Es ist laut in der Mehrzweckhalle in Oberdorf. Es spielen die acht Mannschaften der B-Junioren. Auf dem Feld spielt gerade das Team des Ökumenischen Seelsorgedienstes für Flüchtlinge (OeSA) gegen Dornach. Insgesamt sind es zehn Spieler aus Eritrea, Afghanistan, Guinea und Ägypten. Nach einer herben Niederlage gegen Brugg spielt das Flüchtlingsteam besser auf, wird aber von Dornach 1:2 geschlagen.

Bei der Partie gegen den Gastgeber Oberdorf dreht das OeSA-Team richtig auf. Alle geben ihr Letztes. Am Ende steht es für die Gäste, die erstmals in dieser Formation spielen, tatsächlich 2:1. Grosser Jubel herrscht auf der Tribüne. Selbst die Spieler von Oberdorf scheinen dem OeSA-Team den Sieg zu gönnen. Überhaupt wurde die Idee, ein Flüchtlingsteam zum Chlausencup einzuladen, von allen Beteiligten äusserst positiv aufgenommen.

Huggel sprang für Degen ein

Thierry Moosbrugger, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Fachstelle für kirchliche Dienste der römisch-katholischen Kirchen beider Basel, sagt: «Schon jetzt leisten lokale Fussballclubs wichtige Integrationsarbeit. Sie sind eigentliche Integrationsmaschinen.» Moosbrugger, selbst Veteran in Oberdorf, fragte seinen Club an, ob er eine Flüchtlingsmannschaft einladen würde. Der Ökumenische Seelsorgedienst für Asylsuchende machte ebenfalls mit, da die Praktikantin Léonie Häfelfinger dort jeden Mittwoch einen Fussballnachmittag organisiert. Es musste improvisiert werden, da nicht jeder Asylant am Abend die Unterkunft überhaupt verlassen darf; frisch angekommene Flüchtlinge kamen daher nicht infrage.

Schliesslich hatte Léonie Häfelfinger eine Mannschaft beisammen. Aber wer sollte diese einkleiden? Moosbrugger fragte den Leiter des FCB-Fanshops an und bald kam die Auskunft, man werde die gesamte Ausrüstung im Wert von 4500 Franken bezahlen. Shirts, Hosen und Schuhe waren alle neu; selbst der Aufdruck des Teamnamens ging nicht vergessen. Nachdem David Degen, der lange beim FC Oberdorf gespielt hatte, das OeSA-Team nicht coachen konnte, wurde FCB-Legende Benjamin Huggel angefragt. Er sagte sofort zu.

Flüchtlinge waren begeistert

Er betont, dass er sich gerne als Coach des Teams OeSA engagiere. «Ich wollte Menschen auf der Flucht einmal persönlich kennenlernen», sagt er, «es war eine Herausforderung, denn ich wusste nicht, auf welches spielerische Niveau und welchen Gemütszustand ich stossen würde.» Léonie Häfelfinger erklärt, dass die Flüchtlinge erst gar nicht richtig realisierten, was sie erwarten würde. Als sie dann erfahren hätten, dass der ehemalige Starspieler Huggel sie betreuen würde, sei die Begeisterung riesig geworden. Einige hätten auch kaum glauben können, dass sie die Ausrüstung behalten dürfen.

Nachahmenswertes Projekt

Nach dem dritten Spiel hat die OeSA-Mannschaft eine Pause. Alle begeben sich in die Kabine. Glückliche und dankbare Gesichter blicken Coach Huggel an. Yosief aus Eritrea sagt: «Wir freuen uns alle sehr», und sein Landsmann Noam doppelt nach: «Das war sehr, sehr gut. Wir sind glücklich und wollen uns noch mehr anstrengen.» Das Klassierungsspiel gegen den FC Wallbach gewinnt das Team OeSA tatsächlich 3:1 und landet damit auf dem unerwarteten 5. Platz. Den Final der Gruppe gewinnt Liestal gegen Wiedlisbach mit 4:0. Thierry Moosbrugger: «Das Projekt ist eine Win-Win-Situation und andere Vereinspräsidenten sollten diese gute Idee aufgreifen.»