Beide geniessen international ein hohes Renommee. Die einen exportieren Kräuterpastillen in die halbe Welt, die anderen entwerfen selbst in der chinesischen Hauptstadt aufsehenerregende Bauten. Der Bonbonhersteller Ricola und das Architekturbüro Herzog & de Meuron konnten sich mit hervorragenden Leistungen einen Namen machen. Weniger bekannt ist, dass die beiden Firmen aus der Region bereits seit drei Jahrzehnten erfolgreich zusammenarbeiten.

Im Gegensatz zur globalen Philosophie der Betriebe beschränkt sich die Kooperation bislang vor allem auf das Städtchen Laufen, wo sich der Hauptsitz der Ricola befindet. Dort stehen, abgesehen von Vertriebsräumlichkeiten im französischen Mulhouse, sämtliche von Herzog & de Meuron für das Familienunternehmen konzipierten Gebäude.

Mit dem im Juni dieses Jahres eröffneten Kräuterzentrums fand die Zusammenarbeit ihren Höhepunkt. Der grösste Lehmbau Europas ist das aktuellste Werk in einer Reihe von sieben Konstruktionen aus der Feder der beiden Basler Stararchitekten.

Veränderte Kollaboration

Die realisierten Baulichkeiten dokumentieren anschaulich die künstlerische Entwicklung von Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Die Kollaboration mit diesen habe sich im Verlauf der Jahre jedoch stark gewandelt, sagt Felix Richterich, CEO des Laufner Kräutergiganten: «Frühere Projekte wurden von unserem Vater mit den beiden Herren persönlich und praktisch zu dritt besprochen und bearbeitet.» Bei den letzten Bauvorhaben waren hingegen auf beiden Seiten zahlreiche Mitarbeiter involviert, was den Entscheidungsprozess verkomplizierte.

Nichtsdestotrotz ist die Ricola mit den Ergebnissen noch immer hochzufrieden: «Ob ein Bürogebäude, ein Lagerhaus oder ein einfacher Innenausbau. Es ist immer ein kreatives und auch funktionell gutes Werk entstanden», erklärt Richterich, der gemeinsam mit seinem Bruder Lukas die Geschicke der Firma leitet.

Neben der ausgezeichneten Qualität seien auch, wie der Basler Architekt Jacques Herzog in einer kürzlich erschienenen Broschüre über die Gebäude ausführte, biografische Parallelen für die langjährige Kooperation verantwortlich: «Lukas und Felix Richterich zählen zur selben Generation wie wir, und sie teilen mit uns Werte, die uns bei unserer Arbeit leiten: Dazu zählen Nachhaltigkeit, Offenheit für Experiment und Forschung sowie ein Interesse an Tradition.»

Keine weiteren Projekte geplant

Der Architekt betont zudem, dass die für Ricola entstandenen Werke für den Werdegang des Duos sehr wichtig waren. Die Bauten seien «Wegmarken unserer Arbeit, aber auch der internationalen Architektur». Weitere gemeinsame Projekte seien dennoch momentan nicht geplant, erklärt Felix Richterich auf Anfrage.

Eine künftige Zusammenarbeit ist aber aufgrund der Erfolge der bisherigen Bauten mehr als wahrscheinlich.

Ricola (Hrsg.): Sieben Bauten 1983–2014, Laufen 2014.

Die Ricola engagierte Herzog & de Meuron erstmals für den Umbau ihres Firmensitzes. Die Architekten konzentrierten sich auf eine Neugestaltung des Innenraumes des Gebäudes. Im Parterre waren Herstellung, Verpackung und ein Lager untergebracht, im Obergeschoss befanden sich Büros und die Wohnung der Firmenbesitzer. Verbunden wurden die beiden Bereiche durch eine Treppe. In der Mitte der Liegenschaft befindet sich ein grosszügiger Eingangsbereich. In den Räumlichkeiten sind zahlreiche Kunstwerke aus der firmeneigenen Sammlung ausgestellt.

1983: Umbau des Firmensitzes, Laufen

Die Ricola engagierte Herzog & de Meuron erstmals für den Umbau ihres Firmensitzes. Die Architekten konzentrierten sich auf eine Neugestaltung des Innenraumes des Gebäudes. Im Parterre waren Herstellung, Verpackung und ein Lager untergebracht, im Obergeschoss befanden sich Büros und die Wohnung der Firmenbesitzer. Verbunden wurden die beiden Bereiche durch eine Treppe. In der Mitte der Liegenschaft befindet sich ein grosszügiger Eingangsbereich. In den Räumlichkeiten sind zahlreiche Kunstwerke aus der firmeneigenen Sammlung ausgestellt.

Die Familie Richterich kaufte die Bäckerei zurück, in der Ricola-Gründer Emil Richterich 1940 mit der Produktion von Kräuterbonbons begonnen hatte. Die Backstube des Hauses in der Laufner Altstadt wurde auf der Rückseite durch einen weissen Kubus mit schmalen Scheiben erweitert. Das Architekturbüro verfolgte das Ziel, die Zweiteilung des Gebäudes in einen Wohn- und einen Arbeitstrakt wieder sichtbar zu machen. Die vier Elemente Bäckerei, Backstube, Café und Küche sind in der Mitte zueinander geöffnet.

1985–1986: Umbau Bäckerei, Laufen

Die Familie Richterich kaufte die Bäckerei zurück, in der Ricola-Gründer Emil Richterich 1940 mit der Produktion von Kräuterbonbons begonnen hatte. Die Backstube des Hauses in der Laufner Altstadt wurde auf der Rückseite durch einen weissen Kubus mit schmalen Scheiben erweitert. Das Architekturbüro verfolgte das Ziel, die Zweiteilung des Gebäudes in einen Wohn- und einen Arbeitstrakt wieder sichtbar zu machen. Die vier Elemente Bäckerei, Backstube, Café und Küche sind in der Mitte zueinander geöffnet.

Als Standort für ein notwendig gewordenes vollautomatisiertes Lager für Kräuter und die daraus produzierten Bonbons wurde der Steinbruch hinter der Produktionshalle ausgewählt. Herzog & de Meuron entwarfen für dieses eine Schutzhülle, die dem Bau einen aussergewöhnlichen Charakter verleiht. Das Hochregallager bildet zusammen mit den anderen Liegenschaften eine Art Hof. Die Fassade zeigt deutlich auf, aus welchen Elementen sie besteht und wie sie erstellt wurde. Dabei handelt es sich um ein Markenzeichen vieler Werke der beiden Architekten.

1986–1987: Lagerhaus, Laufen

Als Standort für ein notwendig gewordenes vollautomatisiertes Lager für Kräuter und die daraus produzierten Bonbons wurde der Steinbruch hinter der Produktionshalle ausgewählt. Herzog & de Meuron entwarfen für dieses eine Schutzhülle, die dem Bau einen aussergewöhnlichen Charakter verleiht. Das Hochregallager bildet zusammen mit den anderen Liegenschaften eine Art Hof. Die Fassade zeigt deutlich auf, aus welchen Elementen sie besteht und wie sie erstellt wurde. Dabei handelt es sich um ein Markenzeichen vieler Werke der beiden Architekten.

Die schrittweise ausgebaute Produktionshalle der Ricola liess sich im Jahr 1989 nicht mehr erweitern. Das Basler Architekturbüro konstruierte deshalb ein mit der Halle verbundenes Reitergebäude, das als Fabrikations- und Lagerraum dient. Das Ensemble war ein Resultat der vorsichtigen Planungspolitik der Laufner Firma. Ein Wachstum der Produktion hatte in der Vergangenheit oftmals eine Ausdehnung der bestehenden Räumlichkeiten zur Folge. Der Fabrikkomplex gehört neben den neueren Bauten zu den Wahrzeichen des Unternehmens.

1989–1991: Reitergebäude, Laufen

Die schrittweise ausgebaute Produktionshalle der Ricola liess sich im Jahr 1989 nicht mehr erweitern. Das Basler Architekturbüro konstruierte deshalb ein mit der Halle verbundenes Reitergebäude, das als Fabrikations- und Lagerraum dient. Das Ensemble war ein Resultat der vorsichtigen Planungspolitik der Laufner Firma. Ein Wachstum der Produktion hatte in der Vergangenheit oftmals eine Ausdehnung der bestehenden Räumlichkeiten zur Folge. Der Fabrikkomplex gehört neben den neueren Bauten zu den Wahrzeichen des Unternehmens.

Nach dem vom Schweizer Stimmvolk abgelehnten Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum liess sich die Ricola mit einem Verpackungs- und Vertriebsgebäude in Mulhouse nieder. Im Elsass werden die in Laufen produzierten Bonbons für den europäischen Markt verpackt und ausgeliefert. Der Bau befindet sich auf einem Grundstück mit alten Bäumen am Südrand der Stadt. Die Innenwände sind mit einem Blattmotiv verziert, das auf die Arbeit mit Kräutern verweist und dessen Sichtbarkeit durch die Lichtverhältnisse verändert wird.

1992–1993: Verpackungs- und Vertriebsgebäude, Mulhouse

Nach dem vom Schweizer Stimmvolk abgelehnten Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum liess sich die Ricola mit einem Verpackungs- und Vertriebsgebäude in Mulhouse nieder. Im Elsass werden die in Laufen produzierten Bonbons für den europäischen Markt verpackt und ausgeliefert. Der Bau befindet sich auf einem Grundstück mit alten Bäumen am Südrand der Stadt. Die Innenwände sind mit einem Blattmotiv verziert, das auf die Arbeit mit Kräutern verweist und dessen Sichtbarkeit durch die Lichtverhältnisse verändert wird.

Um den gewachsenen Ansprüchen an die Vermarktung der Produkte gerecht zu werden, wurde im Garten des alten Firmensitzes an der Baselstrasse ein Marketing-Gebäude errichtet. Der zweigeschossige Pavillon mit seinen auf drei Seiten vollverglasten Wänden ist perfekt in die Natur eingebettet. Die umliegende Flora spiegelt auf anschauliche Weise den Wandel der Jahreszeiten wider. Beim Dach handelt es sich um eine Konstruktion aus elastischen Kunststoffträgern, Netzen und Pflanzen wie Efeu und Reben.

1998–1999: Marketing-Gebäude, Laufen

Um den gewachsenen Ansprüchen an die Vermarktung der Produkte gerecht zu werden, wurde im Garten des alten Firmensitzes an der Baselstrasse ein Marketing-Gebäude errichtet. Der zweigeschossige Pavillon mit seinen auf drei Seiten vollverglasten Wänden ist perfekt in die Natur eingebettet. Die umliegende Flora spiegelt auf anschauliche Weise den Wandel der Jahreszeiten wider. Beim Dach handelt es sich um eine Konstruktion aus elastischen Kunststoffträgern, Netzen und Pflanzen wie Efeu und Reben.