Der Schock sitzt am Tag nach dem tödlichen Unfall am Fasnachtsumzug in Liesberg tief. Beim Dorfladen im Oberdorf, wo am Sonntagnachmittag ein 40-jähriger Fasnächtler von einem Umzugswagen fiel, haben Trauernde Kerzen angezündet.

Die Betroffenheit in der Laufentaler Ortschaft ist gross; viele haben den Verunfallten gekannt. Er ist im Dorf aufgewachsen, lebte noch immer dort und war sehr gut integriert. Zahlreiche Anwesende haben miterleben müssen, wie das Mitglied des Vereines Sturmtrupp in den Tod stürzte. Ein Care-Team kümmerte sich während Stunden um viele Augenzeugen und Angehörige.

Der Dorfverein Sturmtrupp organisierte in den vergangenen Jahren regelmässig Anlässe und nahm an der Liesberger Fasnacht teil. In diesem Jahr liess man sich für den Umzug in der 1150-Einwohner-Gemeinde etwas Spezielles einfallen, wie ein Besucher berichtet. «So eine Konstruktion habe ich noch nie gesehen. Sie hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen», erzählt er. Gemeinsam mit drei Kollegen war der Verunfallte als Superman verkleidet auf einem vierarmigen Metallkreuz befestigt.

Umzugsbesucher eilten zu Hilfe

Der 40-Jährige sei mit einem Klettergurt und einem Seil gesichert gewesen, sagt der Baselbieter Polizeisprecher Adrian Gaugler. «Aus welchem Grund er aus drei bis vier Metern in die Tiefe stürzte, klären wir ab.» Der Umzugswagen befindet sich momentan bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft, die ihn begutachtet. Der Verstorbene wird obduziert, und es wird überprüft, ob er Alkohol intus hatte.

Beim Sturz zog sich der Fasnächtler schwere Kopfverletzungen zu. Gemeindepräsident Markus Wackernagel, der auf der anderen Seite des Wagens stand, als das Unglück passierte und deshalb den Sturz nicht sah, sagt: «Es zeigte sich, dass der Zusammenhalt im Dorf gross ist. Schon nach wenigen Sekunden sind einige Besucher dem Verunfallten zu Hilfe geeilt und haben versucht, ihn wiederzubeleben.» Doch rotz der vielen Einsatzkräfte vor Ort ist es nicht gelungen, den Mann zu retten.

Neben der Polizei rückten auch die Feuerwehr und die Rega ins hintere Laufental aus. Nach dem Unfall wurde der Umzug abgebrochen. Einige Besucherinnen und Besucher weilten laut dem Gemeindepräsidenten noch lange auf der Strasse, trösteten einander und versuchten, den Unfall einzuordnen.

«Eine professionelle Clique»

Im Gegensatz zu Basel-Stadt, wo alle Umzugswagen, die am Cortège teilnehmen, von der Polizei abgenommen werden müssen, kennt das Baselbiet keine solche Regelung. «Aufgrund der vielen Umzüge im ganzen Kanton ist nicht die Baselbieter Polizei für die Sicherheit der Wagen zuständig», sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler.

In Liesberg wird der Umzug vom Verein Schwanezunft organisiert. Deren Präsident, Martin Aregger, stellt klar: «Grundsätzlich ist jede Formation selber für die Sicherheit ihres Wagens verantwortlich.»

Bei der Clique des Verunfallten handle es sich um eine der ältesten Cliquen im Dorf, und sie habe immer einen professionellen Eindruck gemacht. «Die Clique hat in der Vergangenheit schon zahlreiche Wagen gebaut – und dabei nichts dem Zufall überlassen.»