Bei Ilse de Bruyns Geschäft gehts um Sicherheit: Die Ingenieurin berät mit ihrer Firma ADSE Consulting & Engineering Unternehmen der Luftfahrtindustrie. Entwickelt beispielsweise ein KMU feuerfeste Teppiche und Sitzbezüge für Passagierflugzeuge, oder konzipiert Pilatus eine Airconditioning-Anlage für ein Flugzeug, müssen die Entwicklungs- und Produktionsschritte minutiös den Vorschriften entsprechend dokumentiert sein, damit die Produkte überhaupt zugelassen werden.

Das Kundennetz brachte de Bruyn bereits mit, als sie in der Schweiz die erste selbstständige Zweigniederlassung des niederländischen Mutterhauses gründete und im Business Parc Reinach landete. Das ist untypisch: Bei den Erstgesprächen muss Business-Parc-Geschäftsführerin den angehenden Jungunternehmern oft auf den Zahn fühlen, wer denn die angepeilte Kundschaft sei.

Strenge Auswahl der Firmen

So resultierten seit 2006 aus 540 Beratungen letztlich nur 181 neue Firmen, davon deren 69, die sich als Mitglieder im Business Parc einmieteten. Die harte Prüfung der Geschäftsideen und der sich anmeldenden Jungunternehmen führte dazu, dass 98 Prozent der Business-Parc-Firmen schliesslich überlebten – üblicherweise seien nach fünf Jahren die Hälfte der Neugründungen wieder weg vom Fenster, berichtete Massüger an einer Feier zum zweiten Geburtstag des Business-Parc-Neubaus.

Infrastruktur für Gründer

«Wir fangen klein an und schätzen, dass man im Business Parc effizienter arbeiten kann, denn man teilt sich die Infrastruktur mit anderen Start-ups», meint de Bruyn. Ab November werde man bei ADSE zu fünft arbeiten. Doch indem sie die Erfahrungen aus der Luftfahrt auf den Passagierverkehr auf der Schiene überträgt, hofft de Bruyn, in ein paar Jahren 20 bis 30 Leute zu beschäftigen. Dann wird sie sich nach anderen Räumen umsehen müssen.

Unternehmen profitieren von der Infrastruktur

De Bruyns Hoffnungen wären ein Stockwerk höher für Barbara Jentges ein Albtraum: «Bei zu vielen Mitarbeitenden würde ich Managerin. Doch ich möchte bei meinem Fach bleiben.»

Ihr Geschäftsfeld ist jenem de Bruyns verwandt, doch geht es statt um Passagiertransport um Medikamente: Jentges berät Pharmafirmen, die für ihre Medikamente in der EU die Zulassung brauchen. Sie führte in Deutschland eine Apotheke mit eigenem Herstellungsbetrieb und arbeitete als Gutachterin für die dortigen Zulassungsbehörden, bis sie die Seite wechselte und nun aus dem Business Parc heraus Pharmafirmen aller Grössen durch die Klippen internationaler Zulassungsverfahren lotst.

«Ich gründete die Phact GmbH in meinen eigenen vier Wänden.» Als sie Büroräume suchte, stiess sie auf den Business Parc: «Ich will den Überbau klein halten. Dafür ist hier die Infrastruktur genial», lobt Jentges.

Kompetenzzentrum für Gründer

De Bruyn und Jentges hatten beide klare Vorstellungen, als sie im Business Parc anklopften. Doch dessen Dienstleistungen beschränken sich nicht auf Räume und gemeinsame Infrastruktur – Empfang, Sitzungszimmer, Cafeteria. Vielmehr gehört die durch die Kantone finanzierte Gründungsberatung zum Kerngeschäft. «Vorbereitung ist das A und O», erläutert Gerda Massüger. «Scheitert jemand, wenn er sich selbstständig macht, sind oft die eingesetzten Pensionskassengelder weg und es folgt der Gang zum Sozialamt.»

Dagegen gab es für die Bilanz von 98 Prozent überlebender Firmen gab es an der Feier ein Lob von Business-Parc-Stiftungsratspräsident Klaus Endress. Und BLKB-Chef Beat Oberlin betonte: «Förderung von Jungunternehmern ist die günstigste Wirtschaftsförderung überhaupt.»