Klar ist: Die Geschäftsleitung wertet ihren nun gefällten Entscheid zumindest teilweise als Erfolg. 87 Kündigungen wird Harlan Laboratories an den Standorten in Itingen und Füllinsdorf aussprechen - 13 weniger als bisher angenommen. Zudem wird den verbleibenden rund 450 Angestellten der Lohn doch nicht gekürzt.

Harlan bedauert die Entlassungen und schreibt, «vom Einsatz der Leute überwältigt» zu sein, die während dem Konsultationsverfahren Vorschläge unterbreitet hätten. Gleichzeitig sei es nur möglich gewesen, das Lohnniveau zu halten, da der amerikanische Hauptsitz finanzielle Unterstützung zusicherte. Dadurch sollen weitere Verluste in diesem Jahr verhindert werden. Die Geschäftsleitung wertet dies «als starkes Commitment zum Schweizer Standort und zu unseren Mitarbeitern».

37 Baselbieter sind betroffen

Ganz anders sieht das Marion Wild von der Harlan-Arbeitnehmervertretung: «Ohne den Widerstand von uns und der Unia hätte sich die Leitung keinen Zentimeter bewegt.» Der abgeschwächte Beschluss sei nicht viel mehr als ein Zückerchen, um die Angestellten zu beruhigen. Vergebens: «Viele Mitarbeiter sind mit den Nerven am Ende. Jeder zittert, ob es ihn trifft», sagt Wild. Noch wisse niemand, wer zu den 87 Betroffenen gehöre. Wild weiss lediglich, dass es sämtliche Abteilungen trifft. Zudem ist die Aufteilung nach Wohnsitz bekannt: 60 Schweizer, davon 37 Baselbieter, 12 Grenzgänger aus Frankreich sowie 15 aus Deutschland. Die ersten drei müssen laut Wild bereits Ende September gehen, der Rest bis spätestens Ende November. «Das ist eine kurze Galgenfrist», merkt sie bitter an.

Was bisher fehlt, ist ein Sozialplan. «Da alle Angestellten Einzelarbeitsverträge haben, besteht keine generelle Sozialplan-Pflicht, sofern vertraglich nichts anderes ausgemacht wurde», sagt Roman Zaugg vom Baselbieter Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga). Bis jetzt sichert Harlan den Betroffenen bloss Hilfe bei der Stellensuche via Kiga sowie konzernintern zu. «Wir brauchen unbedingt einen Sozialplan», fordert Wild. Unterstützung erhalten die Angestellten dabei von der Gewerkschaft. «Wir pochen darauf, dass die Unternehmensleitung in Sozialplanverhandlungen eintritt», fordert Carsten Bley von der Unia.

Neun haben selbst gekündigt

Wild betont trotz allem, dass «wir nicht die Konfrontation suchen». Die Angestellten erhofften sich aber mehr Offenheit in der Kommunikation. Als Beispiel nennt Wild, dass bereits neun Mitarbeiter von sich aus gekündigt haben, aber: «Entlässt Harlan nun nur noch 78 Personen oder hätten sie ohne die Neun dann 96 von uns auf die Strasse gestellt?»