger Mittäter ab, diese erhielten im abgekürzten Verfahren einen «Deal», was im konkreten Fall nicht erlaubt gewesen wäre. «Das ist ein Kunstfehler, der Folgen hat», erklärte Roth. Sämtliche belastenden Aussagen der Männer waren nicht verwertbar. Damit blieb beweismässig lediglich ein alter IV-Rentner übrig, der kräftig beim Marihuanahandel mitgeholfen hatte: 250 Kilogramm erachtete das Gericht als nachgewiesen. Dazu kamen Verurteilungen wegen Geldwäscherei, ein beachtliches Waffenlager mit einem Maschinengewehr fand man bei ihm zu Hause.

Die fünf Richter sprachen eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten aus. «Sie führten das Leben eines Biedermannes, der eine Rente bezieht und in einer bescheidenen Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. Aber in Wirklichkeit waren Sie ein Brandstifter», kommentierte Monika Roth den Fall.
Da der Mann seit Juni 2015 in Haft sitzt, hat er die Strafe faktisch schon abgesessen, am Dienstag Mittag durfte er daher das Gerichtsgebäude als freier Mann verlassen. Verteidiger Alain Joset war sichtlich zufrieden, er hatte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten verlangt.

Auf der Kostenseite kommt einiges zusammen: Das Gericht ging von illegalen Gewinnen von mindestens 60 000 Franken aus und beschloss eine Ersatzforderung an den Mann in dieser Höhe. Dazu kommen Verfahrenskosten von 150 000 Franken. Wegen der Freisprüche muss er aber nur zwei Drittel der Summe übernehmen. Rund 450 000 Franken hatte man bei ihm sichergestellt, nach Abzug der genannten Beträge dürfte er noch einiges zurückerhalten. Seine C-Bewilligung wackelt nun allerdings kräftig.

Ob der Fall weitergezogen wird, war am Dienstag noch nicht klar. Staatsanwalt Urs Geier kommentierte, bei derartig hohen Beweisanforderungen käme man kaum mehr an die Hintermänner heran. Man müsse sich fragen, ob man dort noch Ressourcen einsetzen wolle.