«Heimatpflege» klingt altmodisch. Hat Ihr Verein jüngere Mitglieder?

Kathrin Stohler (K.S.): Wir bemühen uns, jüngere Menschen zu gewinnen. Das ist zwar ein Problem, aber wir arbeiten daran. So was muss erst wachsen. Der grösste Teil unserer Mitglieder ist 50-jährig und älter. Neulich stiessen jedoch zwei junge Familien mit kleinen Kindern zu uns. Sie müssen nun mit dem Vereinsleben vertraut gemacht werden. Unser Vorstand stellt sich der Aufgabe, die Jungen anzusprechen.
Paul Spiess (P.S.): Ziefen hat im positiven Sinn eine sehr konservative Haltung. Man bewahrt das, was man kann. Ich spüre bei Gesprächen mit Leuten, dass sich diese darüber freuen, wie unser Dorf heute dasteht. Aber unser Verein befindet sich stets im Wandel.

Wie meinen Sie das?

K.S.: Seit zwei Jahren organisieren wir Abendspaziergänge mit dem einheimischen Historiker Rémy Suter. Die Idee stammt von Paul Spiess und ist etwas Neues. Bei diesen Anlässen macht man einen Rundgang durch Dorfteile und widmet sich einem speziellen Thema. Letzten Freitag betrachteten wir die Alte Schmitte genauer. Mit solchen Abendspaziergängen können wir unseren Verein einem breiteren Personenkreis bekannter machen. Die Resonanz ist immer grösser.

Sind auch Zugezogene Mitglieder?

P.S.: Früher hatten wir viele HeimwehZiefer, die hier aufgewachsen und danach weggezogen waren. Sie waren Mitglied aus Solidarität und Freude. Diese Leute sterben nun weg. Deshalb müssen wir wieder junge Familien gewinnen. Der Begriff «Heimat» ist zwar altbacken, aber Heimat bedeutet auch, dass man sich wohlfühlt. Wenn sich hier jemand wohlfühlt, dann ist er hier daheim, und das Dorf ist seine Heimat. Diese Botschaft wollen wir transportieren. Ich stelle fest, dass junge Familien daran mehr Interesse bekunden als Alteingesessene. Deshalb haben wir gute Aussichten.
K.S.: In unserem Verein bestand früher zwischen Zugezogenen und Alteingesessenen ein Ungleichgewicht. Das ist nun besser. Mit unseren jährlichen Veranstaltungen werden wir stärker wahrgenommen.

Wie bringt sich der Verein für Heimatpflege im Dorfleben ein?

K.S.: Mit unseren Anlässen, die wir regelmässig durchführen: Abendspaziergänge, Pizzaessen, 1.-August-Feier.
P.S.: Das sind alles unpolitische Sachen, sogar am Nationalfeiertag wird die Politik ausgeklammert. Wir schätzen im Dorf alle Bewohner, ob Mitglied in unserem Verein oder desinteressiert an unseren Aktivitäten. Da machen wir keinen Unterschied und keine Kategorien. Sonst wäre unser Verein dem Untergang geweiht.

Ihr Verein ist breit aufgestellt. Er hat verschiedene Gruppen: Bachhüsli-Frauen, Wöschhüsli-Frauen, Rebbauern. Was bieten diese Gruppen?

K.S.: Die Bachhüsli-Frauen backen jeden Monat Brot, das sehr beliebt ist. Viele junge Familien kommen dort regelmässig am ersten Freitag des Monats vorbei. Das ist ein wichtiger Anknüpfungspunkt, wo man Kontakte herstellen kann. Die Wöschhüsli-Frauen demonstrieren Schulen und Personengruppen – nur auf Voranmeldung –, wie man früher gewaschen hat.
P.S.: Die Rebbauern sind unsere arbeitsintensivste Gruppe. Sie haben während des ganzen Jahrs zu tun. Auch dort müssen wir Nachwuchs finden, das ist wichtig. Die Rebbauern sind neben den Bachhüsli-Frauen unser Aushängeschild. Jede Gruppe ist in unserem Vereinsvorstand vertreten.
K.S.: Sie ergänzen und unterstützen sich gegenseitig, wenn Hilfe gefragt ist.

Die Rebbau-Gruppe produziert primär Blauburgunder und Riesling×Silvaner. Sie begann vor gut 30 Jahren mit ihrem Engagement und leitete quasi die Wiedergeburt des Weinbaus in Ziefen ein.

K.S.: Ja, aber schon damals existierten vereinzelt kleine Rebberge. Mit der Zeit entschieden sich weitere Personen, einen eigenen Rebberg anzulegen; davon gibts hier heute ein paar. Auch werden noch andere Weinsorten geführt. Die Mitglieder unserer Rebbau-Gruppe haben sich ausgebildet und besuchen regelmässig Kurse, um ihr Wissen zu vertiefen. Sie keltern heute selber guten Wein.

Wie reich ist Ziefen an kulturellem Gut?

P.S.: Unser Dorf steht sehr gut da. Wir haben sogar Kunstschätze von namhaften Künstlern: das Mosaik von Walter Eglin, das Fresko von Hugo Cleis und Glasfenster von Georg Matt; dieser war Ziefner Bürger. In unserem Dorf steht zudem eine Steinstatue des Reigoldswiler Bildhauers Jakob Probst. Kürzlich haben wir am ersten Dorfschulhaus eine Gedenktafel eingeweiht für den Ziefner Jonas Breitenstein, Pionier der Baselbieter Mundartliteratur.

Gibts weitere Leuchttürme?

P.S.: Das sind die Nünichlingler. Es ist gesamtschweizerisch der einzige Brauch, der nicht organisiert ist. Kein Verein steht dahinter. Er funktioniert einfach jedes Jahr. Das ist schon sehr speziell. Und nicht vergessen dürfen wir, dass Ziefen in der Vergangenheit stets gute Dorfhistoriker und Filmschaffende gehabt hat und noch heute hat. Kaum eine andere Baselbieter Gemeinde ist seit 1960 so reich an Dokumenten und Filmmaterial wie Ziefen.