Wer am Montag von der A 2 Richtung Delémont oder Muttenz Nord fährt, sieht kaum eine Änderung zu den vergangenen Wochen oder Monaten. Im Hagnau-Tunnel, wo die Spuren aus Basel und Pratteln zusammen kommen, ist die Verkehrsführung immer noch einspurig. Auf beiden Seiten sind Baustellenwände.

Anderes sind die Autofahrer seit Beginn der Schänzli-Sanierung letztes Jahr nicht gewohnt. Man kommt im Tunnel unter dem Bahndamm durch, wenn auch unter erschwerten Bedingungen.

Doch zwischen vergangenem Freitag 21 Uhr und Montag 6 Uhr sah der Hagnau-Tunnel ganz anders aus. An ein Durchfahren war nicht zu denken. Der Tunnel wurde nämlich abgerissen. Genau genommen existiert er jetzt gar nicht mehr, provisorisch zumindest, bevor er neu gebaut wird. Zwei Tage lang stand ein riesiger Abbruchbagger auf der Fahrbahn.

Meter um Meter knabberte das Ungetüm die Decke und Wände des Tunnels ab. Die Betonschere am Arm des Baggers krallte sich in den Stahlbeton, rüttelte, sodass sich die Steinbrocken aus dem Stahlbeton-Skelett lösten.

Abriss des Hagnau-Tunnels zwischen der A 2 und der A 18.

Abriss des Hagnau-Tunnels zwischen der A 2 und der A 18.

Unter lautem Krachen, der den Motorlärm übertönte, purzelten sie auf die Fahrbahn. Um die Staubentwicklung wenigstens ein bisschen einzudämmen, wurde Wasser gespritzt. Damit die vom Beton befreiten Tunnelwände nicht zusammenstürzen, waren schon im Voraus Bohrpfähle in den Boden gerammt worden. Obendurch floss der Verkehr der A 2 ungestört weiter.

Auch die Passagiere der SBB merkten nichts. Die Züge fahren schon seit Wochen auf insgesamt sieben Hilfsbrücken über die Schneise im Bahndamm, mit der der Tunnel freigestellt worden ist.

70 Meter langer Arm

Am Werk war der grösste Abbruchbagger Europas, der A-Rex M 9300. Seine Dimensionen sind noch am ehesten mit denen eines Einfamilienhauses vergleichbar: Er ist über 300 Tonnen schwer, schon nur die Zange wiegt 30 Tonnen. Seine Standfläche beträgt acht mal acht Meter, die Raupen sind 9,5 Meter lang und 2 Meter hoch. Sein Arm reicht bis 70 Meter weit.

Der Bagger ist so gross und schwer, dass er sich selber vor Ort zusammenbauen musste – für einen Kran, der das bewerkstelligt hätte, reichte auf der Hagnau-Baustelle der Platz nicht. «Man muss Gespür haben, um ihn zu bedienen», sagte Franz Muri von der Firma Aregger, welche die A-Rex eigenhändig entwickelt hat. «Man muss wissen, wie die Statik des Betons ist, den man abreisst.»

Das Bedienen sei eine beliebte Tätigkeit unter Baggerfahrern. «Aber wir nehmen nicht jeden.» Auch für Muri war der Tunnelabriss am Wochenende nicht Alltag. «Das ist schon ein heavy Rückbau.» Insgesamt wurden am Wochenende rund 5000 Kubikmeter Beton abgerissen.

Die A-Rex bewegte sich am Wochenende ausschliesslich auf dicken Stahlplatten, denn die Fahrbahn durfte nicht beschädigt werden. Es wurde das ganze Wochenende durch gearbeitet, auch nachts. Zeit, um die Fahrbahn zu flicken, wäre keine geblieben. Sogar die Strassenschilder blieben stehen. «Der Zeitplan ist sicher sportlich», sagte am Samstag Baustellenchef Hannes Wegscheider von der Firma Strabag.

1976 erstellt

Denn eines war zwingend: Heute Morgen um 6 Uhr musste der Verkehr Richtung Delémont wieder durch den Tunnel fahren können. Der hohe Zeitdruck war es dann auch, der den Riesenabbruchbagger nötig machte.

«So schnell zu arbeiten ist nur mit dem Einsatz sehr leistungsfähiger Maschinen möglich», sagt Richard Kocherhans, Leiter der Filiale Zofingen des Bundesamts für Strassen, dem Bauherrn der Sanierung des ganzen Schänzli.

Nach dem Einsatz des Riesenbaggers am Wochenende steht der Hagnau-Tunnel noch lange nicht. In den kommenden Monaten wird hinter den Verschalungen weiter gearbeitet, während der Verkehr einspurig durchfliesst.

Abgerissen und neu gebaut wird der 1976 erstellte Hagnau-Tunnel hauptsächlich aus einem Grund: weil die Verkehrsführung nicht mehr den heutigen Bedürfnissen entspricht. Jeder Basler Fahrschüler weiss, wie abrupt die Einfahrspur von Pratteln her kommend vor dem Tunnel endet. Und die Kurve nach Muttenz Nord ist unvernünftig eng. Nicht überraschend handelt es sich beim Abschnitt um einen Unfallschwerpunkt.

Das soll mit dem neuen Hagnau-Tunnel besser werden. Die Einspurstrecke wird bis weit in den Tunnel hinein reichen, denn er wird dreispurig anstatt wie jetzt zweispurig sein. Zudem wird die Ausfahrt nach Muttenz angenehmer zu befahren sein. Ersetzt wird die ganze Technik des Bauwerks, und über der Nordseite des Tunnels wird die neue Betriebszentrale für den Hagnau- und den Schänzli-Tunnel erstellt.

Man kann sich fragen, warum es überhaupt einen Tunnel durch den Bahndamm braucht. Stattdessen könnte man über der derzeit sowieso bestehenden Schneise definitive Brücken für die Bahn erstellen. «Das haben wir gar nicht erst geprüft», sagt dazu Projektleiter Hanspeter Hofmann. Günstiger wäre das nicht unbedingt gekommen, schätzt er.

Und für die SBB sei die Strecke über dem Tunnel ein simples Geleise, das viel einfacher zu warten sei als mehrere Brücken. Eine Rolle spiele zudem der Lärmschutz.