In sehr emotionaler, aber grösstenteils fairer Atmosphäre haben die Baselbieter Grünen am Mittwochabend in Therwil ihren Landrat und Birsfelder Gemeinderat Jürg Wiedemann aus der Kantonalpartei ausgeschlossen. Mit 55 Ja- zu 11 Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen erreichte der Antrag der Parteileitung das nötige Zweidrittelmehr komfortabel. Wiedemann, der am 8. Februar erneut ins Parlament gewählt wurde, wird am Donnerstag bekannt geben, wie er seine politische Zukunft ausserhalb der Partei gestaltet.

«Die Grünen sabotiert»

Die Geschäftsleitung warf dem vor allem in der Bildungspolitik dissidenten Politiker und Sekundarlehrer vor, der Partei Schaden zugefügt zu haben. Immer wieder genannt wurden zwei Vorfälle: Wiedemanns Unterstützung für FDP-Kandidatin Monica Gschwind bei den Regierungswahlen vom 8. Februar. Das Komitee Starke Schule, dem Wiedemann angehört, hat seine Medienkonferenz zur Unterstützung Gschwinds am selben Tag abgehalten wie die Grünen ihren Auftritt zum Wahlauftakt: «Wiedemann hat damit die Grünen sabotiert», sagte Parteichefin Florence Brenzikofer.

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat ein Vorfall von vergangener Woche: Wiedemann hat eine Anfrage der Starken Schule erhalten, bei den nationalen Wahlen vom Herbst auf einer eigenen Liste unter dem Namen «Grüne und Unabhängige» zu kandidieren. Dies, obwohl er von den Grünen Birsfelden bereits als Nationalratskandidat nominiert worden war. «Es geht nicht darum, die Meinungsäusserungsfreiheit abzuwürgen», stellte Brenzikofer klar. Sie warf Wiedemann vor, dass er für seine Anliegen Parallelstrukturen aufgebaut habe, welche die Anliegen der Grünen immer stärker konkurrenziert hätten.

In der einstündigen Debatte wurde Wiedemann mit harschen Vorwürfen konfrontiert: «Bist Du Dir bewusst, welchen Schaden Du der Partei mit Deinem Scheuklappendenken zufügst», fragte Niggi Bärtschi, Ehemann von Nationalrätin Maya Graf. «Anerkennst Du, dass Dein Liebäugeln mit einer anderen Nationalratsliste erpresserisch wirkt?», fragte Liestals Stadtpräsident Lukas Ott. Ihre Trauer nicht verbergen konnte Landrats-Kollegin Rahel Bänziger: «Leider bist Du nicht gewillt, Dich an gewisse Regeln zu halten».

Grüne mit «Führungsproblem»?

Andere Votanten nahmen Wiedemann in Schutz: Die Sissacher Landrätin Regina Werthmüller sprach von einer «Kurzschlussreaktion der Parteileitung». Eine Äusserung, die Gegenreaktionen auslöste. «Weshalb fällt der Parteileitung nichts anderes ein, als einen unbequemen Querdenker auszuschliessen?», fragte der Allschwiler Lehrer Michel Pedrazzi. Er diagnostizierte ein «Führungsproblem» und prognostizierte eine Spaltung der Partei und eine Wahlschlappe im Herbst, sollten die Grünen Wiedemann rauswerfen.

Wiedemann zeigte Verständnis für den Ausschluss. Gerade weil ihm die Partei so ans Herzen gewachsen sei, habe er nicht selber austreten wollen, erklärte er nach der Abstimmung. Zuvor hatte er im Plenum gesagt: «Ich werde in keine andere Partei eintreten können.» Offenherzig räumte er ein, dass er Mühe mit Hierarchien habe. Seine politische Zukunft liess der 55-Jährige offen. Wahrscheinlich wird er gemeinsam mit den drei Grünliberalen künftig im Landrat eine Fraktion bilden wollen. Dazu wäre aber eine weitere, fünfte Person nötig. Was führt Jürg Wiedemann im Schilde?