«Ich sehe mich als Kreuzritter gegen den Missbrauch von Herkunftsangaben», sagt Thomas Minder, der mit seiner Kosmetikfirma Trybol Anzeige gegen die Unterwäschefirma Hanro eingereicht hat. Der Markenzusatz «of Switzerland» suggeriere, dass Hanro ihre Produkte in der Schweiz produziere.

Tatsächlich kommt die Wäsche aber aus Portugal. Das sei ein Vergehen gegen das Bundesgesetz zum Schutz von Marken- und Herkunftsangaben. Minder: «Das ist ein Offizialdelikt.» Die leitende Baselbieter Staatsanwältin Sylvia Gloor bestätigt indes nur, dass eine Strafuntersuchung gegen die Hanro AG eingeleitet wurde. Zum laufenden Verfahren will sie sich jedoch nicht weiter äussern.
Auch am Schweizer Firmensitz der Hanro AG in Liestal will man zum Strafverfahren keine Stellung nehmen.

Dafür äussert man sich am Hauptsitz in Österreich dazu: «Es ist das erste Mal, dass wir mit einer derartigen Klage konfrontiert sind», sagt Stephan Hohmann. Der Geschäftsführer von Hanro International will erst mal abwarten, wie die Baselbieter Staatsanwaltschaft den Fall bewertet. «Wenn der Markenzusatz juristisch nicht haltbar ist, können wir nichts dagegen machen.» Er hält die Marke jedoch für stark genug, sodass er sich keine personellen Konsequenzen für den Standort Liestal vorstellen kann.

Umstrittene «Swissness»

Minders Vorwurf lässt er nicht gelten: «Wir wollen nicht irreführen und deklarieren klar, dass unsere Produkte in Portugal produziert werden.» Der Zusatz «of Switzerland» gehöre seit je her zum Label und sei keine leere Marketingphrase: «Viele Materialien beziehen wir wegen ihrer Qualität aus der Schweiz. Wir könnten auch woanders billigere Produkte beziehen.»

«Es spielt keine Rolle, ob auf der Verpackung ‹of Switzerland›, das Matterhorn oder die Rütliwiese zu sehen ist», entgegnet Minder. Nur wenn der Hauptproduktionsprozess und die Produktionskosten von mindestens 50 Prozent in der Schweiz liegen, dürfe das Produkt mit der «Swissness» werben. Die Hanro deklariere seine Produkte mit «of Switzerland» und gleichzeitig mit Made in Portugal: «Das ist weder Fisch noch Vogel.»

Vergleichbarer Fall in Basel

Minders Argumentation basiert auf der des Basel-städtischen Strafgerichts im vergleichbaren Fall der Kosmetikfirma Juventa, die ebenfalls mit dem Zusatz «of Switzerland» wirbt, ihre Produkte aber in Deutschland produzieren lässt. «Die Firma steht nun vor der rechtskräftigen Verurteilung. Es fehlt nur noch das Strafmass», weiss Minder.

Zum Strafverfahren gegen Hanro kam es, nachdem Minder die Zollverwaltung auf mögliche Verfehlungen der Firma hinwies. Der Zoll beschlagnahmte erste Sendungen mit Wäsche aus Portugal. Groteskerweise kann Minder entscheiden, ob der Zoll weitere Sendungen zurückhält oder nicht. Minder: «Das Strafverfahren ist eingeleitet, weshalb wir auf weitere Beschlagnahmungen verzichten.»