Das Mitte-Bündnis zwischen der Baselbieter CVP, GLP und BDP nimmt konkrete Formen an. BDP-Präsident Marc Bürgi bestätigt, dass sich die beteiligten Parteien auf den Schlüssel geeinigt haben, nach welchem die Listenplätze für die kommenden Landratswahlen verteilt werden sollen.

So erhält jede Partei je zwei Plätze auf den drei gemeinsamen Mitte-Listen in der Oberbaselbieter Wahlregion 4. In den übrigen drei Wahlregionen werden CVP, GLP, BDP wie 2015 mit eigenständigen Listen antreten. Auf den drei gemeinsamen Mitte-Listen für die Wahlkreise Sissach, Gelterkinden und Waldenburg hat wiederum jeder der drei Bündnispartner total zwei Spitzenplätze zugut; also eine der beiden oberen Namenslinien.

Der BDP-Kantonalpräsident aus Pratteln betont die strategische Absicht, die hinter diesem Bündnis steckt und weit über die Landratswahl vom 31. März 2019 hinausreicht: «Wir wollen in spätestens acht Jahren gemeinsam einen zweiten Mitte-Sitz im Nationalrat erreichen.»

GLP holt Werthmüller ins Boot

Zuerst steht aber das Oberbaselbieter Bündnis für die kantonalen Wahlen im Fokus. Welche Partei welchen Spitzenplatz mit welchem Kandidaten einnehmen wird, gilt es noch auszuhandeln. Laut Bürgi bestehen zwischen den drei Parteipräsidien erst lose Absprachen, die jedoch bis «spätestens Ende Oktober» finalisiert werden sollen. Schliesslich hätten zuvor noch die Nominationen durch die Ortssektionen zu erfolgen.

Dagegen steht jetzt schon fest, dass der GLP ein Coup gelungen ist: Mit der ehemaligen Grünen, heute parteilosen Landrätin Regina Werthmüller werden die Grünliberalen als Einzige des Trios eine Bisherige ins Wahlrennen schicken können. Werthmüller wird darum, daran besteht kein Zweifel, im Wahlkreis Sissach Spitzenkandidatin des Mitte-Bündnisses sein. Die 54-jährige Sissacherin bestätigt diese Übereinkunft: «Das Ganze ist eine Win-win-Situation und für mich ein super Angebot der GLP: Durch meine Kandidatur verhelfe ich den Grünliberalen zu Stimmen, profitiere aber von einer hoffentlich starken Liste.»

Angesichts dieser Ausgangslage sprüht BDP-Präsident Marc Bürgi vor Optimismus: «Im Oberbaselbiet werden wir zwei Sitze für die Mitte holen», sagt er voraus. «Insgesamt rechne ich mit vier Sitzen für die BDP. Das reicht dann für eine Fraktion mit der GLP in der kommenden Legislatur.» Werthmüller betont ihrerseits, dass sie trotz des Deals nicht vorhabe, der GLP beizutreten: «Ich könnte mir bei einer Wiederwahl eine Zusammenarbeit in einer GLP/BDP-Fraktion vorstellen, aber als Parteilose.»

Was sonstige mögliche Oberbaselbieter Spitzenkandidaten des Mitte-Bündnisses angeht, so steht vorerst ein Name im Vordergrund: Im vergangenen Sommer feierte CVP-Präsidentin Brigitte Müller den Parteieintritt des zuvor unabhängigen Oberdörfer Gemeindepräsidenten Piero Grumelli als grossen Erfolg für ihre Partei. Folglich wird sie alles daransetzen, dass Grumelli den Spitzenplatz im Wahlkreis Waldenburg erhält. Dieser hat sein Interesse an einer Kandidatur längst bestätigt.

Aus der Not geboren

Im Grunde sind die drei gemeinsamen Mitte-Listen im Oberbaselbiet aus der Not geboren. Keiner der drei Partner wäre in der Lage, im oberen Kantonsteil genügend Kandidaten für einen eigenständigen Wahlkampf aufzutreiben. Die CVP kann als einzige Regierungspartei schon seit Jahrzehnten im Oberbaselbiet keine eigenen Listen mehr stellen. Zudem verlor die BDP 2015 ihren vier Jahre zuvor gewonnenen Sitz wieder, den einzigen des Mitte-Trios überhaupt. Bezeichnend ist, dass sich die EVP nicht dem Bündnis anschliesst. Sie will aus eigener Kraft ihren Oberbaselbieter Sitz mit der Bisherigen Andrea Heger aus Hölstein verteidigen.