Co-Präsident Markus Hug ist im Interview skeptisch, ob die Nachtfalter-Schränzer aus Pratteln tatsächlich die älteste Guggenmusik im Baselbiet und damit die erste ausserhalb von Basel und Luzern ist: «In Liestal oder Sissach gibt es sicher noch ältere Guggen.»

Doch Hug irrt sich: Milchgugge und Latärnäschränzer wurden beide 1981 gegründet, die Schlammsuuger Sissach 1967. Sie alle sind damit deutlich jünger als die Nachtfalter-Schränzer, die heuer ihren 60. Geburtstag feiern: 1959 gab es selbst in Basel erst eine Handvoll Guggen.

Die Details zum Ursprung der Nachtfalter-Schränzer liegen für die heutige Generation um die Co-Präsidenten Hug und Daniel Gütlin, immerhin seit 1996 und 1995 mit dabei, im Dunkeln. Über die Wahl des Namens können die beiden heute nur Vermutungen anstellen: Es habe sich zu Beginn um einen «Nachtfalter-Club» gehandelt, weiss Hug noch aus Erzählungen. Das fast poetische Wort «Nachtfalter» sei aber wohl einfach bei einem Brainstorming gefallen.

Keineswegs im Dunkeln liegt dagegen die Herkunft aus der Musikgesellschaft Pratteln (MGP), aus der sich in bemerkenswerter Kontinuität bis heute fast alle Guggenmusiker rekrutieren, auch wenn rund ein Drittel davon mittlerweile auswärts wohnt.

Das erklärt, warum die Nachtfalter-Schränzer nie Nachwuchsprobleme hatten: «Es gab bei uns nie abrupte Generationenwechsel oder Abspaltungen», sagt Gütlin. Wohingegen nach dem grossen Boom in den Neunzigern heute einige Guggenmusiken mangels Mitglieder ums Überleben kämpfen, erfreuen sich die Nachtfalter-Schränzer grösster Beliebtheit: Mit 45 Musikern hat die Prattler Gugge derzeit ihr Maximum erreicht. Lange Zeit waren es aber auch nur 30 Mitglieder, wie Hug und Gütlin sagen: «Es sind viele Ehemalige wieder zurückgekommen.» Das älteste Mitglied ist 71 Jahre, das jüngste 17.

Musikalisch in der höchsten Liga

Dabei ist noch eine weitere Kontinuität ungebrochen: Die Nachtfalter-Schränzer sind bis heute ein reiner Männerverein. «Es gab immer wieder Anfragen von Frauen», sagt Hug; «aber da gibt es keine Diskussion.» So viel Tradition muss sein.

Ohne Zweifel gehören die Nachtfalter-Schränzer musikalisch zu den ersten Guggen, was bei den erwähnten Vorkenntnissen aus der Musikgesellschaft aber auch zu erwarten ist. Als Markenzeichen der Nachtfalter-Schränzer dürfen sicher die vielen Saxofone gelten – acht Stück in Alt, Tenor, Bariton und Sopran sind es aktuell – sowie das Schlagwerk, das ganz ohne die sonst typischen, «Küchen» genannten Trommelsets auskommt.

Von Blues über Filmmusik bis Techno haben die Nachtfalter-Schränzer schon alles gespielt, 50 Nummern gibt es im aktuellen Repertoire. Die Arrangements werden selbst geschrieben, die Stücke bleiben laut Hug und Gütlin so lange im Repertoire, «wie es gefällt: Manche schaffen es nicht über den Fasnachtssonntag in Pratteln, andere spielen wir seit 30, 40 Jahren.»

Bisweilen werden die Nachtfalter-Schränzer bei Auftritten von Tänzerinnen begleitet – ebenfalls ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Es handelt sich dabei um Profitänzerinnen, die privat mit den Nachtfalter-Schränzer verbunden, aber kein Teil des Vereins sind, wie Hug und Gütlin verraten.

Tanz und Kostüme entwürfen die Choreografiestudentinnen selbst. Ein solcher Auftritt mit Tänzerinnen bescherte den Nachtfalter-Schränzern ihren bisher medienwirksamsten Auftritt: Vom Charivari 2017 beeindruckt, lud sie Tattoo-Geschäftsführer Erik Julliard, der auch die Fasnachtsveranstaltung produziert, zum letztjährigen Christmas Tattoo ein, wo sie – allerdings ohne Tänzerinnen – einen gefeierten Auftritt hatten.