Die Stimmung bei den betroffenen 19 Handwerkern ist im Keller: Seit dem 8. Februar ist der Vergleich in Kraft, dass sie für die Arbeiten, die sie im geplatzten «Innovationszentrum Waldenburgertal» ausgeführt haben, mehr als die Hälfte des Rechnungsbetrags in den Kamin schreiben müssen. Zwar wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart, doch niemand dementiert, dass der Abschreiber 60 Prozent beträgt.

Arbeiten für rund 1,2 Millionen Franken hatten die KMU in der Liegenschaft Bachmatten 12 in Niederdorf bereits ausgeführt, bevor Ende Oktober der Baustopp kam. Der Architekt Martin Bonauer hatte die Umbauten an einem noch nicht gekauften Gebäude in Auftrag gegeben, im Namen einer Genossenschaft, die damals noch nicht gegründet war.

Diese hatte unter Federführung des Vereins pro Waldenburgertal (VPW) in dem Gebäude einen «attraktiven Ausgangspunkt in der Wirtschaftsentwicklung des Waldenburgertals» mit «zu erwartenden 50 Arbeitsplätzen» geplant. Das Vorhaben scheiterte an den Finanzen.

Konkurslawine vermieden

Den anschliessenden Vergleich aufgegleist hat dann ebenfalls Bonauer, «um eine Konkurslawine zu vermeiden», wie er sagt. Er habe in seinem privaten Umfeld mehrere hunderttausend Franken aufgetrieben, um wenigstens einen Teil der Forderungen der Handwerker zu begleichen. Er hätte stattdessen seine Bonauer Architekten AG in den Konkurs schicken können, meint er.

Doch dies hätte eine Reihe für ihn arbeitende KMU mit in den Abgrund gerissen, und private Bauherren hätten ihre Anzahlungen auf im Bau befindliche Häuser verloren. Dieses Szenario und die Aussicht auf jahrelange Juristereien mit unsicherem Ausgang waren der Grund, weshalb die Handwerker zähneknirschend den Verlust schluckten.

Ein Mann - drei Hüte

Bonauer steht im Zentrum der schier unglaublichen Geschichte. Als er die Bau-Aufträge erteilte, trug er drei Hüte: den ersten als Vorstandsmitglied des VPW, den zweiten als Inhaber der Bonauer Architekten AG und den dritten als Verwaltungsratspräsident des Hölsteiner Informatikunternehmens Fybe AG. Dieses sollte als Hauptmieter ins Innovationszentrum einziehen. Bonauer sass also gleichzeitig im Vorstand des Vereins, der den späteren Bauherrn gründen wollte, war Besitzer des Generalunternehmers und Präsident des zukünftigen Hauptmieters Fybe AG.

In diese Fybe AG hätte gemäss Bonauer ein Investor einen «Betrag mit vielen Nullen» investieren wollen, denn diese habe eine Softwarelösung für das «Web 3.0» entwickelt, das Internet der Zukunft. Die Fybe AG wiederum hätte sich mit einem Teil des Geldes an der Genossenschaft beteiligen sollen, die dann das Gebäude für das Innovationszentrum gekauft hätte. Als das Geld nicht kam, «begannen alle involvierten Personen so langsam aber sicher zu rotieren», schrieb Bonauer später den Handwerkern. Der VPW-Vorstand suchte nach Lösungen, gab aber kurz vor Weihnachten auf und schrieb auf seiner Website: «Ein von vielen Seiten positiv beurteiltes Innovationsprojekt im Waldenburgertal scheitert an unzuverlässigem Investor.»

Jonglage statt Strukturen

Der angebliche «Investor», Dieter Rolf Amstutz aus Oberwil, entpuppt sich nur als Investitionsvermittler. «Fybe hat den Investoren, die das Geld geben sollten, die dafür notwendigen Informationen nie geliefert», erklärt er. So habe man unter anderem erfolglos Bilanz und Erfolgsrechnung verlangt. Bonauers Ideen seien interessant, doch fehle eine solide Struktur, stattdessen werde jongliert, was sich auch daran zeige, wie der Umbau aufgegleist wurde. «Deshalb haben die Investoren die Notbremse gezogen, und ich musste mir von ihnen herbe Kritik anhören.» Wie unklar alles sei, zeige sich auch daran, dass Fybe angeblich die Bilanz deponiert habe, dann aber den Konkurs doch vermeiden konnte.

Amstutz hinterfragt auch die Konstruktion des gescheiterten Innovationszentrums: «So ein Zentrum soll neu gegründeten Firmen dienen. Da leuchtet es nicht ein, dass so ein Start-up-Unternehmen zugleich der finanzstärkste Genossenschafter sein und als Hauptmieter das Innovationszentrum finanziell tragen soll.» Zudem sei für eine Informatikfirma mit weltweiter Tätigkeit das Waldenburgertal zu weit weg vom Flughafen. «Ich zweifle, ob man für die Arbeitsplätze, für die man bereits die Infrastruktur gebaut hat, die Leute fände, die dort arbeiten möchten.» Amstutz sieht «keine böse Absicht», sondern vermutet vielmehr: «Da hat sich jemand einen viel zu grossen Hut angezogen.»
Kritik kommt auch von den Handwerkern: «Ich muss einige Jahre arbeiten, bis ich diesen Verlust wieder ausgebügelt habe», klagt ein Betroffener. «Wirtschaftsförderung würde anders aussehen», meint er in Richtung VPW. Dessen Vorstand habe Bonauer zuerst nicht gebremst und sich anschliessend «einfach rausgezogen».