Es sind zwar nur zwei dürre Zeilen im Budget – doch sie haben es in sich. Muttenz will bei den Sportvereinen die hohle Hand machen. Sie sollen mithelfen, das Defizit der Gemeinde zu reduzieren. Konkret sieht der Gemeinderat vor, die Einnahmen aus der Vermietung von Turnhallen und Sportplätzen beinahe zu verdoppeln, von aktuell 37'000 auf 70'000 Franken. So steht es im Budget-Entwurf für das kommende Jahr.

Die Sportler wollen sich das aber nicht einfach so gefallen lassen. Der Turnverein wie auch der Sportverein Muttenz rufen zur Abstimmung mit den Füssen auf: Die Mitglieder sollen in möglichst grosser Zahl an der nächsten Gemeindeversammlung aufmarschieren, um die Erhöhungen zu versenken. Das Budget 2018 wird am kommenden Dienstag, 12. Dezember, behandelt.

Volle Halle erwartet

Kürzlich haben die Präsidenten von Turnverein und Sportverein allen Mitgliedern einen Brief geschickt. Darin heisst es, TV und SV würden «eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten» und einen «erheblichen Beitrag an die Integration von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund» leisten. Statt Lob, Anerkennung und finanzieller Unterstützung von Seiten der Gemeinde würde man von dieser jedoch zur Kasse gebeten. So müsste man die Mehrkosten bei den Mitgliederbeiträgen wieder hereinholen. «Das kann und darf nicht sein!»

Die Mobilisierung könnte Früchte tragen. Der TV und der SV Muttenz haben insgesamt mehrere hundert stimmberechtigte Mitglieder, hinzu kommen die Angehörigen und Verwandten der rund 900 Kinder und Jugendlichen, die bei den beiden Vereinen trainieren. Gemeinsam könnten TV und SV die Mittenza-Halle locker alleine füllen.

Betroffen von der Verteuerung wären wohl sämtliche Vereine. Der Gemeinderat will bei den Liegenschaften neu
50'000 Franken einnehmen (bisher 27'000 Franken), die Vermietung von Leichtathletik- und Fussballanlagen soll ab dem kommenden Jahr 20'000 Franken in die Kasse spülen – heute sind es 10'000 Franken.

Der für die Finanzen zuständige Gemeinderat Alan Bai (FDP) sagt auf Anfrage, man habe die Erhöhung vorgesehen, weil möglichst alle mithelfen sollten, den Finanzhaushalt wieder ins Lot zu bringen. «Bisher sind wir aber nicht aktiv auf die Vereine zugegangen – aber nicht, weil wir sie überrumpeln wollten, sondern, weil wir uns fruchtbare Diskussionen an der Budget-Versammlung erhoffen.»

Einheimischen-Rabatt möglich

Um der Debatte nicht vorzugreifen, seien auch keine konkreten Beträge für die künftigen Mieten publiziert worden. «Wir wollen nun wie gesagt zuerst die Budget-Versammlung abwarten. Die Ausarbeitung der Gebührenordnung folgt danach gemeinsam mit Vertretern von allen Vereinen.»

Zudem sei es bereits heute so, dass ortsansässige Vereine von einer Vorzugsbehandlung profitierten. So würden ihnen unter der Woche die Gebühren grundsätzlich erlassen. Eine Gebührenerhöhung bedeute also nicht automatisch, dass die einheimischen Vereine künftig den vollen Preis zahlen müssten. «Denkbar ist es allemal, die eigenen Vereine weiterhin mit tieferen Gebühren zu unterstützen.»

Gemeinderätin Franziska Stadelmann (CVP), Vorsteherin des Departements Bildung, Kultur und Freizeit, bestätigt die Angaben ihres Kollegen: «Es ist denkbar, dass zwischen ortsansässigen Vereinen und anderen Vereinen unterschieden wird. Aber wie diese Gebühren gestaltet werden, ist noch offen.»

Muttenz musste bereits eine Massnahme, mit der die finanzielle Lage hätte verbessert werden sollen, wieder aus dem Budget streichen: Die Gemeindeversammlung vom Oktober lehnte eine Privatisierung von zwei gemeindeeigenen Tagesheimen klar ab. So ist das erwartete Defizit im kommenden Jahr gemäss Budgetentwurf auf rund 1,8 Millionen Franken angewachsen.

Allschwil krebste zurück

Wie Muttenz haben in den vergangenen Jahren auch andere Baselbieter Gemeinden ihre Benutzungsgebühren für die Miete und Nutzung von Gemeindeinfrastruktur erhöht. Etwa Allschwil: Dort sorgten die Aufschläge auch im Einwohnerrat für böses Blut. Nach Protesten beschloss der Gemeinderat eine Art Eingewöhnungszeit: Die neuen Preise werden gestaffelt eingeführt.

Auch gewährt Allschwil ortsansässigen Vereinen Rabatt. Schülerinnen und Schüler dürfen Sportplätze und Turnhallen weiterhin gratis benutzen.