Peter Eglin tritt als Gemeinderat von Hölstein nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen von Ende Monat an. Bis Ende der laufenden Amtsperiode wird er 22 Jahre dem Gremium angehört haben, davon gut 16 Jahre als Vizepräsident. Eglin ist pensioniert und hat früher als Privatkundenberater in einer Schweizer Grossbank gearbeitet. Der 65-jährige Hölsteiner, bestens mit der Dorfpolitik vertraut, blickt zurück und in die Zukunft.

In Hölstein kandidierten in den vergangenen Jahren bei Wahlen stets mehr Personen, als Gemeinderatssitze zu besetzen waren. Bei der letzten Ersatzwahl 2015 brauchte es sogar zwei Wahlgänge. War das politische Interesse früher schon gross?

Peter Eglin: Als ich 1994 kandidierte, wurde ich mangels Mitbewerber in stiller Wahl gewählt. Das war seither nicht mehr der Fall. In letzter Zeit meldeten sich stets mehr Leute, als Gemeinderatssitze zu vergeben waren. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass wir immer aktiv informieren. Und der Gemeinderat gegen aussen als Einheit auftritt. Zudem hat Hölstein viele Zuzügler und ist nicht mehr ein Dorf mit nur Alteingesessenen, die den Ton angeben. Dies war bis Ende der 1980er-Jahre noch so.

Dass sich immer genügend Gemeinderatskandidaten melden, ist auch ein Indiz, dass in Hölstein die Demokratie lebt.

Ja, die Leute sind aktiv. Ein klassisches Beispiel von 2011: Zum Zonenplan stellten Stimmbürger ein Begehren für ihre Anliegen. Dies führte dazu, dass zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung rund 240 Personen aufmarschierten. Die Versammlung musste im ersten Anlauf aufgelöst werden, weil eine Anzeige dafür zu spät publiziert worden war. Im zweiten Anlauf klappte es dann. Das war ein Erlebnis.

Wie beurteilen Sie die Diskussionskultur?

Ein harter Kern von 50 bis 60 Stimmbürgerinnen und -bürgern besucht regelmässig die Gemeindeversammlung. Diese Leute hinterfragen alles sehr kritisch. Wir Gemeinderäte wissen genau, dass wir uns immer gut vorbereiten müssen, damit wir kompetent Auskunft geben können. Nicht immer wird alles durchgewinkt. Es ist ein fruchtbarer Dialog zwischen Dorfbevölkerung und Gemeinderat, was unsere Gemeinde stärkt.

Sie als FDP-Mitglied und Michael Tschudin von der SVP treten in einer Woche nicht mehr an. Neu kandidieren drei Parteilose. Wird der Hölsteiner Gemeinderat unpolitischer?

So kann man das nicht sagen. Im Hölsteiner Gemeinderat wird Sach-, nicht Parteipolitik betrieben. Die Parteizugehörigkeit ist sekundär. In der FDP fühle ich mich zu Hause. In dieser Partei treffe ich gleichgesinnte Leute und geniesse Rückhalt.

Aber Sie lassen Ihre freisinnige Haltung in Gemeinderatsentscheide einfliessen.

Das spielt dann eine Rolle, wenn es darum geht, etwas enger oder liberaler zu formulieren. Ich finde, je weniger Reglementierungen, desto besser. Jedes Gesetz kostet Geld, engt ein und ruft nach einem neuen Gesetz. Dies ist auf Gemeindeebene genauso wie auf Kantons- und Bundesebene.

Sie werden bis Ende dieser Amtsperiode im Juni 22 Jahre der Exekutive angehört haben. Sie waren viele Jahre Vizepräsident. Wollten Sie nie das Präsidium?

Nicht wirklich. Die Funktion als Vizepräsident in der zweiten Reihe entspricht mehr meinem Naturell. Mit Gemeindepräsidentin Anita Schweizer hatten wir über lange Zeit eine super Leiterin, die Kontinuität gewährte. Danach folgte Monica Gschwind, die heutige Regierungsrätin, welche den Gemeinderat ebenso gut führte. Und letztes Jahr, als es um Gschwinds Nachfolge ging, sagte ich: «Meine Zeit ist abgelaufen.»

Sie sind der stille Schaffer im Hintergrund und verzichten gerne aufs Rampenlicht.

Ja, mir ist es wohler, wenn ich nicht hinstehen muss. Lieber liefere ich Ideen, mache Abklärungen oder bringe mein vielseitiges Know-how ein aus meiner beruflichen Tätigkeit in der Bank.

Welche persönliche Bilanz ziehen Sie zu Ihrer langen Amtszeit als Gemeinderat?

Es war eine super Zeit, unser Team funktionierte bestens. Ich konnte viel mitgestalten. Das realisiert man erst, wenn man über eine längere Phase in einer Behörde mitwirkt. Ich war schon zu Beginn meiner Gemeinderatslaufbahn für das Departement Raumplanung zuständig, das auch etwas Langfristiges ist. Dadurch lernte ich Angestellte des Kantons persönlich kennen. Nach meinem Wohnortswechsel nach Hölstein 1990 war mein Ziel, mich in diesem Dorf zu engagieren, damit ich mich hier daheim fühle. Heute kann ich sagen: «Hölstein ist mein Zuhause.»

Gab es auch schwierige Zeiten?

Unsere Behörde musste sich immer wieder heiklen Situationen stellen. Wir hatten Gerichtsverhandlungen und versuchten immer, sachlich zu argumentierten. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je einen Prozess verloren haben. Solche nahmen wir nie persönlich. Der Stimmbürger hat das Recht, zu rekurrieren oder sich zu beschweren. Das gehört zu meinem Demokratieverständnis.

Welchen Herausforderungen muss sich der neu zusammengesetzte Hölsteiner Gemeinderat ab 1. Juli stellen?

Ein wichtiger Punkt wird die Departementsverteilung sein. Hier werden die Fähigkeiten und Möglichkeiten jedes einzelnen Gemeinderatsmitglieds berücksichtigt. Die Finanzen muss der Gemeinderat immer im Griff haben, ganz klar. Aber sie sind nicht das grösste Problem. Ein bedeutendes Thema ist die Wasserversorgung im Waldenburgertal, die neu geregelt werden muss. Dieses Geschäft ist sehr komplex. Spannende Projekte sind der Zonenplan Landschaft und die Kernzone im Zonenplan Siedlung; die Kernzone hat man bei der Revision 2010 ausgeklammert.

Sie gehören dem Projektausschuss «Zukunft beider Frenkentäler» an. Arbeiten Sie dort auch künftig mit?

Dieses Amt werde ich wahrscheinlich zur Verfügung stellen. Es sei denn, es werde gewünscht, dass ich noch bis Ende Jahr weitermache. Der Informationsfluss zwischen Projektausschuss und Gemeinderat ist sehr wichtig. Wenn man nicht als Vertreter der Gemeinde Einsitz hat, ist man weit weg. Die Testplanung von «Zukunft beider Frenkentäler» läuft noch bis Ende März, die Schlussberichte sollten Ende April vorliegen. Dann geht es in die Umsetzung.