Ungewöhnlich hart muss ein Mann dafür büssen, dass er sich an einem feucht-fröhlichen Abend nicht im Griff hatte. Das Baselbieter Strafgericht verurteilte den 33-jährigen Türken wegen vollendeter sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, 12 davon unbedingt. Darüber hinaus kassierte er einen Landesverweis für die Dauer von 10 Jahren.

Mit diesem Strafmass ging die Dreierkammer unter Vorsitz von Gerichtspräsident Daniel Schmid über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Staatsanwältin Denise Roth hatte bei identischer Gesamtlänge der Freiheitsstrafe «nur» sechs Monate unbedingt gefordert; dies wegen versuchter Vergewaltigung.

Das Gericht begründete die Höhe der Strafe mit dem aussergewöhnlichen Umstand, dass sich Täter und Opfer erst am Abend der Tat zum ersten Mal begegnet waren und keine gemeinsame Vorgeschichte hatten – wie das sonst bei Sexualstraftaten die Regel ist. «Genau solche Fälle schockieren die Bevölkerung, da es jede andere Frau auch hätte treffen können», sagte Gerichtspräsident Schmid zur bz. Die Frau habe einfach Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. «Hinter diesem Übergriff steckt eine hohe kriminelle Energie», folgerte Schmid. Das unbedingte Gefängnisjahr wird der Mann in voller Länge absitzen müssen.

Videomaterial gab Ausschlag

Der Fall des solchermassen Verurteilten sorgte vor einem Jahr für Aufsehen. Per Videofahndung suchte die Baselbieter Staatsanwaltschaft öffentlich nach dem Täter. Dieser stellte sich der Polizei im Oktober 2017 – am gleichen Tag, an dem die Behörden verpixelte Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht hatten.

Zwei Monate zuvor hatte er beim Bahnhof Muttenz einer 35-jährigen Frau nachgestellt und versucht, diese ins Gebüsch am Strassenrand zu zerren. Nur dank eines vorbeifahrenden Autos konnte sich die Frau losreissen und entkommen. Für Gerichtspräsident Schmid stand ausser Frage, dass ohne diese glückliche Ablenkung der Angriff auf die Frau in einem schweren Sexualverbrechen geendet hätte.

Was weder Täter noch Opfer zum Zeitpunkt der Einvernahme durch die Behörden wussten: Nicht nur war der Türke kurz vor der Tat beim Besuch im Muttenzer Bahnhofs-Pub von einer Überwachungskamera gefilmt worden. Sondern zeigte ein weiteres Überwachungsvideo eines nahen Döner-Cafés die Frau kurz vor der Tat. Diese beiden Aufnahmen spielten bei der Feststellung und der Verurteilung des Täters das Zünglein an der Waage.

Ohne diese Beweismittel wäre vor Gericht Aussage gegen Aussage gestanden. Indes: Während das Zeitraster des Videomaterials die mündlichen Aussagen der Frau vollauf bestätigte, verstrickte sich der Täter in Widersprüche und gab im Zweifel an, sich an nichts mehr erinnern zu können.

Diesen «Filmriss» hielt das Baselbieter Strafgericht für wenig glaubwürdig. Weder sei die zeitliche Distanz zur Tat so gross, noch die Menge seines damaligen Alkoholkonsums so hoch gewesen, als dass die Erinnerungslücken des Täters plausibel genug sein könnten.

Noch ist unklar, ob das Urteil an die nächste Instanz weitergezogen wird.