In Pratteln sind viele sauer auf den Kanton. Grund ist Salina Raurica, das grösste wirtschaftliche Entwicklungsgebiet des Kantons. Nicht «nur» ärgert man sich, dass es mit der Planung, die mehrere Tausend neue Arbeitsplätze und Einwohner in die Rheinebene bringen soll, lange nicht vorwärtsgegangen ist. Frustriert ist man auch darüber, dass die Planung «wesentlich anders aussieht als noch vor wenigen Jahren». Dieser Meinung ist Gert Ruder, SP-Einwohnerrat und Präsident der Bau- und Planungskommission (BPK). Er findet: «Der Kanton hat Wortbruch begangen.»

Kanton: Es gibt keine Alternative

Weitere ähnlich lautende Voten waren am Montag im Prattler Einwohnerrat bei der Behandlung des Zonenplans zu Salina Raurica zu hören. Die offensichtlich misstrauischen Gemeindeparlamentarier stellten etliche Fragen in den Raum – etwa, ob die geplante Verlängerung der Tramlinie 14 weiter vorangetrieben werde. Angesichts der Verunsicherung sprach sich der Rat mit 20 zu 17 Stimmen knapp dafür aus, den Zonenplan für weitere Abklärungen in die BPK zu geben – was die Planung um weitere zwei Monate verzögert.

Gestritten wird unter anderem um die ARA Rhein und um die Hardwasser AG, zwei öffentliche Werke mitten im Planungsperimeter von Salina Raurica. Im vergangenen Frühling machte der Kanton zur Sanierung der ARA Rhein, die wegen des Gestanks regelmässig in den Schlagzeilen auftauchte, zusätzliche Flächen geltend. Auch deswegen ist der vorliegende Salina-Raurica-Perimeter kleiner als ursprünglich vorgesehen. Zudem werde das Gebiet durch einen Gürtel mit öffentlichen Werken in einen West- und Ostteil getrennt, kritisiert Ruder. Dies erschwere die Inwertsetzung von Salina Raurica.

Es gibt keine Alternativen – in etwa so lässt sich die Haltung des Kantons zu den Flächenansprüchen der ARA zusammenfassen. Die Unternehmen in Schweizerhalle seien auf die Sanierung dringend angewiesen, erklärt der Baselbieter Wirtschaftsförderer Thomas Kübler auf Anfrage. «Ohne zeitgemässe und den gesetzlichen Vorgaben entsprechende ARA funktioniert der Standort Schweizerhalle nicht.» Die ARA sei ein zentraler Infrastrukturbestandteil der in Schweizerhalle ansässigen Chemie-Unternehmen. Ähnliches gelte für die Hardwasser AG.

Die Verantwortlichen hätten glaubhaft dargelegt, dass für die ARA Modernisierungen nötig sind und sich daraus ein zusätzlicher Flächenbedarf ergibt. «Hätte der Kanton dazu nicht Hand geboten, wären Arbeitsplätze gefährdet gewesen», betont Kübler. Eine Verlegung der ARA sei illusorisch; diese würde wegen der aufwändigen technischen Infrastruktur mit mehreren hundert Millionen Franken zu Buche schlagen.

«Unnötige Ehrenrunde»

Den Gemeindepräsidenten Beat Stingelin (SP) überzeugen die Ausführungen des Wirtschaftsförderers nicht. Stingelin ist überzeugt, dass der ARA-Ausbau ohne Inanspruchnahme wertvoller Flächen möglich gewesen wäre – indem etwa Klärbecken vertikal übereinander gebaut werden. Obwohl die Planungshoheit für Salina Raurica bei der Gemeinde liegt, lässt sich an den Landansprüchen nicht mehr rütteln. «Über die Folgen, die das hat, können wir aber sehr wohl diskutieren», findet BPK-Präsident Ruder. Auch deshalb seien weitere Abklärungen durch die BPK richtig.

Demgegenüber spricht BDP-Einwohnerrat Marc Bürgi von einer «unnötigen Ehrenrunde», die das ohnehin stark verzögerte Geschäft nun nehmen müsse. Ihm sei schleierhaft, was die BPK abklären wolle, «zumal viele Fragen nicht die Kommission, sondern wenn überhaupt nur der Kanton beantworten kann.»