Herr Eggimann, ist es für Ihre Organisation eine besondere Herausforderung, den sogenannten «Speckgürtel» um Basel zu vermarkten?

Tobias Eggimann: Das finde ich nicht. Innerhalb dieses Gebiets hat es zahlreiche tolle Sehenswürdigkeiten. Vor diesem Interview kamen in einem Brainstorming mit meinem Team innert bloss fünf Minuten gegen 40 Begriffe zusammen, was man im unteren Kantonsteil, im erweiterten Raum Birseck, unternehmen kann. Das Baselbiet hat auch dort extrem viele Sehenswürdigkeiten: ein paar Leuchttürme, die herausstechen, aber auch Unbekanntes, das sich lohnt kennenzulernen.

Wird die Agglomeration touristisch nicht mit der Stadt Basel gleichgesetzt?

Keineswegs. Baulich sind Agglo und Stadt zwar verschmolzen, man ist sich sehr nahe. Einwohnerinnen und Einwohner von Agglomerations-Gemeinden fahren rasch in die Stadt wie Touristen auch. Die Grenzen sind fliessend. Wenn es ums Bekanntmachen der Sehenswürdigkeiten geht, dann sind wir schon gefordert, diese zu inszenieren – mit Karten, im Internet. Basel ist fokussiert auf die Stadt, deren Kultur und hat auch internationale Ausstrahlung. In gewissen Projekten arbeiten wir zusammen.

Zu Reinach: Wie machen Sie diese Gemeinde potenziellen Gästen schmackhaft?

Reinach ist sehr gut ins Birseck eingebettet. Mit einem Sprung ist man schon in der Natur. Ziehen wir einen Kreis um Reinach, stossen wir auf Bruderholz, Reinacherheide, Birsuferweg, Rebhänge gegen Ettingen und Therwil zu, Klus bei Aesch und ein paar Schlösser. Ein Highlight ist der Leiwald mit seinem Holzskulpturenpfad – faszinierend für Gross und Klein (siehe bz von gestern, Anm. d. Red.). Reinach verfügt über ein paar Hotels, die von Geschäftstouristen frequentiert werden, die in der Region Reinach arbeiten, wo es zahlreiche Unternehmen hat. Das Dorf selber hat ein sehenswertes Heimatmuseum, das mit Anlässen sehr intensiv bespielt wird. Und es gibt ein paar gute Restaurants. 

Hat die Gemeinde im Tourismus Nachholbedarf?

Im Bereich Geschäftstourismus könnte ich mir vorstellen, dass im Gewerbegebiet Kägen ein Hotel rentieren würde. Ein Drei-Sterne-Hotel mit moderaten Preisen und solider Qualität. Der Standort wäre auch verkehrsmässig gut erreichbar. Die bestehenden Hotels in Reinach haben keine grosse Kapazität. Ein Hotel im Kägen müsste 70 bis 100 Betten bieten, professionell geführt werden mit allem Drum und Dran. Es könnte auch von Gästen aus dem ganzen Birstal und in Spitzenzeiten gar von solchen aus der Stadt Basel profitieren. Im Freizeittourismus ist Reinach gut aufgestellt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Camping-Waldhort erwähnen. Viele Leute verbringen dort ihre Freizeit. Dies ist der grösste Campingplatz im Baselbiet. Er registriert jährlich gegen 10 000 Übernachtungen.

Baselland Tourismus legt sein Schwergewicht auf den oberen Kantonsteil. Täuscht dieser Eindruck?

Ja. Wir berücksichtigen bei all unseren Aktivitäten den ganzen Kanton und machen die hiesigen Sehenswürdigkeiten noch bekannter oder wieder bekannt. Mit einem Blick auf unsere Kommunikationsprodukte kann man feststellen, dass wir stets das ganze Spektrum des Kantons abdecken. Klar eignen sich gewisse Naturthemen eher fürs Oberbaselbiet. Andererseits liegt der untere Kantonsteil nahe am Blauen und Gempen-Plateau, einem Naturschutzgebiet. Auch hier ist man schnell im Grünen. Dies zeichnet das Baselbiet aus – die Nähe zur Stadt und zur Natur.

Das angrenzende Schwarzbubenland und Basel haben eigene Tourismusorganisationen. Kooperieren Sie mit diesen?

Mit Basel Tourismus und mit dem Forum Schwarzbubenland arbeiten wir eng zusammen. Wir treffen uns regelmässig und wirken gemeinsam an verschiedenen Projekten. Bei der Vermarktung der Sehenswürdigkeiten kennen wir keine Grenzen.

Dafür gibt es Überschneidungen.

Aber das ist kein Problem. Hauptsache ist doch, dass der Leistungsträger beworben wird und man diesen kennt. Zwei Beispiele: Das Kloster Mariastein ist europaweit ein bedeutendes Kloster, das Goetheanum in Dornach strahlt weltweit aus. Beide befinden sich im Kanton Solothurn. Hier beschränken wir uns nicht auf unsere Kantonsgrenzen und denken regional. Auch fürs Museum für Musikautomaten in Seewen, eine Institution des Bundes, werben wir, als stünde es im Baselbiet. Das ärgert die Schwarzbuben sicher nicht – es freut sie eher, dass wir gemeinsame Sache machen. In unserem Gästepass haben wir den Basler Zolli, eine beliebte Attraktion. Darauf verzichten wir doch nicht, nur weil er 300 Meter neben der Kantonsgrenze liegt.