Die fein herausgearbeiteten Schnürsenkel des Stuckaturengels, die schiefen und krummen Zähne des gemalten Krokodils und seine abstehenden Ohren - so richtig würdigen kann man sie nur in zwölf Meter Höhe. Auf solche Details der Deckenkunst des Arlesheimer Doms konnte Kirchgemeinderat Alois Schmidlin am Samstag hinweisen. Bevor die Gerüste der Restaurateure im Schiff der Kirche nun wieder langsam abgebaut werden, nutzten hundert Interessierte die Chance auf einen Blick unter die Decke des 333 Jahre alten Doms: Die zehn Führungen waren heillos ausgebucht.

Der Arlesheimer Dom, der seit 1930 unter Schutz des Bundes steht, wird derzeit generalerneuert: Nach der erfolgten Aussensanierung wurde im vergangenen August mit den Arbeiten am Dachstock und am Glockengestühl begonnen. Nach Weihnachten wurde die Kirche gesperrt, die Bänke und Böden herausgenommen und die Gerüste aufgebaut. Die Arlesheimer Kirchgemeindeversammlung hat für die Innensanierung einen Kostendeckel von 6 Millionen Franken genehmigt, wovon die Gemeinde voraussichtlich einen Zehntel selbst berappen muss. Subventionen kommen von Bund, Kanton, Einwohnergemeinde und Stiftungen.

Neue Heizung ist viel besser

Alois Schmidlin, im Kirchgemeinderat für das Ressort Bau zuständig, liebt seinen Dom. Das ist offensichtlich, wenn man seinen enthusiastischen Ausführungen nur knapp drei Meter unter den Fresken folgt. «Die Verherrlichung der Immaculata», also der unbefleckten Maria, heisst das grosse Deckengemälde von Joseph Appiani, auf dem die damals vier bekannten Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika abgebildet sind. Das erklärt auch das Krokodil an der Decke. Woher Appiani 1681 wohl das – nicht ganz korrekte – Wissen über die Anatomie des Krokodils und des Elefanten daneben hatte, sinniert Schmidlin. Der Gedanke sei ihm erst kürzlich hier oben gekommen – ohne Sanierung und Baugerüst hätte er ihn wohl nie gehabt.

Die Sanierung nutzt Schmidlin auch, um einige «Jugendsünden» seiner Vorgänger zu beseitigen. Eine betrifft die Heizung: Die bisherige von 1930 sei eine «Energieschleuder, wie es sie noch nie gegeben hat». Moderne Fernwärme aus Arlesheim bringt dazu noch den Luxus von Sitzheizungen unter den Bänken. Die Bänke – grösstenteils noch Originale von 1681 – werden ausserdem bearbeitet: Die Sitzfläche wird vergrössert, der unbequeme Vorsprung an der Lehne wird beseitigt. Katholiken sitzen heute bequemer als vor 333 Jahren.

Erst 2015 wieder so nah dran

Eine weitere «Sünde» betrifft die Beleuchtung: Schmidlin freut sich auf die neuen LED-Strahler, die die Kirche in ein subtileres und ästhetischeres Licht hüllen sollen als die bisherigen Lampen. Oben auf dem Gerüst wurde Schmidlin nämlich besonders deutlich, dass schon die Architekten 1681 mit den grossen Fenstern unterhalb der Decke lange vor dem elektrischen Licht für eine gute natürliche Beleuchtung sorgten.

Kirchgemeindepräsidentin Janine Galgiani-Willa bedauert, dass viele Interessierte am Samstag auf den Wartelisten verharren mussten. Eine weitere Chance wird es vorerst nicht geben: Bis Oktober sollen die Arbeiten im Schiff abgeschlossen sein, sodass ab Weihnachten wieder Gottesdienste im vorderen Teil stattfinden können. Im Oktober und November wird es im Domhofkeller immerhin Vorträge eines Kunsthistorikers über die Fresken geben. Eine Betrachtung aus nächster Nähe ist aber höchstens 2015 wieder auf dem Gerüst im Chor möglich, dann unter dem Gemälde «Verkündigung an Maria». Bis Oktober 2015 soll die Gesamterneuerung des Arlesheimer «Kulturgutes von nationaler Bedeutung» abgeschlossen sein.