Ein gutes Vierteljahrhundert hat der ehemalige Baselbieter FDP-Nationalrat und Wirtschaftskammer-Chef Hans Rudolf Gysin mit Martin Wagner zusammengearbeitet. Mit riesigem Schrecken und schwer erschüttert reagiert der 77-Jährige denn auf den tragischen Tod seines langjährigen Rechtskonsulenten. «Wir pflegten ein freundschaftliches Verhältnis und standen uns auch privat nahe», sagt Gysin auf Anfrage der bz.

«Kein einfacher Mensch»

Gysin förderte in den späten 80er- und frühen 90er-Jahren den damaligen Junganwalt und vermittelte ihm Aufträge und Kontakte – unter anderem zur «Basler Zeitung», die er Jahre später kurz als Verleger anführte. Wagner war sowohl für Gysin als auch für die Wirtschaftskammer und deren Mitglieder tätig. «Martin Wagner hatte ein unerhört gutes Flair, für seine Mandanten gute Lösungen herbeizuführen», sagt Gysin. Dabei sei er letztlich eher selten tatsächlich vor Gericht gestanden; die guten Lösungen kamen meist im Vorfeld zustande – in hart geführten Verhandlungen.

Wagner hatte ein gutes Gespür darin, wie weit er gehen konnte. Gysin räumt ein, dass dieser «kein einfacher Mensch» gewesen sei und unnachgiebig sein konnte. Für Gysin, den lange einflussreichsten Politiker des Baselbiets, war Wagner in späteren Jahren ein Partner auf Augenhöhe, der ihm offen und schonungslos seine Meinung sagte.

Gysin kannte auch Wagners vor wenigen Monaten an einem Gehirntumor verstorbene Ehefrau Sandra sehr gut – war sie doch über Jahre eine seiner Mitarbeiterinnen. «Was passiert ist, ist Wahnsinn», sagt Gysin. Erst am Samstag habe die Familie den 10. Geburtstag der jüngsten Tochter Wagners gefeiert. Nun sind die drei Kinder aus der Ehe mit Sandra Vollwaisen.

Die aktuelle Führung der Wirtschaftskammer, für die Wagner ebenfalls als Chefjurist tätig war, wollte gestern keine Stellung nehmen – «aus persönlicher Betroffenheit sowie Respekt gegenüber den Angehörigen und insbesondere gegenüber den betroffenen Kindern», wie sich Verbandsdirektor Christoph Buser zitieren lässt. Dies war auch der Grund, weshalb Buser am Sonntag kurzfristig einen Auftritt im Talk von «Telebasel» absagte.