Eigentlich war es eine Hochzeit, doch das Fest im April 2017 in Allschwil endete mit einer blutigen Schlägerei: Die Gäste mussten mehrere Männer voneinander trennen, die Messerstecherei beschäftigte seither die Strafverfolgungsbehörden.

Seit Montag müssen sich nun fünf Männer vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz für die Taten verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Angriff und Körperverletzung vor, einem der Männer aufgrund eines Messerangriffs auch versuchte schwere Körperverletzung. Alle fünf Männer stammen aus demselben Dorf in Syrien, sie sind Kurden.

Während die drei Brüder im Alter von 21, 25 und 26 Jahren in der Schweiz aufgewachsen sind und auch das Schweizer Bürgerrecht besitzen, droht den anderen beiden Angeklagten im Alter von 27 und 28 Jahren bei einer Verurteilung auch die Ausschaffung nach Syrien.

Morddrohung per Whatsapp

Der Streit entstand nicht spontan: Eine der Schwestern der drei Brüder führte seit ungefähr zwei Jahren eine Beziehung mit einem Mann, der ihrer Familie nicht genehm war. Ironischerweise hatten sich die beiden bei einer Hochzeit im selben Umfeld kennen gelernt, doch Eltern und Brüder stellten offenbar immer wieder klar, dass diese Beziehung keine Zukunft habe.

Der Ton wurde irgendwann härter, bereits im Jahr 2016 sind laut der Staatsanwaltschaft Provokationen an einer anderen Hochzeit im Kanton Solothurn dokumentiert, und so ging es auch mit Tätlichkeiten an einer kurdischen Neujahrsfeier im März 2017 in Bülach weiter.

Die Provokationen kamen dabei allerdings von beiden Seiten. Whatsapp-Nachrichten der drei Brüder bezeugen primitivste Beleidigungen und auch konkrete Morddrohungen an den ungeliebten Freund. Im April 2017 eskalierte die Situation schliesslich, als man sich bei einer weiteren Hochzeit traf: Bei einer Rauchpause vor der Türe gab es kräftigen Prügel. Der ungeliebte Freund der Schwester trug mehrere Verletzungen davon, darunter einen Messerstich im Oberschenkel. Er war für mehrere Monate arbeitsunfähig.

Was genau passiert ist und wer geschlagen hat, darüber wird diese Woche im Gerichtssaal in Muttenz gestritten. Der Verteidiger einer der Brüder betone bereits, sein Mandant sei gar nicht beteiligt gewesen, er habe zur Tatzeit andere Gäste nach Hause gefahren und damit ein Alibi. Auch die Rolle des 27-Jährigen liegt im Dunkeln: Er soll versucht haben, dem Opfer am Ende der Prügelei ein 20 Zentimeter langes Messer in den Bauch zu rammen.

In die junge Frau verliebt

Laut der Staatsanwaltschaft ging es ihm im Gegensatz zu den Brüdern nicht um die Familienehre, sondern um Eifersucht: Er soll selber ein Auge auf die damals 17-jährige Frau geworfen haben.

Die Staatsanwaltschaft hat ihn auch wegen versuchter schwerer Körperverletzung angeklagt, er sass nach der Messerstecherei einen Monat lang in Untersuchungshaft. Er kam im Jahr 2011 in die Schweiz, die Erneuerung seiner B-Bewilligung ist hängig, das Migrationsamt wartet nun das Gerichtsverfahren ab.

Verbotenes Elektroschock-Gerät

Allerdings musste sich auch das Opfer am Montag vor Gericht kritischen Fragen stellen: Er betonte, inzwischen könnte er teilweise wieder arbeiten, sei aber noch immer eingeschränkt. Die Verteidiger der Angeklagten konfrontierten ihn mit Fotos von Facebook, auf denen er angeblich ohne Einschränkungen arbeite.

Auch musste er sich fragen lassen, weshalb er an der damaligen Hochzeit in Allschwil mit einem verbotenen Elektroschockgerät aufgetaucht ist. Er habe vor den drei Brüdern Angst gehabt, betonte er. Ob er auch ein Messer bei sich trug, blieb vor Gericht unklar.

Diese Woche halten die Parteien ihre Plädoyers, die drei Richter fällen ihre Urteile nächste Woche.