Das Abbild der Gesellschaft im Kleinen, von dem Pascal Brenner spricht, befindet sich abgelegen zwischen Reinach und Therwil. Der Geschäftsführer kennt den Erlenhof, wo Jugendliche und junge Erwachsene mit einer bewegten Vergangenheit wohnen und eine Ausbildung absolvieren können, wie kaum ein anderer.

Kurz vor der Jubiläumsfeier zum 85-jährigen Bestehen führt er die bz über das weitläufige Gelände und erläutert dabei die Funktionen und Ziele der Einrichtung.

Der Rundgang beginnt im neuen Werkstattgebäude, das im Juli seinen Betrieb aufnahm. Die dort untergebrachten Schreinerei, Schlosserei und der technische Dienst verfügen über jeweils zwei getrennte Bereiche. Den Lehrlingen wird ermöglicht, ihre Fähigkeiten zuerst ausgiebig zu trainieren, bevor sie in der Produktion mitarbeiten.

Hergestellt werden unter anderem Möbel und Spielgeräte für Kinder, die anschliessend verkauft werden. Ungefähr 15 Prozent des Budgets erwirtschaftet die Institution durch Produktionsgüter selbst. Der Rest stammt von Tagespauschalen, die dem Erlenhof durch die Platzierung von Klientinnen und Klienten einnimmt. Wobei Brenner diese Worte nur sehr ungern in den Mund nimmt, lieber redet er von Menschen.

Sechs Ausbildungsbetriebe

Auf dem knapp 30 Hektaren grossen Areal existieren sechs Ausbildungsstätten, die jungen Menschen einen Einstieg in die Berufswelt bieten. Eine davon ist der Landwirtschaftsbetrieb, der auf den drei Standbeinen Holzwirtschaft, Pferdepension und Fleischproduktion steht. Auf den saftigen Wiesen grasen Schottische Hochlandrinder, deren Haltung hier Tradition hat. Der Erlenhof war der erste Betrieb in der Schweiz, der die Tiere zu kommerziellen Zwecken züchtete. Noch heute kann das cholesterinarme Fleisch direkt ab Hof gekauft werden.

In der hauseigenen Gärtnerei wird Gemüse angepflanzt, das seinen Weg häufig auf die Teller der Klienten findet. In der Küche brutzeln vor dem Mittag die ersten Schnitzel und verströmen einen wunderbaren Geruch. Auch hier sind Auszubildende in die Arbeitsprozesse integriert. An den Tischen des Speisesaals werden nachher nicht nur Lehrlinge Platz nehmen, sondern auch Mitarbeiter und einige Schüler, die auf dem Erlenhof ihre obligatorische Schulzeit beenden. Dies mit dem Ziel, sie auf die Gewerbeschule vorzubereiten. Der unterrichtete Lehrstoff ist an die Bedürfnisse der Klientinnen und Klienten angepasst.

Sowieso steht die Individualität des einzelnen Menschen im Fokus der Institution. Gemäss Brenner haben diese und die Flexibilität einen grossen Einfluss auf die Art, wie der Erlenhof organisiert wird. Die drei Wohnhäuser, in denen die Klienten leben, werden unterschiedlich stark beaufsichtigt. Eine Rundumbetreuung erhalten diejenigen, die sich in einem instabilen Zustand befinden.

Verbessert sich ihre Verfassung, kann die Betreuung reduziert werden. So werden sie morgens beispielsweise nicht mehr von einem Mitarbeiter geweckt, sondern müssen selbstständig aus den Federn kommen. Viele der Personen, die auf dem Erlenhof neue Perspektiven finden, sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Meist geschah dies durch Gewalt- oder Suchtdelikte. Bei anderen führten schwierige Familienverhältnisse zu einem Aufenthalt.

In der Trainingswerkstatt für Schüler und Klienten, die noch keine Lehrstelle angetreten haben, äussert sich Pascal Brenner zu den Zukunftsplänen. Man wolle vermehrt Mädchen und junge Frauen aufnehmen, von denen bereits heute ausgebildet werden. Neu gibt es ausserdem ein Vorschulangebot, das Kindern von zwei bis sechs Jahren zur Verfügung steht.