Vor vier Jahren ging die Internet-Plattform monday2friday.ch online. Private konnten auf der Seite ihre Wohnung oder ihr Zimmer eintragen. Pendler und Wochenaufenthalter, die nur für jeweils ein paar Tage pro Woche eine Bleibe suchten, wurden darauf fündig. Doch jetzt ist Schluss mit Zimmersuche auf monday2friday: Die Firmengründer, zwei junge Baselbieter, teilten gestern mit, dass ihr Zwei-Mann-Betrieb dichtmache.

So wie monday2friday ergeht es vielen Start-ups. Die Hälfte von ihnen, so die Faustregel, überlebt das fünfte Jahr nicht. Trotzdem herrscht Optimismus in diesem Segment – bei Jungfirmen gibt es einen Boom: Über 40 000 Gründungen wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz gezählt. Das ist ein neuer Rekord. Gegenüber dem Vorjahr beträgt das Wachstum 3,7 Prozent.

Wachstum dank Pharma

Auch in den beiden Basel gab es 2013 mehr Start-ups als im Vorjahr. Hier ist die Zahl der Gründungen im Vergleich zur Gesamtschweiz jedoch unterdurchschnittlich ausgefallen. Basel-Stadt verzeichnete 1048 neue Unternehmen (+0,5 %, in absoluten Zahlen 5) – Baselland deren 1070 (+1,5 %, plus 16). Bereits in den beiden Jahren zuvor schwang das Baselbiet bei der Zahl der Gründungen obenauf.

Die Daten stammen aus den kantonalen Handelsregistern. Erhoben hat sie Startups.ch, ein auf Firmengründungen spezialisiertes Unternehmen aus Winterthur. Laut dessen CEO Michele Blasucci ist der Zuwachs bei neu eingetragenen Firmen zumindest in der Deutschschweiz zu einem grossen Teil auf den Bauboom zurückzuführen. Er sorge für Arbeit für Architekten, Ingenieure, Gipser und Mauer, aber auch für Reinigungsinstitute. In der Romandie schafft die Uhrenindustrie Jobs.

In den beiden Basel ist die Situation etwas anders. Hier ist der dominante Pharmasektor ein starker Wachstumstreiber bei Firmengründungen. Unter den Start-ups befänden sich jedoch viele Unternehmen, die nicht direkt in der Branche tätig sind, hat Blasucci bei der Auswertung der Daten bemerkt: «Es handelt sich häufig um Zulieferer oder Dienstleister für die grossen Pharma-Unternehmen.»

Warum Baselland auch 2013 gegenüber Basel-Stadt besser abschnitt, dafür findet Blasucci keine pfannenfertige Erklärung, dafür eine stichhaltige These: «In der Kernstadt hat es häufig keine freien oder bezahlbaren Flächen. Die Startups siedeln sich dann in der Umgebung an. Und sicherlich spielt auch die günstigere steuerliche Situation eine Rolle.»

Der Baselbieter Wirtschaftsförderer Marc-André Giger kann diese Begründung nachvollziehen. Er warnt jedoch davor, das Augenmerk zu stark auf die Steuern zu legen. «Ich gehe davon aus, dass die Steuern bei der Standortfrage zwar nach wie vor ein wichtiges Thema sind, aber tendenziell an Bedeutung verlieren. Wichtiger ist das gesamte wirtschaftliche Umfeld, also eine kundenorientierte und agile Verwaltung, eine dynamische und entscheidungsfreudige Regierung, das Angebot an Fachkräften oder auch an internationalen Schulen – und das alles stimmt im Baselbiet.»

Keine Zeit für Firma

Bei der Bewertung von Firmengründungen müsse man Vorsicht walten lassen, fügt Giger an. Ihre nackte Zahl würde wenig darüber aussagen, wie viele neue Arbeitsplätze denn tatsächlich entstünden. «Trotzdem ist es ein erfreulicher Hinweis darauf, dass die Wirtschaft im Baselbiet an Dynamik gewinnt.»

Für das Ende von monday2friday gaben übrigens nicht wirtschaftliche Gründe den Ausschlag, wie einer der beiden Gründer auf Nachfrage der bz erläutert. Die Firma sei ein Projekt neben dem Studium gewesen. Dieses sei nun abgeschlossen, er und sein Partner hätten Jobs angenommen – für die Plattform fehle schlicht die Zeit.