Dass am Samstag auf der Zunzger Hard ein Rudel Rehe durchs Dickicht schnellen wird, wenn Michèle Koch zum Infotag ihres Waldkindergartens einlädt, ist eher unwahrscheinlich. Als sie aber jetzt ins Rund des Sofas zeigt, raschelt Blattwerk, und es sind tatsächlich Rehe, die aufscheuen und davonjagen. Das Sofa, zusammengeflochten aus Ästen und Brettern, ist das Herzstück des Waldkindergartens, der noch keiner ist.

Hier, im Schatten von Buchen und Ahorn, sollen ab dem 15. August Kinder aus dem ganzen Baselbiet täglich Neues lernen, basteln, die Natur erforschen – wenn sich genügend finden. Die Naturpädagogin Michèle Koch ist die Initiantin des Waldkindergartens. Bereits zum laufenden Schuljahr wollte sie damit starten. Ihr Vorhaben scheiterte allerdings daran, dass sie die vorgeschriebene Mindestzahl von neun Kindern nicht erreichte. Diese schreibt das Amt für Volksschulen (AVS) vor.

«Bin richtig angetan»

Helen Frei, die dem Waldkindergarten die Betriebsbewilligung erteilte, sieht einen grossen Wert hinter Kochs Idee und Engagement: «Ich bin richtig angetan und war ziemlich frustriert, als es dann doch nicht geklappt hat.»

Grund dafür waren nicht etwa Ängste der Eltern, sondern die Kosten. Der Waldkindergarten ist rechtlich gesehen eine Privatschule, und so finanziert er sich auch. 640 Franken kostet das pro Kind und Monat. «Mit Sponsoren und einem so genannten ‹Götti-Programm› können wir die Kosten auf etwa 500 Franken senken», sagt die Initiantin. Alles zusammen decke die Personalkosten gerade so, «und schliesslich muss es sich tragen». Trotzdem ist Koch aber guter Dinge, dass sie mit ihrem Team nach den Sommerferien loslegen wird. Sechs Anmeldungen hat sie bereits auf dem Tisch, mindestens drei weitere müssen noch folgen.

Weniger Konflikte

Der Waldkindergarten – es wäre neben dem ebenfalls privaten Kindergarten in Allschwil und dem öffentlichen in Biel-Benken der dritte im Kanton – ist vom AVS anerkannt wie ein Regelkindergarten. Nur spielen hier die Kinder nicht mit Bauklötzchen, sondern mit Holz und Moos. «Wir verzichten explizit auf Spielzeug», sagt Koch, die bereits seit sechs Jahren eine Waldspielgruppe führt. Ihre Erfahrung zeigt: Durch den Mangel an Spielsachen entstehen viel weniger Konflikte.

Ausserdem fördere das Lernen und Spielen im Wald die Sozialkompetenz der Kinder: «Die Kinder müssen sich organisieren und lernen, besser zu kommunizieren.» Und weil es im Wald nicht eine derartige Reizüberflutung gebe, zeigt sich Koch überzeugt, mit dem Wald-Angebot auch das perfekte Auffangbecken für «etwas originellere», konzentrationsschwache Kinder zu sein.