Der Atmosphäre im Foyer des Liestaler Landratssaals haftete gestern etwas Skurriles an. Egal, wen man fragte, es waren nur Sieger da. «Ich bin happy», sagt FDP-Landrat Michael Herrmann als Co-Präsident des Nein-Komitees. «Mir gehts saugut», sagt Grünen-Landrat Jürg Wiedemann als Vordenker des Ja-Komitees «Gute Schule Baselland». Dabei hätten die Rollen kaum klarer verteilt sein können: Das Baselbieter Stimmvolk erteilte allen drei Bildungsinitiativen eine deutliche Abfuhr.

Nur bei den «Zwangsverschiebungen» gab es überhaupt Zustimmung

Die beiden Nichtformulierten Initiativen «Betreuung der Schüler optimieren» und «Keine Zwangsverschiebungen an Baselbieter Sekundarschulen» wurden mit 64,8 respektive 59,3 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Initiative «Überfüllte Klassen reduzieren» lehnten 63 Prozent ab. Nur bei der Frage der Zwangsverschiebungen gab es überhaupt zustimmende Gemeinden (Allschwil deutlich, Schönenbuch, Duggingen und Bennwil knapp).

Initiativen bloss als Instrument

Der Grund, weshalb das Ja-Komitee um Wiedemann und Präsidentin Simone Meier dennoch feierte, ist das Ja zum regierungsrätlichen Gegenvorschlag zur Reduktion der Klassengrössen. Immerhin 56,5 Prozent der Stimmbürger sprachen sich dafür aus, dass die Höchstzahl der Schüler an der Primarschule und an der Sekundarschule Niveau E und P von 26 auf 24 pro Klasse reduziert wird.

Das Ausmass des Jubels erstaunt dennoch: «Unsere Rechnung ging perfekt auf», sagt etwa Wiedemann. Das Ziel des Komitees sei es gewesen, die Betreuung der Schüler zu verbessern. Der Gegenvorschlag trage nun dazu bei. Dass alle drei Initiativen abgelehnt wurden, sei letztlich nicht entscheidend. «Ich verstehe Initiativen eher als Instrument, um generell etwas auszulösen. Durch sie wird ein Thema oft erst auf die politische Ebene gebracht», offenbart Wiedemann seine Strategie.

20 Schulklassen sind betroffen

«Dieser Salto von Wiedemann ist zirkusreif», sagt Urs Wüthrich, Baselbieter Bildungsdirektor, dazu. «Er ist auf ganzer Linie gescheitert. Alles andere ist eine billige Ausrede.»
Wüthrich sagt, man wolle die Anliegen der Lehrerschaft und Eltern ernst nehmen, aber nicht zig Millionen Franken ausgeben, ohne die Bildungsqualität damit spürbar zu steigern. Auch unabhängig der Initiativen hätte der Kanton die Höchstzahl der Klassengrössen senken wollen. Immerhin, so viel gesteht Wüthrich Wiedemann zu: «Die Initiative hat den Druck erhöht.»

Die konkreten Auswirkungen des Gegenvorschlags sind derweil noch vage. Dieter Kaufmann, stellvertretender Leiter des Amts für Volksschulen, schätzt, dass es in Baselland rund zehn Sekundar- und zehn Primarklassen mit mehr als 24 Schülern gibt. Er geht deshalb von ein bis zwei Klassen aus, die neu gebildet werden müssen. Eine zusätzliche Klasse kostet den Kanton jährlich 285000 Franken.