Es gibt auch den zufriedenen Patienten in der Wohngruppe Horizonte, die im Binninger Villenviertel ein Heim für straffällig gewordene, psychiatrische Bewohner führt. Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) von St. Gallen schreibt in einer Referenz: «Die Fortschritte, die Herr A. in dieser Umgebung gemacht hat, sprechen für sich.» Das Setting der Betreuung mache einen «professionellen Eindruck» und dies bei «relativ tiefen» Kosten.

Einen ganz anderen Eindruck hatte eine Heimleiterin, die noch in der Probezeit kündigte, da sie «ohne professionelle Strukturen» ihre Verantwortung nicht habe wahrnehmen können. Vorbehalte äusserte sie in einem Schreiben an das Baselbieter Sozialamt bezüglich Sicherheit, medizinischer Versorgung, der Einhaltung der arbeitsrechtlichen Bedingungen sowie dem Therapieangebot. Die Konzepte würden mehr versprechen, als umgesetzt werde.

Seit Sommer ist die Wohngruppe in den Schlagzeilen. Die Nachbarschaft sah sich plötzlich durch die psychiatrische Einrichtung bedroht. Obwohl das Heim bereits seit zwei Jahren in der Villa des Immobilienunternehmers Gribi tätig und von den Behörden unbehelligt war. Diese hatten zwar ein erstes Gesuch abgelehnt, ein Heim für Erwachsene führen zu dürfen, liessen es aber dennoch gewähren.

Vorwurf: «Elementare Kenntnisse fehlen»

Auf den neuen Widerstand reagierten die Binninger Behörden, indem sie von der Wohngruppe ein Baugesuch für eine Zweckeänderung verlangte. Die Wohngruppe reichte dieses ein, zusammen mit einem erneuten Bewilligungsgesuch. Dagegen legten die Anwohner wiederum Beschwerde ein.

Ende August lagen die Entscheide vor. Das Sozialamt lehnte das Bewilligungsgesuch ab: «Die Vielzahl der vorliegenden Mängel zeit, dass der Gesuchstellerin offensichtlich elementare Kenntnisse zum Führen eines Heimes fehlen.» Das Bauinspektorat verzichtete zwar auf die Anordnung, das Heim zu schliessen, doch müsse die Patientenanzahl auf die ohne Bewilligung maximal möglichen drei reduziert werden.

Gegen diesen Entscheid legte wiederum die Wohngruppe Beschwerde ein. Deren Anwälte argumentieren, es sei das rechtliche Gehör verletzt worden, das Sozialamt habe seine Ablehnung nicht ausreichend begründet. Zudem sei die fachgerechte Betreuung gewährleistet, was sich schon daran zeige, dass selbst die Baselbieter Justizdirektion Patienten dem Wohnheim zuweise. Ihre Forderung: Dem Wohnheim sei bis Ende März 2019 eine Betriebsbewilligung zu erteilen.

Eine Überbauung ist geplant

Hintergrund für die zeitliche Befristung: Eigentümer Urs Gribi plant seine ehemalige Privatvilla abzureissen und das Areal neu zu überbauen. Deshalb hat er mit der Wohngruppe einen Mietvertrag bis Ende Jahr abgeschlossen. Diesen hat er um drei Monate verlängert, «sofern die Betriebsbewilligung erteilt wird», wie es in der vorliegenden Vereinbarung heisst.

Bis zum 9. November läuft die Frist zum nächsten Schriftwechsel. Ein rechtsgültiger Entscheid über das Bewilligungs- und Baugesuchsverfahren steht damit noch ziemlich lange nicht in Aussicht. Dennoch könnte es für das Wohnheim Horizonte bald sehr eng werden.

Auch ein Problem mit Medikamenten

Die Heilmittelkontrolle Baselland hat das Wohnheim angemahnt, ohne Betriebsbewilligung sei es nicht berechtigt, Arzneimittel zu lagern. Es fehle auch an einer verantwortlichen Apothekerin und am erforderlichen Fachpersonal für die Medikamentenabgabe.

Gemäss vorliegendem Schriftwechsel versuchte die Wohngruppe zu argumentieren, das Amt habe doch einer Übergangslösung bis Ende Jahr zugestimmt, was dieses jedoch verneint. Der Kantonsapotheker untersagte daraufhin den Apotheken, die Institution weiter zu beliefen. Die Wohngruppe selbst erhielt eine Strafandrohung, sollte sie weiterhin Medikamente in bisheriger Form abgeben.

Auf Anfrage teilen die Anwälte der Wohngruppe mit, die zugewiesenen Bewohnerinnen und Bewohner würden weiterhin auftragsgemäss und fachgerecht betreut. Weitere Auskünfte würden aufgrund des laufenden Verfahrens nicht erteilen.