Obwohl das «Waldfäger»-Seifenkistenrennen in diesem Jahr erst zum vierten Mal stattfand, scheinen in Ziefen alle den Anlass zu kennen. Ein Pfeil auf der Hauptstrasse weist die Richtung, doch dann sind keine Schilder mehr zu sehen. Ein paar freundliche Einheimische erklären dem Ortsunkundigen aber den richtigen Weg in den Wald. Doch auch dort gibt es keine Hinweise auf den Event – und keine Menschen, die man fragen könnte. Welche Abzweigung nehmen? Als nach über 20 Minuten immer noch nichts zu sehen ist und Google Maps einem sagt, dass man sich in Seewen befindet, dämmert einem, dass man vorher doch hätte in die andere Richtung laufen sollen.

Gedacht, getan – und tatsächlich: Nach ein paar Minuten werden Menschen in orangen Shirts hinter Absperrbändern sicht- und hörbar. Es sind die Streckenposten, junge Erwachsene, die mit Funkgeräten nach «unten» melden, wenn der nächste Fahrer unterwegs ist und die Zuschauer rechtzeitig darauf hinweisen, zur Seite zu gehen. Denn die je nach Streckenabschnitt sind die Seifenkisten mit einem ordentlichen Tempo unterwegs. Die Piloten tragen die Helme definitiv nicht zur Dekoration.

Seifenkistenrennen in Ziefen

Seifenkistenrennen in Ziefen

Die elfjährigen Piloten

Der Bezug der Streckenposten zum Rennen beschränkt sich aber nicht nur auf den Renntag am Samstag: Sie alle sind Lehrlinge in Handwerksberufen und haben den Kindern im Rahmen der Sommerferien-Projektwoche «Waldfäger» in den fünf Tagen davor beim Bau eines Boliden geholfen. So auch die beiden angehenden Polymechaniker Adrian Bärtschi und Severin Rohr, die nun «ihrem» Fahrer vergeblich die Daumen drücken. «Er wurde disqualifiziert», erklären sie schmunzelnd.

Joshua Wyss, der mit Lena Bissegger etwa hundert Meter weiter oben postiert ist, hat dagegen noch einen Piloten, dem er die Daumen drücken kann. Um die Minuten zwischen zwei Fahrzeugen totzuschlagen, «golfen» die beiden angehenden Metallbauer mit langen Holzästen und Steinen. Die Zeit in der Werkstatt war für sie definitiv aufregender als die am Streckenrand. «Die Kinder waren zu Beginn zwar etwas scheu, doch danach haben sie sich richtig ins Zeug gelegt», so Wyss.

Seifenkistenrennen in Ziefen

Seifenkistenrennen in Ziefen

Von den 16 teilnehmenden Kids machen tatsächlich nicht alle wegen des Geschwindigkeitsrausches mit. «Ich habe mich aufs Schweissen gefreut, das war ein Kindheitstraum von mir», sagt Évan. Auch nachdem der Gelterkinder dreimal die Strecke entlang «gefegt» ist, hält er fest: «Das Bauen war cooler!» Tim gesteht derweil, dass er «mächtig aufgeregt» war, als er zum ersten Mal hinunter gedüst ist. «Jetzt bin ich es nicht mehr», sagt der Bretzwiler, der wie fast alle «Fahrer» elf Jahre alt ist. Ums Gewinnen – Sieger wird der, dessen zwei Zeiten am nächsten beieinander liegen – geht es ohnehin nicht. Es ist der gesamte Prozess vom Zusammenbauen bis zum Fahren, der die Kinder fasziniert. «Eine coole Sache», findet Noah aus Thürnen.

Und was geschieht mit der Seifenkiste, wenn der Anlass vorbei ist? «Die nehme ich mit nach Hause und fahre gegen meinen Freund Tim noch ein paar weitere Rennen», erklärt Mattia, der ebenfalls aus Bretzwil kommt. Saskia aus Wintersingen ist eines von zwei Mädchen, die am «Waldfäger»-Rennen mitmachen. Sie hat mit der selbstgebauten Kiste etwas Grösseres vor: «Ich baue einen Motor ein!»