Die maroden Tramgleise der Linie 6 in Allschwil können notsaniert werden. Der Baselbieter Landrat hat gestern in Liestal mit 68 gegen eine Stimme sechs Millionen Franken für dringliche Arbeiten bewilligt. Damit soll bis 2020 ein sicherer Trambetrieb möglich sein.

Das Trassee in der Baslerstrasse aus dem Jahr 1956 befinde sich in einem besorgniserregenden Zustand, hält die Landratsvorlage fest. Die Sicherheit sei wegen zahlreicher Schienenbrüche, Einsenkungen und loser Gleisklemmungen trotz diverser Notmassnahmen kaum mehr zu gewährleisten.

Mehrere Parteien kritisierten in der Debatte die Planung der Strassensanierung, die bisher schlecht verlaufen sei. Sparmassnahmen hätten zudem zu Verzögerungen geführt, hiess es seitens der SP; deswegen müsse nun insgesamt mehr Geld ausgegeben werden. Eine Sprecherin der EVP/Grünen-Fraktion sagte, dass eine Zustimmung dennoch «zähneknirschend» notwendig sei.

Nur ein SVP-Landrat stimmte schliesslich gegen die Vorlage. Elf Ratsmitglieder von SVP, FDP und Grüne enthielten sich der Stimme. Ohne den streckenweise Gleisersatz müsste der Trambetrieb auf der stark frequentierten Tramlinie 6 voraussichtlich im zweiten Semester dieses Jahres eingestellt werden.

Projektierungskredit umstritten

Heftig umstritten war im Landrat zuvor ein Kredit von zwei Millionen Franken für die Weiterprojektierung der Gesamt-Erneuerung der Baslerstrasse, den die Regierung mit derselben Vorlage beantragt hatte. Ein Baukredit für das Vorhaben soll dem Parlament im dritten Quartal dieses Jahres unterbreitet werden.

Diese Planung sei jedoch nicht abgestimmt mit weiteren Projekten wie etwa der Umfahrung Allschwil, bemängelte die FDP-Fraktion das Vorgehen. Sie stellte daher den Antrag, den Kredit aus dem Landratsbeschluss zu streichen, damit die Regierung das Projekt überarbeiten könne.

Andere Parlamentarier hielten dagegen, dass die Verkehrsprobleme in der Baslerstrasse nun endlich gelöst werden müssten. Eine erneute Verzögerung würde wiederum zu Mehrkosten führen. Mit höheren Kosten argumentierte auch Regierungsrat Isaac Reber gegen die Streichung des Kredites. Seit zehn Jahren werde bei diesem Projekt nun «gewurstelt», ärgerte sich Reber, der die abwesende Sabine Pegoraro vertrat und sich bei seinem Votum regelrecht in Rage redete.

Dem Regierungsrat und anderen Parlamentsmitgliedern wie Martin Rüegg (SP, Gelterkinden) stiess insbesondere sauer auf, dass die FDP ihre beiden Änderungsanträge ohne vorgängige Ankündigung in der Baukommission lancierte. Dies sei unseriöse Parlamentsarbeit. Wenn schon derart gewichtige Änderungswünsche nach der Kommissionsberatung aufkämen, müsste die gesamte Vorlage zurück an die Baukommission gewiesen werden und nicht an die Regierung. «Wisst ihr überhaupt, welche Auswirkungen es auf den Rest der Vorlage hat, wenn jetzt plötzlich der Projektierungskredit in der Ziffer 2 gestrichen wird?», wetterte Ersatz-Baudirektor Reber in Richtung FDP-Fraktion.

Doch schneller sanieren

Der Streichungsantrag scheiterte schliesslich mit 64 zu 15 Stimmen bei einer Enthaltung. Unterstützung fand die FDP nur bei vereinzelten SVP-Mitgliedern.

Die Regierung will die ursprünglich für 2021 terminierte Gesamtsanierung der Baslerstrasse teilweise vorziehen. Da nun für einen ersten Abschnitt ein rechtskräftiges Projekt vorliegt, soll die erste Etappe zwischen Morgartenring und Grabenring schon ab 2018 verwirklicht werden. Die Bauarbeiten sollen mit der geplanten Erneuerung des Hegenheimermattwegs durch die Gemeinde Allschwil koordiniert werden. (SDA/bz)