Mit geschwellter Brust präsentiert Sven Cattelan sein erstes Jahresergebnis als CEO der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BGV). Er beurteilt das betriebliche Ergebnis 2017 (ohne Kapitalanlagen) von 2,8 Millionen Franken mit «okay». Mehr Stolz versprüht Cattelan über den Jahresgewinn, der letztes Jahr mit 41,2 Millionen wesentlich höher ausgefallen ist als 2016 (1,7 Mio. Fr.). Ein sehr gutes Anlagejahr und weniger hohe Schadenfälle waren ausschlaggebend für den fetten Gewinn. Die BGV musste im vergangenen Jahr für 5787 Schäden aufkommen, 2173 weniger als 2016.

Sven Cattelan übernahm das Amt als BGV-Chef Anfang 2017 von Bernhard Fröhlich. Seine Handschrift ist bereits sichtbar. So wurde das Logo modifiziert und ergänzt mit den drei Begriffen Prävention, Feuerwehr und Versicherung. «Damit soll klar werden, dass wir nicht nur eine Versicherung sind», erklärt Cattelan und fügt an, viele wüssten nämlich gar nicht, dass auch das Feuerwesen der Gebäudeversicherung unterstehe. Zudem kommt der Jahresbericht optisch aufgemotzt daher.

Als «Meilenstein» bezeichnet Sven Cattelan das neue Feuerwehr-Inspektorat beider Basel, das zu Beginn dieses Jahres aus den Feuerwehr-Inspektoraten Basel-Stadt und Baselland hervorgegangen ist. Dass der geplante Feuerwehr-Verbund «Florian», eine Profi-Feuerwehr von elf Gemeinden im Raum Liestal, gescheitert ist und vorerst höchstens in einer abgespeckten Variante realisiert werden könnte, bedauert der BGV-Boss zwar, macht jedoch deutlich: «Es wird in diese Richtung gehen, aber das benötigt Zeit.»

In diesem Zusammenhang weist Cattelan auf das Problem der Tagesverfügbarkeit in den Feuerwehr-Korps hin und hebt den Mahnfinger: «Ein Drittel der Feuerwehren hat 2017 bei angesagten Einsatzübungen die Anforderungen nicht erfüllt.» Im Klartext: Bis maximal sechs Minuten nach Alarmauslösung müssten mindestens acht Mann vor Ort sein. Kleine Feuerwehren sind personell teils nicht mehr in der Lage, tagsüber Ernsteinsätze zu bewältigen.

Die Tagesverfügbarkeit ist laut Cattelan denn auch die «grösste Herausforderung», sie müsse verbessert werden. Eine Berufsfeuerwehr sei jedoch kein Thema. «Wir müssen mit den Augen des Kantons sehen und nicht mit den Augen der Gemeinden», betont er und meint weiter, dass die Feuerwehren kein Rekrutierungsproblem hätten. Feuerwehrleute stehen heute weniger lang im Dienst, die Fluktuation ist grösser. Deshalb kosten Ausbildung und Ausrüstung mehr Geld.

Das Baselbiet hat derzeit 2300 Feuerwehrleute zur Verfügung. Das sind in den Augen Sven Cattelans zu viele. Auch dass es pro 1100 Einwohner ein Tanklöschfahrzeug gebe, stehe in keinem Verhältnis. Der Bestand an Feuerwehrleuten ist schweizweit sinkend. Die Qualität nehme aber nicht ab, versichert Cattelan. Baselbieter Feuerwehren leisteten im vergangenen Jahr gegen 3200 Einsätze, ein Fünftel davon fielen auf Fehlalarme.

Wichtige Stimme bei Baugesuchen

Die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung gibt neu bei Baugesuchen in Gebieten mit erheblicher Gefährdung Empfehlungen ab. Grundlage ist das vom Landrat beschlossene Gesetz über die Prävention vor Brand- und gravitativen Naturgefahren. 2017 nahmen Mitarbeitende der Elementarschaden-Prävention der BGV 130 Gesuche unter die Lupe und rieten zu zusätzlichen Schutzmassnahmen.

Gemäss Cattelan übernahm das Bauinspektorat die Vorschläge zu 100 Prozent. Die zusätzlichen Massnahmen müssten aber wirtschaftlich sein. Beim Brandschutz-Inspektorat haben auf Beginn dieses Jahres die Verantwortlichkeiten geändert. Es hat 2100 Baugesuche beurteilt. Die BGV agiert nun ähnlich wie eine kantonalen Fachstelle.

Die BGV hat die Prämien erstmals seit längerer Zeit angehoben. Das hat rund 1500 Reklamationen von Kunden nach sich gezogen. «Sie waren jedoch unterschiedlicher Natur», lässt CEO Sven Cattelan durchblicken. Dieser wirbt: «Eine tolle Deckung für wenig Geld.» Die Prämien der Grundstückversicherung mussten angepasst werden, um langfristig die gesetzlichen Vorgaben erfüllen zu können. So bestand per Ende 2017 ein Reservendarf von 158 Millionen Franken.