Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind schwieg seit dem Ende der Sommerferien eisern dazu, ob der an der Sekundarschule Therwil verbliebene der beiden syrischen Brüder weiterhin seiner Lehrerin die Hand nicht gibt und welche Sanktionen Schule und Kanton genau ergreifen. Sie verwies stets auf ein laufendes Verfahren. Am Mittwoch nun trat das ein, was sie sich ohne Zweifel erhofft hatte: Die Bildungsdirektion (BKSD) konnte vermelden, dass der Schulrat der Sek Therwil vergangene Woche die Beschwerde der Eltern der beiden Teenager abgelehnt hat.

Gschwind liess es sich – obwohl sie sich aktuell noch von einer Lungenentzündung erholt – nicht nehmen, sich mit deutlichen Worten zitieren zu lassen: «Der Handschlag wird durchgesetzt – ohne Wenn und Aber.» Der Entscheid eines anderen Gremiums ermöglicht der Regierungsrätin also die Stärke zu demonstrieren, die die Öffentlichkeit von ihr in der Händedruck-Affäre stets verlangt hatte.

Neben dem nackten Entscheid erwähnte die BKSD auch erstmals, was für eine Disziplinarmassnahme noch vor den Sommerferien von der Schulleitung ausgesprochen worden war. Beide Schüler wurden zu «Sozialeinsätzen» verknurrt. Wegen der Beschwerde ihrer Eltern griff diese Massnahme aber bis heute nicht, sodass auch weitergehende Sanktionen wie Bussen oder Schulausschlüsse noch gar nicht zur Debatte standen. Die BKSD hält lediglich fest: «Das Recht der Lehrpersonen, den Handschlag einzufordern, wurde vom Schulrat bestätigt. Die Disziplinarmassnahme bleibt bestehen.»

Auch der TV-Journalistin schüttelt er nicht die Hand: Das Interview mit IZRS-Präsident Nicolas Blancho zum Thema Händeschütteln.

Auch der TV-Journalistin schüttelt er nicht die Hand: Interview mit IZRS-Präsident Nicolas Blancho zum Thema Händeschütteln.

(April 2014)

IZRS: «Regierung ist intolerant»

Bloss: Umgesetzt dürfte sie noch lange nicht werden. Zum einen kann der ältere der beiden Brüder nicht mehr belangt werden, da er die obligatorische Schulzeit abgeschlossen hat, wie die BKSD auf Anfrage nochmals bestätigt. Zum anderen läuft die zehntägige Beschwerdefrist gegen den Schulrats-Entscheid. Die Familie kann an den Regierungsrat gelangen, danach folgten Kantons- und schliesslich Bundesgericht. Und obwohl die Familie sich zurzeit nicht mehr öffentlich äussern möchte, ist dieser Weg wahrscheinlich.

Gegenüber der bz macht der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS), der die Ettinger Familie auch schon im Frühling beraten hatte, unmissverständlich klar: «Wir werden die Familie auf jede Art und Weise und durch jede Instanz unterstützen.» IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay sagt, dass der Zentralrat der Familie, ob juristisch oder finanziell, auf jeden Fall zur Seite stehe.

Der Therwiler Schüler Amer Salhani im Videobeitrag von AJ+.

Der Therwiler Schüler Amer Salhani im Videobeitrag der US-Newsplattform AJ+.

Der Kanton sagt zwar auf Nachfrage, dass er in diesem Verfahren nie vom IZRS kontaktiert worden sei. Doch das dürfte sich bald ändern, glaubt man Ulucay: «Es ist schlimm, dass wir für jedes muslimische Thema bis vors Bundesgericht gehen müssen, ehe wir Recht bekommen.» Die Haltung der Baselbieter Regierung sei intolerant.