Ja, als Kommandant der Verbundsfeuerwehr Farnsburg hätte Werner Stampfli seinerzeit auch gerne so ein Fahrzeug bei sich in der Garage stehen gehabt; so wie jeder echte Feuerwehrmann von sowas träumt. Bekommen hat er nie eins. Dafür sind diese Spezialfahrzeuge mit einem Stückpreis von 680'000 Franken schlicht zu teuer.

Auch jetzt werden nur die beiden Stützpunktfeuerwehren Sissach und Laufental das Privileg erhalten, im Baselbiet die zwei brandneuen Hubrettungsfahrzeuge einzusetzen. An einer Übergabefeier am Freitagnachmittag in Liestal überreichte Stampfli in seiner heutigen Funktion als Baselbieter Feuerwehrinspektor die Fahrzeugschlüssel an die Kommandanten von Sissach, Major Adrian Schaub, und Laufen, Major Urs Felix respektive dessen Nachfolger, Hauptmann Markus Burger.

Trotzdem sind die Fahrzeuge nicht mit «Sissach» oder «Laufental» angeschrieben, sondern mit «Basel-Landschaft» - ganz bewusst. Die beiden baugleichen Fahrzeuge sind von der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung beschafft worden und bleiben in ihrem Eigentum. Sie sind so genannte Ergänzungsmittel des Kantons, die den von den Gemeinde- oder Verbundsfeuerwehren geleisteten Grundeinsatz unterstützen sollen; selbst im Kanton Basel-Stadt, wenn es die Lage erfordert, wie Gebäudeversicherungsdirektor Sven Cattelan ergänzt.

Neuer Hubretter für die Baselbieter Feuerwehr

Gebäudeversicherungsdirektor Sven Cattelan spricht über die neuen Fahrzeuge.

Beide sind noch jungfräulich

Bereits vor einem Monat vom finnischen Hersteller Bronto Skylift ausgeliefert, haben die beiden auf einem Scania-P410-LKW basierenden Hubretter noch keinen Ernsteinsatz bestehen müssen. Gleichwohl sagt Cattelan: «Ich hoffe, dass die Fahrzeuge zum Einsatz kommen.» Allerdings mit der Einschränkung: «Aber nicht allzu oft - weil dann etwas passiert ist.» Vom Hersteller sind sie nach den Baselbieter Spezifikation massgeschneidert worden.

Die beiden Vorgängerfahrzeuge, die nach 20-jähriger erfolgreicher Einsatzzeit an den Hersteller zum Weiterverkauf zurückgegeben worden sind, mussten im Durchschnitt alle zwei bis drei Wochen ausfahren, sagt Stabsadjutant Manuel Spinnler vom Baselbieter Feuerwehrinspektorat. Gleiches dürfte nun auch auf die beiden Neuanschaffungen zukommen. Gleich zwei Fahrzeuge vom selben Typ braucht es laut Spinnler deshalb, weil man mit nur einem Hubretter im Landkanton zu peripheren Gemeinden zu lange Anfahrtswege hätte. Dabei würden wertvolle Minuten verloren gehen. Mit einem Fahrzeug in Sissach und dem anderen in Laufen verkürzen sich die Anfahrzeiten zu jedem Punkt im Baselbiet entscheidend.

Grundsätzlich werden Hubretter zu jedem Dachstockbrand im Landkanton aufgeboten, da die Feuerbekämpfung von oben herab viel effektiver ist. Auch müssen sie mehr und mehr zu Rettungseinsätzen der Sanität ausrücken, weil mit dem Rettungskorb Patienten auf Bahren oder in Rollstühlen viel schonender aus oberen Stockwerken abtransportiert werden können, als wenn sie vom Sanitätspersonal durch Treppenhäuser getragen werden müssten. Der eigentliche Einsatzweck, Löscheinsätze bei Hochhausbränden bis 32 Meter Höhe, komme dagegen nur höchst selten vor, erklärt Spinnler, der das ganze Beschaffungsprojekt leitete.

Und was passiert, wenn es weiter oben als 32 Meter brennt? Dies versuche man von Gesetzeswegen durch Präventionsmassnahmen zu verhindern, antwortet der Brandexperte.

Feuerwehr Baselland 2

Die Fahrt nach ganz oben.

Der Computer löscht mit

Der wichtigste Unterschied zu den beiden alten Baselbieter Hubrettern ist die viel weiter entwickelte, computergestütze Steuerung der Hydraulik und des Korbs, erklärt Oberleutnant Philippe Gubler von der Stützpunktfeuerwehr Laufental. Dadurch sei die ganze Bedienung viel zügiger und handlicher. Auf einem Bildschirm am Bedienungspult im Rettungskorb kann Gubler laufend Daten wie die exakte Höhe oder die noch verbliebene Reichweite des Krans ablesen. Wasserwerfer mit einer Kapazität von 2500 Litern pro Minute sind ebenso fix installiert wie die Kamera zur Überwachung der Rettungseinsatzes. Selbst dort, wo der 18 Tonnen schwere Zweiachser nicht hinkommt, kann er nützlich sein. Für Häuserevakuierungen etwa in Hinterhöfen führt der Hubretter ein aufblasbares Sprungpolster mit.

Schliesslich verfügen die beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge über eine Eigenschaft, um die sie alle Autofahrer beneiden dürften. Ihre reflektierende rote Farbe ist nicht etwa aufgespritzt, sondern mit spezieller Folie aufgeklebt; eigentlich sind beide Fahrzeuge schneeweiss. Bei einem Kratzer - ja, das gibt es manchmal - muss nicht etwa der Hubretter zeitaufwändig umgespritzt, sondern bloss die Folie ersetzt werden. Für die Gebäudeversicherung, welche nicht nur die Beschaffung vollumfänglich finanziert hat, sondern auch Einstellplatz, Wartung, Unterhalt und Ausbildung bezahlt, dürfte sich dies positiv auf die Autoversicherungsprämie auswirken.