Die Baselbieter CVP hat am Samstag in der Heilig-Kreuz-Kirche in Binningen die Vereinigung «Kirche und Gesellschaft im Dialog» gegründet. Damit möchte die CVP die Diskussion um christliche Werte innerhalb der Partei und ganz allgemein der Politik neu entflammen. Mit Felix Gmür, dem Bischof von Basel, Gottfried Locher, dem Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) sowie Martin Stingelin, dem Präsidenten der evangelisch-reformierten Landeskirche Baselland, holte die Partei drei namhafte Kirchenvertreter an ein Podium und stellten die Frage: «Fehlt es an einer christlichen Politik?»

Menschen, nicht die Partei

Martin Stingelin redete Klartext und stellte gleich die Gegenfrage, ob christliche Politik überhaupt existiere. «Es gibt Christen, die politisieren, und die zeichnen sich durch ein spezielles Menschenbild aus. Durch dieses Menschenbild werden politische Entscheide getroffen. Trotzdem würde ich es nicht christliche Politik nennen.» Auch Bischof Gmür hat mit dem Ausdruck «christliche Politik» Mühe. Es gebe Leute, die sich zum Christentum bekennen. «Aber christliche Politik gibt es nicht.» Politik sei oftmals taktisch. «Was soll denn christliche Taktik sein?», fragte er in die gut besetzte Kirche. Auf die Frage des Moderators, ob es eine Forderung an Christen gebe, sich politisch zu engagieren, antwortete Gmür mit Vehemenz und etwas überspitzt: «Ich brauche keine CVP, um mich zu engagieren. Eine Partei an sich kann nicht christlich sein, nur die einzelnen Menschen darin.» Martin Stingelin gab zu, dass er immer gerne mal Mitglied einer Partei gewesen wäre. «Doch dachte ich, ein Pfarrer sollte eine gewisse Allparteilichkeit haben.»

Abtreibung keine Privatsache

Bei den Themen Sterbehilfe und Abtreibung zeigten sie sich bis zu einem gewissen Grad zerrissen. Es gehe überhaupt nicht darum, so Gmür, wer eine Abtreibung finanziert, kritisierte er die Initiative zur Finanzierung von Abtreibungen. «Eine Abtreibung ist keine Privat-, sondern eine öffentliche Sache – es geht um das Leben, und das ist öffentlich.» Auch die Bischofskonferenz wolle weniger Abtreibungen. Nur halt auf einem anderen Weg.

Die beiden Kirchenvertreter zeigten auch ihr Unbehagen über die Teilnahme der Sterbehilfsorganisation Exit an der Basler Mustermesse. Doch SEK-Präsident Locher gab zu, ein gespaltenes Verhältnis zum Thema Sterbehilfe zu haben. «Ich habe Fälle von Muskelschwund in der Familie. Wir Kirchen tun gut daran, auch Verständnis für solche Menschen zu haben.» Doch er stellt klar, dass leidende Jahre auch wertvolle Jahre sein können. «Es braucht ein deutliches Zeichen gegen die aktive Sterbehilfe, aber auch Verständnis für den humanen Tod.» Mit einer verstärkten Palliativmedizin könnte diesem Problem teilweise entgegengewirkt werden, glaubt Bischof Gmür.

Institution Kirche schützen

Beide hoffen, künftig noch mehr einen gemeinsamen ökumenischen Weg zu finden, mit dem in gewichtigen Fragen eine gemeinsame Position vertreten werden kann. Gottfried Locher mahnte alle Anwesenden, die Institution Kirche zu schützen. «Sonst haben wir sie schon in wenigen Jahrzehnten nicht mehr.»