Wer hier nicht zuschlägt, ist selber schuld: «Ihre Rendite in Lausen!», steht gross über dem Inserat auf der Immobilienplattform Homegate.ch. Das «Wohn- und Geschäftshaus» mit Baujahr 1987 an der Kanalstrasse 17 biete eine Nutzfläche von 2270 Quadratmetern und sei erst 2016 renoviert worden. «Nutzen Sie diese einmalige Chance und investieren Sie in diese lukrative Gewerbeimmobilie. Rundum eine sichere Investition», heisst es zum Schluss. Der Preis: 5,9 Millionen Franken.

Wer sich für das Gebäude interessiert, kann sich bei den Immobilienmaklern von Engel & Völkers melden. Wie üblich steht der Name des Verkäufers nicht im Inserat. Doch wer das auffällige gelbe Haus in der Lausner Gewerbezone kennt, der weiss, wem es gehört: Christoph und Daniela Gaugler, letztere bekanntlich ehemalige SVP-Landratspräsidentin. Bereits drei Jahre ist es her, seit die bz publik machte, dass das Ehepaar in ihrem dortigen Bed and Breakfast (BnB) Dauermieter wohnen liess, was in einer Gewerbezone nicht erlaubt ist.

Auch weitere Wohnungen waren nicht gesetzeskonform. Im Herbst 2014 legte Daniela Gaugler darauf ihr Amt nieder und zog sich aus der Politik zurück. Ausgestanden war die Sache damit aber noch nicht, mussten die Gauglers doch nach einem Urteil des Kantonsgerichtes vom März 2016 endgültig mehrere Wohn-Nutzungen in ihrem Haus aufgeben und das BnB wenn, dann richtig führen.

Christoph und Daniela Gaugler im Gespräch mit der bz. Das Foto wurde 2014 aufgenommen.

Christoph und Daniela Gaugler im Gespräch mit der bz. Das Foto wurde 2014 aufgenommen.

Inserat: «Gut laufendes BnB»

Allerdings war es erst vor kurzem so weit: Wie der Baselbieter Bauinspektor Andreas Weis auf Anfrage der bz mitteilt, dauerte es bis zur letzten Kontrolle Anfang Mai, bis alle beanstandeten Wohnungen und Zimmer geräumt waren. «Ich bin froh, ist die Sache für uns nun abgeschlossen», sagt Weis.

Der geplante Hausverkauf an sich ist eigentlich kein Problem, schliesslich steht dies jedem Liegenschaftsbesitzer frei. Allerdings: Es fallen mehrere Dinge auf, die stutzig machen: Aufgeschaltet wurde das Inserat bereits am 10. Mai, also nur wenige Tage, nachdem das Bauinspektorat die letzte Kontrolle durchgeführt hatte. Es scheint, als ob die Gauglers das Haus, das ihnen so viele Probleme bereitet hat, so schnell wie möglich loswerden wollen.

Fast schon skurril ist, dass im Inserat explizit die Rede von einem «gut laufenden Bed and Breakfast» ist. Just der Teil des verschachtelten Gebäudes, der am meisten zum Rücktritt der Landratspräsidentin beigetragen hat, soll nun also gut laufen. Gemäss Bauinspektor Weis standen aber jene Zimmer bei der Kontrolle leer. Und der Online-Auftritt des BnB ist schon seit längeren stillgelegt.

Heikle Werbung für Wohnungen

Noch problematischer ist eine andere Formulierung im Inserat. «Drei moderne und grosszügige 3,5- und 4,5-Zimmer-Wohnungen» werden dort beworben. Weis hält fest: «Diese Wohnungen dürfen ausschliesslich für standortgebundenes Personal genutzt werden. Seit dem Fall Gaugler sind wir hier deutlich strenger geworden.» Erlaubt wäre etwa eine Wohnung zu einem Tierlabor, bei dem jemand rund um die Uhr die Tiere versorgen muss.

Doch im Inserat steht nichts von solchen beschränkten Nutzungsmöglichkeiten. Natürlich dürften die Wohnungen in Büros umgewandelt werden. Doch handelt es sich um voll ausgebaute Wohnungen mit gehobener Ausstattung. Also kaum etwas, dass ein interessierter Käufer gerne aufgeben würde.

Zu guter Letzt sticht der Kaufpreis der Immobilie ins Auge. 5,9 Millionen Franken für ein komplex gebautes und mehrfach erweitertes Haus mit diversen bestehenden Einmietungen wie einer Auto- und einer Gärtner-Werkstatt, einem Ausbildungsbetrieb, mehreren Büroräumen und einem Gastronomiebetrieb auf der Dachterrasse, der schon mehrfach wechseln musste.

Es gibt einen Kauf-Interessenten

Doch anscheinend gibt es jemanden, der bereit ist, eine solche Summe zu zahlen: Während sich Christoph Gaugler gegenüber der bz nicht äussern möchte, bestätigt die mit dem Verkauf beauftragte Immobilienmaklerin Deborah Schorn von Engel & Völkers: «Wir stehen in Verhandlungen mit einem konkreten Kaufinteressenten.» Deshalb habe man auch vor wenigen Tagen das Inserat von den verschiedenen Immobilien-Plattformen entfernt.

Mit Verweis auf höchste Diskretion für solch sensible Geschäfte gibt Schorn keine weitere Auskunft zum Interessenten. Sie hält das Haus für «eine sehr spannende Immobilie». Der Festsetzung des Kaufpreises sei eine detaillierte Schätzung von Engel & Völkers vorausgegangen. Auch den Wortlaut des Inserats verteidigt Schorn: «Wir listen einfach das Raumprogramm auf. Eventuelle rechtliche Einschränkungen zeigen wir erst auf, wenn sich ein Interessent bei uns meldet.» Etwas hält Schorn immerhin auch fest: «Der Fokus muss auf einer Gewerbe- und nicht auf einer Wohnnutzung liegen.»

Sollte es tatsächlich zum Verkauf kommen, wird sich weisen müssen, ob der neue Besitzer die Zonenvorschriften besser einhält als das Ehepaar Gaugler. Diesbezüglich ist das Bauinspektorat auf Hinweise von Aussen angewiesen, wie Weis betont: «Eine permanente Kontrolle und die nachhaltige Sicherstellung der rechtskonformen Nutzung dieser komplexen Liegenschaft ist sehr schwierig.»