Die Regierungen der beiden Basel haben am Freitag bekannt gegeben, dass sie weiterhin mit beiden Vorhaben Gundelitunnel und stadtnahe Tangente planen. So hätten sie es an einer gemeinsamen Sitzung über ihre Prioritäten beim Strassenbau entschieden. In der gemeinsamen Medienmitteilung heisst es, leicht verklausuliert: «Die Option eines Autobahnanschlusses Basel City (‹Gundelitunnel›) soll langfristig offen gehalten werden, für den Fall, dass langfristig eine stadtnahe Tangente mit einem Tunnel Binningen gebaut würde.»

Dass an den beiden Projekten überhaupt fest gehalten wird, erstaunt. Die Tunnels Allschwil und Binningen waren Teilprojekte der Variante Ausbau der Entwicklungsplanung Leimental – Birseck – Allschwil (Elba, siehe Karte). Die Elba-Ausbau-Vorlage wurde jedoch am 8. November vom Baselbieter Stimmvolk klar verworfen. Kurz nach diesem Nein gab der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) bekannt, dass nun der Gundelitunnel für Basel-Stadt auch keine Rolle mehr spiele. Die «Schweiz am Sonntag» zitierte ihn mit den Worten: «Das Projekt des Gundelitunnels ist nun schon mehr als ein halbes Jahrhundert alt. In dieser Zeit war die Realisierung nie notwendig. Dies deutet darauf hin, dass kaum jemand darauf wartet und dass das Projekt keinen offensichtlichen Nutzen stiftet.»

Liestal pocht auf Gundelitunnel

Einen Nutzen sah man im Baselbiet sehr wohl für den Gundelitunnel: Er fungierte in den Plänen Liestals stets als Bestandteil der stadtnahen Tangente: Er sollte diese nordöstlich des Bahnhofs SBB mit der Autobahn 2 verbinden und sie damit ans Nationalstrassennetz anschliessen.

So stiess im Baselbiet die ablehnende Haltung des Stadtkantons gegenüber der Unterquerung des Gundeldinger-Quartiers auf Kritik und Unverständnis. Dieter Leutwyler, der Sprecher von Baudirektorin Sabine Pegoraro, äusserte sich in der «Schweiz am Sonntag» wie folgt: «Der Abstimmungsausgang vom 8. November liefert keinen Grund dafür, dass Basel-Stadt jetzt den Gundelitunnel ad acta legt.»

Basel-Stadt hat nun offensichtlich dem Drängen von Baselland nachgegeben. So schreibt Hans-Peter Wessels auf Anfrage: «Solange Baselland die Option ‹stadtnahe Tangente› offen hält, wird Basel-Stadt auch die Option Gundelitunnel offen halten.»

Nichts geändert hat sich an der Begründung der Baselbieter Regierung, weshalb es aus ihrer Sicht opportun ist, das Vorhaben stadtnahe Tangente überhaupt weiter zu verfolgen, obwohl das Volk diese verworfen hat. Regierungsrätin Sabine Pegoraro (FDP) teilt mit: «Die Regierung hält sich in der Planung an die Elba-Variante Ausbau, die der Landrat beschlossen hat. Dieser Beschluss war nicht Gegenstand der Elba-Abstimmung.»

Anders ausgedrückt bedeutet dies: Der Kanton kann den Tunnel Binningen, wie alle übrigen 33 in der Elba-Ausbau-Vorlage zusammengefassten Vorhaben, als Einzelprojekte sehr wohl weiter verfolgen. Und er tut dies teilweise auch.

In der Mitteilung wird auch präzisiert, was die beiden Regierungen unter langfristig verstehen: «Der Kanton Baselland wird die nächsten fünf Jahre nicht an einem Tunnel Binningen weiter arbeiten.» Dieser Zeitraum mutet kurz an, wenn man sich in Erinnerung ruft, wann der Bund den Gundelitunnel respektive «Autobahnanschluss Basel-City» zum ersten Mal offiziell zum Teilprojekt des Nationalstrassennetzes erklärte: Dies war 1960 der Fall.

Zubringer «zügig vorantreiben»

Nicht ein halbes Jahrhundert auf die Realisierung warten sollen nach dem Willen der beiden Regierungen der Rheintunnel und der Zubringer Allschwil, der neu unter dem Namen Zubringer Bachgraben – Nordtangente» aufgeführt wird. Der Zubringer wird laut der Mitteilung «zügig vorangetrieben»; der Rheintunnel geniesst, wie Basel-Stadt auf Anfrage schreibt, «für beide Kantone höchste Priorität».

Auch der Zubringer wird so geplant, dass er mit «einer allfälligen späteren Ergänzung zu einer Umfahrung Allschwil kompatibel ist.» Sprich: Der Zubringer wird als erstes Glied der stadtnahen Tangente projektiert. Das Strassenprojekt wurde im März vom Baselbieter Stimmvolk klar angenommen. Die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion schreibt, die Planungen würden voranschreiten; die Kosten werden weiterhin auf rund
180 Millionen Franken geschätzt.

Klar ist, dass sich Basel-Stadt finanziell nicht am Zubringer beteiligen wird. Im Gegenzug wird der Stadtkanton die Kosten für den Rheintunnel, der die A2 entlasten soll, ohne Baselland aufbringen. Die Rede ist von 600 bis 700 Millionen Franken, zwei Drittel dürfte der Bund übernehmen.