Dem einen oder anderen Bewohner des Laufentals könnte es in den kommenden Wochen passieren, dass er von Georges Thüring angesprochen wird. Der Grellinger Landrat sammelt bald Unterschriften für die sogenannte Hooligans-Stopp-Initiative, in dessen Komitee er sitzt. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, dass das umstrittene Hooligan-Konkordat in beiden Basel doch noch vors Volk kommt. Die Parlamente der zwei Kantone hatten sich gegen eine Einführung entschieden.

SVP-Politiker Georges Thüring weibelt an vorderster Front für einen Beitritt zum Konkordat – das wäre vor nicht allzu kurzer Zeit undenkbar gewesen. Noch im April vergangenen Jahres setzte sich der umtriebige Parlamentarier in einem Komitee dafür ein, dass das Konkordat den Gross- und den Landrat nicht passiert. In dem grösstenteils aus linksgrünen Politikern aus Baselland und Basel-Stadt bestehenden Gremium war Thüring damals als bürgerliche Kraft in der Minderheit.

Eigene Fehler eingestehen

Im Verein Hooligans-Stopp beider Basel, der hinter der Initiative steht, sind hingegen keine Vertreter linker Parteien vertreten. Für Georges Thüring war jedoch nicht die Zusammensetzung der beiden Initiativkomitees ausschlaggebend für seinen Richtungswechsel. Vielmehr sei er von der Vorstellung abgekommen, dass Veränderungen ohne einen Beitritt zum Hooligan-Konkordat möglich wären. Es sei ihm klar geworden, dass das Konkordat für die Sicherheit der Zuschauer von Sportveranstaltungen unerlässlich sei. Er besuche selbst oft Fussballspiele und wolle sich dort geschützt fühlen. Der Entscheid, sich künftig für das Konkordat zu engagieren, hänge aber nicht mit einem Erlebnis zusammen.

«Ich bin einfach schlauer geworden», beschreibt Georges Thüring lakonisch den Grund für die Meinungsänderung. In der Regel halte er an seinen Standpunkten fest, bei diesem Thema habe er sich allerdings umentscheiden müssen. «Im Vergleich zu vielen Politikern habe ich den Mut, mich zu korrigieren und meine Ansichten zu überdenken», sagt er. Die Fähigkeit, die eigenen Fehler einzugestehen, würde er auch bei anderen Parlamentariern gerne häufiger sehen.

Populistische Stimmungsmache

Die Meinung zu revidieren sei natürlich legitim, erklärt Balz Stückelberger, Co-Präsident des Komitees gegen die Verschärfung des Hooligan-Konkordats, dem Thüring einst angehörte. Wenn man aber von einem Komitee zum anderen wechsle, sei das schon speziell, findet der freisinnige Landrat. Er hätte sich gewünscht, «dass Thüring nicht der populistischen Stimmungsmache des Vereins Hooligans-Stopp beider Basel auf den Leim gegangen wäre». Stückelberger glaubt, dass das Komitee mit diesen Mitteln Erfolg haben und genug Menschen davon überzeugen werde, ihre Signatur auf den Unterschriftenbogen zu setzen.

Dazu beitragen möchte auch Georges Thüring, der fest daran glaubt, dass die benötigten Unterschriften schon bald gesammelt sein werden. Er ist sicher, dass die Bevölkerung beider Basel bei einer allfälligen Abstimmung dem Beitritt zum Hooligan-Konkordat zustimmen werde. Zu viele Argumente würden für eine Einführung sprechen. Für diese wird der Landrat werben und versuchen, die Gegner umzustimmen – auf den Strassen von Duggingen bis Roggenburg, von Blauen bis Liesberg.