Das Komitee «Gute Schule Baselland» kann sich über mangelnden Zuspruch nicht beklagen. Freiwillige haben eifrig mitgeholfen, Plakate aufzuhängen, das Budget ist mittlerweile auf über 60'000 Franken gestiegen. Am Sonntag wird im Baselbiet über die drei Initiativen abgestimmt: So sollen die «Zwangsverschiebungen» von Schülern unterbunden werden, die maximale Klassengrösse reduziert und die Klassenlehrer an Primar- und Sekundarschule wöchentlich um eine Lektion entlastet werden.

Der wuchtige Frühstart der Abstimmungskampagne stiess den Gegnern sauer auf. Zumindest der Pessimismus hat sich nun gelegt. «Anfangs machte es den Eindruck, als gäbe es dank der Kampagne eine Riesenmobilisierung. Mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass die Stimmung gekehrt hat. Die Leute sind zum Schluss gekommen, dass nicht jeder Extra-Franken Mehrausgaben eine Qualitätssteigerung mit sich bringt.» Das sind Worte des Co-Präsidenten des Gegenkomitees, Michael Herrmann (FDP). Wie viel sein Komitee zur Verfügung hat, ist nicht publik. «Ich traue aber zu sagen, dass wir weniger als die Initianten haben.» Christoph Buser, Verwaltungsratsdelegierter des Baselbieter Instituts für Wirtschaftsförderung, gibt als Auftragnehmer der SVP- und FDP-Kampagne auch keine Zahlen bekannt. Er wirft dem Komitee «Gute Schule Baselland» aber vor, eine David-gegen-Goliath-Rolle vorzugaukeln. Eine solche Kampagne zu fahren, würde «erfahrungsgemäss» mit einem solchen Budget nicht reichen. Auch wenn die Gegenseite stets die Arbeit der Freiwilligen hervorheben würde: «Die Initianten verfügen durchaus über massive finanzielle Mittel.»

Tiefe Stimmbeteiligung

Buser, selbst FDPler und in Herrmanns Komitee, glaubt aber nicht, dass sich die «Gute Schule Baselland» dadurch einen entscheidenden Vorteil verschaffen könne.

Trotz 2000 Plakaten und 135'000 Flyern scheinen die Stimmbürger bisher noch unschlüssig, teilweise gar uninteressiert. In den grossen Baselbieter Gemeinden zeichnet sich eine tiefe Stimmbeteiligung ab. Bei Andreas Meyer, in Allschwil zuständig für Abstimmungen und Wahlen, sind bisher 2150 Couverts eingetroffen. Fünf Tage vor Urnenschluss waren bei der September-Abstimmung schon über 500 Briefe mehr eingetroffen, im Juni, als es unter anderem um das Baselbieter Entlastungspaket ging, waren es über 1000 Zettel mehr. Ähnlich träg ist das Stimmvolk in Reinach oder in Liestal. «Noch ist die Stimmbeteiligung nicht besonders hoch», sagt Marcel Jermann, in Liestal verantwortlich für Abstimmungen und Wahlen – «und das, obwohl der Anteil der brieflich Stimmenden im Schnitt immer höher wird.» Der Sonntagsausflug an die Urne komme für viele lediglich noch infrage, wenn das Wetter einen schönen Spaziergang erlaube.

Jürg Wiedemann, Kopf der «Guten Schule Baselland», glaubt, dass eine tiefe Stimmbeteiligung «tendenziell uns nützen wird». Dies zeige, dass in erster Linie die «bildungsnahen» Bürger zur Urne gehen. Was die Abstimmungsprognosen angeht, gibt er sich trotzdem defensiv: Bei der Initiative zur Klassengrösse würde er bereits die Annahme des Gegenvorschlags als Erfolg taxieren, die Annahme einer der drei Initiativen gar als «durchschlagenden Erfolg».