«Nein, ich habe keinen Meinungswechsel vollzogen. Heute herrscht eine andere Situation.» Das sagt Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) zur ungewöhnlichen Situation, dass sie vor fünf Jahren an vorderster Front gegen die von ihrem Vorgänger Urs Wüthrich (SP) geplanten Sekundarschüler-Verschiebungen vom einen ins andere Frenkental protestierte und jetzt dasselbe plant. Die Verschiebungen im Jahre 2011 seien die ersten gewesen, mittlerweile habe sich der Prozess so gut eingespielt, dass es viele Freiwillige und damit kaum noch Probleme gebe. Im letzten Jahr sei es «höchstens» zu einem Dutzend Einsprachen im Kanton gekommen, erläutert die Regierungsrätin.

Das heisst: Gschwind setzt darauf, dass im Sommer sieben Sek-Erstklässler von sich aus den von ihr vor fünf Jahren als unzumutbar bezeichneten Weg vom Waldenburgertal nach Reigoldswil unter die Räder nehmen. Falls das nicht der Fall ist, kommt es dann zu Zwangsverschiebungen? «Wir wollen jetzt zuerst einmal abwarten. Andernfalls werden Verfügungen durch das Amt für Volksschulen nicht zu vermeiden sein», sagt Gschwind. Also doch Zwangsverschiebungen? «Wir müssen schauen, ich bin gespannt», so die Regierungsrätin ausweichend. Gschwind setzt aber nicht nur im vorderen Frenkental, sondern im ganzen Kanton auf Freiwilligkeit und hofft damit, dass rund 100 Erstklässler ohne Druck in ein anderes als das nächstliegende Sekundarschulhaus im selben Schulkreis gehen.

Mit diesen Schülerverschiebungen will der Kanton ab nächstem Schuljahr 23 Klassen und damit 30 Lehrer-Vollzeitstellen einsparen. Was das für eine Sparsumme unter dem Strich ergibt, kann Gschwind nicht sagen. Auch könne nicht abgeschätzt werden, wie viel davon im nächsten Jahr wieder «kompensiert» werde, da die Anzahl neueintretender Erstklässler voraussichtlich ansteigen werde.

Mehrkosten für die Eltern

Zwangsverfügungen müssen für Gschwind eigentlich ein Tabu sein: Ihr sei «immer noch bewusst», was sie im Mai 2011 im Landrat aus Muttersicht gesagt habe. Damals verteidigte sie – vergeblich – die von ihr mitunterzeichnete Petition mit der Forderung, dass keine Schüler zwischen den beiden Frenkentälern verschoben werden dürfen. Gemäss Protokoll sagte Gschwind damals, dass bei Zwangsverschiebungen die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld gerissen würden.

So habe auch ihre Tochter, die die Schule nicht im Waldenburgertal, sondern in Liestal besuchte, «ihre Kontakte in Hölstein komplett verloren». Auch machte Gschwind damals im Landrat darauf aufmerksam, dass Schülerverschiebungen Mehrkosten für die Eltern zum Beispiel für das Umweltschutzabonnement nach sich zögen. Ein Abonnement wohlgemerkt, das empfindlich teurer werden könnte, weil die Regierung inklusive Gschwind die Subventionen streichen will.

Noch etwas Bemerkenswertes sagte Gschwind damals im Landrat: Für potenzielle Neuzuzüger sei es von zentraler Bedeutung zu wissen, wo ihre Kinder in die Schule gehen werden. Unvorhersehbare Optionen verminderten die Attraktivität von Gemeinden. Und wörtlich sagte Gschwind laut Ratsprotokoll: «Sämtliche Anstrengungen, welche in den letzten Jahren zur notwendigen Standortförderung und zur Stärkung des Waldenburgertals unternommen wurden, werden mit der Möglichkeit von Schülerverschiebungen auf einen Schlag hinfällig.»

Bereut die Regierungsrätin ihr damaliges Engagement gegen Schülerverschiebungen aus heutiger Sicht? «Nein, ich würde das wieder so machen. Das war sinnvoll in meiner Funktion als Landrätin.»