Ganz Gempen fragt sich: Standen da nun Warnschilder oder nicht? Die Behörden sagen Ja, eine Zeugin Nein – und derjenige, der es wissen müsste, liegt auf der Intensivstation und kann nicht einvernommen werden.

Es ist der Velofahrer, der am zweiten Samstag im August auf der Gempenstrasse schwer verunglückt ist. Der 59-jährige Familienvater war nachmittags von Gempen her in Richtung Dornach unterwegs. In einer Kurve stürzte er. Die Strasse wurde zum Zeitpunkt saniert, an diversen Stellen wurde Rollsplitt aufgetragen.

Wegen der erhöhten Rutschgefahr habe man Warnschilder angebracht, sagt Niggi Stoll, der Leiter des Kreisamts 3, das für den Streckenabschnitt verantwortlich ist. 25 Stück seien aufgestellt worden – auch im Abschnitt der Unfallstelle. Der Velofahrer habe bis zum Sturz mindestens vier davon sehen müssen, sagt Stoll.

Zeugin widerspricht Behörden

Das stimme nicht, entgegnet eine Gempnerin, welche die Strasse fast täglich befährt. Sie sei als erste am Unfallort gewesen. Die Schilder seien erst nach dem Unfall aufgestellt worden, sagt Valentina Dänzer gegenüber der bz. «Ich habe an jenem Tag die ganze Strecke abgefahren. Unmittelbar vor der Gefahrenzone waren keine Schilder aufgestellt, oder sie waren zumindest nicht zu sehen, was am Ende dasselbe bedeutet.»

Am selben Samstag fuhr sie ein paar Tage in die Ferien. Bei der Heimkehr am darauf folgenden Freitag habe sie grosse Augen gemacht: «Es hatte – oh Wunder! – alle paar hundert Meter ein Warnschild am Strassenrand.»

Genau das Gegenteil sei der Fall, entgegnet Niggi Stoll: Der grösste Teil der Schilder habe bereits nach dem besagten Wochenende wieder abgeräumt werden können. An den meisten Stellen seien die Arbeiten abgeschlossen gewesen. Dass im betroffenen Abschnitt Schilder gestanden hätten, habe auch die Polizei Solothurn in der Unfallaufnahme so fest gehalten. Die Polizei wiederum erteilte am Mittwoch keine Auskunft, mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen.

Auch Töfffahrer wäre fast gestürzt

Die Schilder sind aber nicht der einzige umstrittene Punkt. Laut Stoll habe an der Unfallstelle gar kein Rollsplitt auf der Strasse gelegen. Der Velofahrer sei also wohl nicht deswegen zu Fall gekommen. Valentina Dänzer widerspricht abermals: «Bei der Unfallstelle lag der Splitt zentimeterhoch. Es gab gar richtige Spurbahnen.» Ein Motorradfahrer, der fast gleichzeitig wie sie an der Unfallstelle eingetroffen sei, habe jedenfalls einen Sturz nur mit Mühe verhindern können.

Die Polizei Solothurn stellte der bz ein Foto zur Verfügung, das kurz nach dem Unfall entstand. Darauf ist zu erkennen, dass an einigen Stellen auf dem Belag Splitt aufgebracht worden ist. Wie frisch die Reparaturen sind, ist jedoch nicht zu erkennen. Von der Art der Verletzungen des Mannes – er trug unter anderem mehrere schwere Knochenbrüche davon – ist aber davon auszugehen, dass er in der Kurve die Kontrolle verlor und mehrere Meter am Boden entlang schliff.

Dänzer lässt sich dennoch nicht überzeugen: «Der Sturz hätte wahrscheinlich verhindert werden können, wenn die Schilder rechtzeitig aufgestellt worden wären.»