Still und leise verabschiedet sich das Hebel-Jahr 2010, unbemerkt von vielen, die, wie einst Hebel selbst im Grusswort seines «Rheinländischen Hausfreundes» schrieb, zur Silvesternacht «schlafen im Schutze Gottes und merken nicht viel davon, wenn die zwei großen Schildwachen sich ablösen in der Mitternacht und geben einander Parole, die niemand versteht». Die grossen Feierlichkeiten in Basel und Hausen liegen bereits über ein halbes Jahr zurück.

Dabei begann das Jahr in Basel mit jenen «losen Vögeln, [die...] Petarden legen, und fast sehr laut sind»: Befürchtungen waren im Grossen Rat aufgekommen, ob die Kantonsregierung die Hebel-Projekte in der Stadt angemessen finanziell unterstützen würde, als wüssten die Grossräte nicht, «daß das neue Jahr kommt wie ein Geist, der nicht gern will beschrieen sein, wenn er soll viel Gutes bringen». Die Angst, das Hebeljahr werde sang- und klanglos untergehen, sei allerdings von den Medien immer wieder hochgekocht worden, findet Beatrice Mall, Präsidentin der Hebelstiftung.

Andrang auf Stadtrundgänge

Im Rückblick sieht Mall die Sorgen unbegründet: «Es liefen so viele Veranstaltungen auf privater Ebene. Es muss nicht immer die Regierung hinter allem stehen.» Das grosse Engagement ausserhalb der Hebelstiftung sei «ein tolles Zeichen, dass Hebel lebendig ist». Besonders beeindruckt war Mall vom enormen Besucherandrang bei den Basler Stadtrundgängen auf den Spuren Hebels.

Dank der Hebelstiftung ging Hebel auch in der zweiten Jahreshälfte nicht vergessen: im Juli das Strassenfest in der Sankt-Johann-Vorstadt, im September ein Stand auf dem Unifest und der Gottesdienst zum Todestag. Im November organisierte die Hebelstiftung in Liestal einen gut besuchten «Hebel-Crashkurs». Zwar habe sie sich über schöne Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» gefreut; die Aufmerksamkeit in der Schweiz für Hebel blieb laut Mall aber «auf die Region beschränkt». Ein geplantes Hebelseminar im Kanton Zürich scheiterte beispielsweise an den wenigen Anmeldungen.

Anders sieht Malls badischer Kollege Hans-Jürgen Schmidt, Präsident des Lörracher Hebelbundes, die Situation in Deutschland: Dort habe Hebel bundesweit «erfreulich viel» Aufmerksamkeit bekommen, vor allem beim Norddeutschen Rundfunk, in der «Frankfurter Allgemeinen» und der «Süddeutschen Zeitung». Insgesamt war Schmidt «überwältigt vom Echo» auf das Hebeljahr. «Vom ehrwürdigen Vortrag bis zum Kabarett» sei Hebel in allen denkbaren Formen behandelt worden. «Vollauf zufrieden» habe er die Vielfalt und Qualität der über 350 Veranstaltungen von Gemeinden, Museen und Vereinen in Baden-Württemberg, in der Nordwestschweiz und im Elsass verfolgt. In dieser Vielfalt werde Hebel sichtbar als der, der er gewesen sei: Theologe, Pädagoge, Dichter, Historiker, Naturwissenschafter.

Und auch über das Jubiläumsjahr 2010 hinaus setzt die Hebelstiftung den Dichter ins öffentliche Bewusstsein: auf der Doppel-CD mit Gedichten und Kalendergeschichten, im Comic und auf der Sonderbriefmarke. Vor allem das junge Publikum möchte Mall in Zukunft für Hebel sensibilisieren und dazu unter anderem die Lehrer ansprechen: «Hebel ist heute noch immer gut für die Schule.»