Konkret sind für das Projekt zwei Linien ausgewählt worden, wie Recherchen ergeben: die Linie 109 (Abschnitt: Rümlingen–Häfelfingen) und die Linie 92 (Abschnitt Oberdorf–Liedertswil). Welche der beiden Buslinien für das Pilotprojekt den Zuschlag erhält, ist noch nicht entschieden. Noch ist auch die Finanzierung nicht gesichert.

Doch der Landrat hat sein Bekenntnis für die Einführung von autonomen Shuttles abgegeben. Ein Postulat der FDP-Fraktion für die Einführung sogenannter smarter Shuttles ist überwiesen worden. Das langfristige Ziel: Mit den selbstfahrenden Bussen könnten auch schlechter genutzte Linien ziemlich günstiger aufrechterhalten werden und würden nicht der nächsten Sparmassnahme zum Opfer fallen.

In der Stadt zu chaotisch

BLT-Vizedirektor Fredi Schödler rechnet damit, dass das Pilotprojekt in zwei Jahren in Betrieb gehen kann. Die Linien seien als geeignet angesehen worden, weil sie einerseits relativ kurz seien. «Die autonomen Busse fahren, Stand jetzt, lediglich 25 Kilometer pro Stunde. Auf längeren Strecken gibt das Zeitverluste, aber auf diesen Strecken macht das vielleicht fünf Minuten Zeitdifferenz», sagt Schödler. Der BLT-Vize sagt, der reguläre Betrieb eines führerlosen Busses werde frühestens in fünf Jahren möglich sein. Während der Anfangsphase wird ein Begleiter im Kleinbus sitzen, der eingreifen kann.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind es vor allem haftungsrechtliche Fragen, die ungeklärt sind. Wer ist verantwortlich, wenn ein selbstfahrender Bus einen Unfall verursacht? Kein Zufall ist daher auch, dass die Linien 92 und 109 ausgewählt wurden – Linien mit relativ wenig Verkehrsteilnehmern. «In der Innenstadt gibt es ungleich viel komplexere Situationen, überall sind Fussgänger und Velofahrer», sagt Schödler.

Während der Mensch hier meist intuitiv die richtige Entscheidung trifft, kann das Chaos das System überfordern. Anders ist es auf dem Land, wo die Verkehrssituation überblickbarer ist.

Schaffhausen als Vorbild

Anlehnen will die BLT das Projekt an die Linie 12 der Verkehrsbetriebe Schaffhausen. Auf der 500 Meter langen Strecke beim Schaffhauser Rheinfall ist seit knapp einem Jahr der selbstfahrende Kleinbus Trapizio im Einsatz. Bis auf die Tatsache, dass er lediglich im Schritttempo unterwegs ist, kann Trapizio als gleichwertiges Mitglied der Fahrzeugflotte bezeichnet werden. Er verkehrt nicht auf einer abgesperrten Strecke, sondern teilt sich die Strasse mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Zudem ist Trapizio als weltweit erster autonomer Bus ins Leitsystem des öV-Unternehmens eingebunden. Carmen Müller, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Schaffhausen, sagt, das Pilotprojekt laufe «tipptopp». «Wir bekommen sehr viel positives Feedback. Für viele ist eine Fahrt mit der Linie 12 zu einem Highlight geworden», sagt sie. Unfälle habe es keine gegeben, doch habe der Bus ein paar Mal gestreikt. «Wenn es stark regnet, fährt er nicht. Der Bus hält den Regen, der von der Strasse nach oben spritzt, für ein Hindernis.» Technisch gäbe es noch Aufholbedarf, aber es sei geplant, die Linie 12 in den Regelbetrieb zu überführen.

Auch die BLT will die selbstfahrenden Busse an das Leitsystem binden, das gemeinsam mit den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) betrieben wird. Damit können Defekte und Verspätungen sofort registriert werden. Die Frage danach, ob im Baselbiet dereinst alle Busse ohne Chauffeur fahren würden, bezeichnet Fredi Schödler als «Kaffeesatzlesen». Es seien zu viele Fragen ungeklärt, technische und vor allem juristische.

BLT-Chef Andreas Büttiker zeigt sich ebenfalls skeptisch. Das Sicherheitsgefühl der Passagiere sei einfach immer noch grösser, wenn ein Chauffeur an Bord sei. Büttiker sagt: «Wenn ich ehrlich bin: Es käme mir auch etwas sonderbar vor, ohne Piloten über den Atlantik zu fliegen.» Gut möglich aber, dass die kommenden Generationen das entspannter sehen würden.