Nach über drei Stunden Marathonsitzung war in der Wirtschafskammer gestern versöhnliches Händeschütteln angesagt. «Beide Seiten sind zufrieden», sagte Direktor Hans Rudolf Gysin. Dass die Sitzung in die Länge gezogen wurde, hatte weniger mit Gysins Nachfolgeregelung zu tun. Schnell einigte man sich mit den acht Branchenvertretern, dass der neue Wirtschaftskammer-Direktor statt am 19. Oktober am 12. Dezember gewählt wird.

Dank dieses Kompromisses sieht Gysin seine Nachfolge in Stein gemeisselt; er ist überzeugt, dass dem heutigen Geschäftsleitungsmitglied Christoph Buser nichts mehr im Weg steht. «Für ihn ist diese Einigung das beste, das passieren konnte – Christoph Buser hat nun die Möglichkeit, sich an den verschiedenen Herbstversammlungen den Branchen zu präsentieren.» Zeitraubender war die Ausarbeitung einer Statutenänderung, wonach nicht mehr der Direktor die Geschäftsleitung ernennen kann. Diese Aufgabe fällt in Zukunft dem Zentralvorstand zu.

Buser hat weniger Macht als Gysin

Ursprünglich sollte der FDP-Landrat Buser bereits am 19. Oktober als Nachfolger Gysins von der Delegiertenversammlung ins Amt gehievt werden. Das wäre nur knapp ein Monat, nachdem die Findungskommission Buser am 22.September offiziell vorschlug. Das war zu kurzfristig für einige: Sechs Berufsverbände begehrten auf und forderten, die Delegiertenversammlung zu verschieben. Sie forderten daher die gestrige Aussprache (Der «Sonntag» berichtete). S

tein des Anstosses war indes nicht die Person Buser sondern die kurze Frist. Die Mitgliederverbände wollten, dass Gysin ihnen mehr Zeit zugesteht, damit sie die Meinungen ihrer Mitglieder einholen können. Zudem sei Buser bei vielen schlicht zu wenig bekannt, hiess es. Zwar habe der abtretende Direktor die Termine statutengerecht gesetzt, «aber die Zeit, in der die Mitglieder einfach die Entscheide des Wirtschaftskammer-Direktors abnicken, die muss einmal vorbei sein», so Matthias Ritter, Verbandspräsident von Dach und Wand Baselland, gegenüber dem «Sonntag».

«Es war sofort klar, dass es nicht das Anliegen der Branchenverbände ist, einen anderen als Christoph Buser im Amt zu haben», sagt Gysin nach der Aussprache. Die Misstöne beurteilt der FDP-Politiker selbstkritisch: «Ich nehme es auf meine Kappe. Die Wichtigkeit meiner Nachfolge habe ich offenbar unterschätzt.» Lachend legt er nach: «Da sehen Sie, ich nehme mich eben nicht so wichtig.»

Berufsverbände «hoch zufrieden»

Wichtig war die Aussprache offenbar für die Stimmung in der Wirtschaftskammer: «Es hat sich gelohnt für uns», bestätigt ein hoch zufriedener Matthias Richter. Den Anliegen der Berufsverbände sei vollumfänglich Rechnung getragen worden. Wann die Ära Gysin zu Ende geht, steht seit gestern auch fest: Am 31. August wir er den letzten Arbeitstag haben – den wirklich letzten, wie er Skeptikern entgegnet. Hinter vorgehaltener Hand wird nämlich schonmal die Sorge kundgetan, er würde weiterhin als graue Eminenz die Fäden ziehen.