Für das zweite Holzkraftwerk, das die IWB an der Voltastrasse planen, gäbe es an sich genug Holz in den Baselbieter Wäldern, ist der Vorsteher des Amts für Wald beider Basel, Ueli Meier, überzeugt. Ob dieses aber wirklich verfügbar wäre, ist jedoch angesichts der derzeitigen Lage auf dem Holzmarkt höchst fraglich.

Dabei ist diese nicht in erster Linie eine Folge der Preise für Energieholz: Diese sind in langfristigen Verträgen zwischen der Raurica Holzvermarktung AG, hinter der die Waldbesitzer stehen, und der Holzkraftwerk Basel AG geregelt. Letztere gehört zudem zu 51 Prozent auch den in der Raurica Waldholz AG organisierten Waldbesitzern.

Ausserdem sind die Energieholzpreise an einen Index gebunden, in den verschiedene Grössen einfliessen, die vom Bundesamt für Statistik erhoben werden. Zwischen Dezember 2005 und Dezember 2012 sind gemäss Index die Energieholzpreise um 15 Prozent gestiegen.

Vom Neben- zum Hauptprodukt

Die grundlegende Veränderung der Situation ist auf dem Stammholzmarkt entstanden: Dort sind die Preise so weit zusammengefallen (siehe Kasten), dass beispielsweise in der Innerschweiz die privaten Holzbesitzer weniger einschlagen und die Grosssägerei Schilliger Probleme hat, genug Rohstoff aufzutreiben. In der Nordwestschweiz ist der grösste Teil des Waldes öffentlicher Besitz der Bürgergemeinden. Die Forstbetriebe müssen das Arbeitsvolumen für ihre Angestellten aufrechterhalten, wenn sie diese nicht entlassen wollen. Deshalb können sie den Holzeinschlag nicht so radikal zurückfahren wie die bäuerlichen Privatbesitzer.

In dieser Situation wird das Energieholz zum Rettungsanker. «Früher hätten die Forstbetriebe am liebsten nur den Stamm aus dem Wald geholt, weil sie mit dem Nutzholz das Geld machten», berichtet Ueli Meier. «Mittlerweile würden sie am liebsten nur noch die Krone aus dem Wald holen und den Stamm stehen lassen, bis er wieder etwas wert ist.» Das geht natürlich nicht. Konsequenz: Auch Stammholzqualitäten, die früher noch als Nutz- oder Industrieholz verkauft wurden, werden mittlerweile als Energieholz gehackt. «Das Verhältnis hat sich umgedreht», erklärt Meier. «Wurden früher 60 Prozent eines Baumes für Nutz- und 40 Prozent als Energieholz verwertet, beträgt das Verhältnis nun 40 zu 60.»

Meier hält dies unter anderem für «ökologisch nicht sinnvoll». Angestrebt werde vom Bund vielmehr eine «Kaskadennutzung»: Zuerst verwendet man das Holz für Bauten oder Möbel, bevor man es energetisch verwertet.

Hauptprodukt nicht kostendeckend

Aus Sicht der Waldbesitzer und Forstbetriebe präsentiert sich das Problem wirtschaftlich: «Die erzielten Erlöse aus dem verkauften Industrie- und Hackschnitzelholz deckten nicht einmal die Holzerei- und Rückekosten zur Waldstrasse», heisst es im Jahresbericht 2012 der Waldholz Raurica AG. «Geschweige denn die Kosten des Waldstrassenunterhalts, der Schlagräumung und Jungwaldpflege sowie Verwaltung, Aus- und Weiterbildung, die zusätzlich 70 bis 80 Prozent der Holzerntekosten ausmachten.»

Kurzfristig könne die Waldwirtschaft die Auswirkungen der Stammholzpreiskrise puffern, indem sie die Holzernte auf die leicht zugänglichen Waldstücke beschränkt, beobachtet Ueli Meier aus kantonaler Warte. Doch könnten die Betriebe nicht investieren, und dann stehe für ein zweites Holzkraftwerk das Energieholz eben in den schwerer zugänglichen und somit teurer zu abzuerntenden Waldstücken.

Forderung nach höheren Preisen

Derzeit ist Holz mit 12,43 Prozent an der Energie im Fernwärmenetz der IWB beteiligt. Das zweite Holzkraftwerk würde der weiteren Ökologisierung der Wärme- und Stromproduktion dienen. Das Holzkraftwerk ist auch aus Sicht der Waldwirtschaft eine Erfolgsgeschichte.

«Wir stehen nun aber vor einer grundsätzlich neuen Situation», betont Daniel Wenk, Revierförster der Reviere Liestal, Bennwil, Hölstein und Ramlinsburg. «Als man die Energieholzpreise festlegte, ging es darum, ein Nebenprodukt, das man früher im Wald liegen liess, auch zu verkaufen und so die Erntekosten zu senken.» Zudem habe man damals nur ein paar wenige Gemeinde-Heizzentralen beliefert.

«Da nun das Energieholz zum Hauptprodukt geworden ist, muss man über höhere Preise reden, damit diese unter den veränderten Bedingungen, wo das Stammholz das Energieholz nicht mehr quersubventioniert, die Erntekosten decken.» So könnte Wenk sich vorstellen, den Energieholzpreis stärker an den Ölpreis zu koppeln.

Strukturelles Problem

«Wir haben in der Schweiz keine Laubholz-verarbeitende Industrie und keine Laubholz-Baukultur», kommentiert Ueli Meier. Dieses strukturelle Problem werde nun durch ein konjunkturelles - unter anderem den Eurokurs - besonders deutlich. Wenn ein energiepolitisches Interesse an Brennholz bestehe, müsse man auch dafür sorgen, dass die edleren Teile des Baums Absatz zu einem angemessenen Preis finden.

Dies meint auch Kurt Meier, Mitinhaber der Meier Holz AG in Zeglingen und Präsident der Holzindustrie Schweiz, Sektion Nordwest: «Beschafft eine Gemeinde Schulmöbel, kauft sie diese einfach im Handel, anstatt sich zu überlegen, dass man diese auch aus Buche aus der Region herstellen könnte.» Letzteres käme zwar kurzfristig teurer. Müsse aber die öffentliche Hand schliesslich die