Welche Farbe wählte ein Pony für sein Fell, wenn es tatsächlich wählen könnte? Diese Frage steht zwar nicht am Anfang des Projekts «Animal Footprints», zumindest aber dieser Geschichte. Für die Hobbykünstlerin Damaris Buchenhorner, unter ihrem Künstlernamen Lilly Lubawin Schöpferin besagten Projekts, ist der Fall der Farbe derweil klar: grün und pink.
Nun geht sie allerdings nicht hin und färbt die Ponys ihrer Wahl; sie macht sie zu ihren Künstlern. Und das trifft nicht nur auf Ponys zu, sondern auch auf Hühner und Gänse, Lämmer und Lamas, Meerschweinchen und Zwergziegen. Allesamt sind sie Bewohner des Tierparks Weihermätteli in Liestal. Dort marschierte Buchenhorner kürzlich mit neun Meter langen Papierrollen, Lebensmittelfarbtuben und Schaumstoffbahnen als Stempelkissen auf, doch dazu später.

Die Idee dazu kam der Sissacherin im vergangenen Herbst. Buchenhorner, kunst- und tieraffin von Kindheit an, suchte ein Geschenk zum 40. Geburtstag ihres Ehemanns. Um zu verstehen, wie es nun zu farbigen Tierfährten auf Papier kam, muss man wissen, dass Airdale-Terrier Winnie eine ganz besondere Rolle im Leben der Buchenhorners spielt. Denn Damaris liess Winnie kurzerhand zuerst über eine Lache aus Lebensmittelfarbe und schliesslich eine abgerollte Bahn Malpapier tappen. Das Resultat sind die farbigen Pfotenabdrücke des Hundes – oder eben: Animal Footprints. Das Resultat hat sie dermassen erfreut, dass schnell klar war, dass sie die Idee auf weitere Spezies anwenden würde.

Ponys eben – und Lamas. In deren Gehege im Liestaler Tierpark verlegt Buchenhorner jetzt mit Hilfe einer Freundin und zwei Tierpflegern eine Bahn Antirutschfolie, damit sich die Tiere nicht verletzen. Darauf kommt das Malpapier, am Bahnanfang liegt der Schaumstoff, der als Stempelkissen dient, getränkt mit Lebensmittelfarbe, den die Lamas buchstäblich im Vorbeigehen mit ihren Hufen auf das das Papier auftragen.

So simpel, so kompliziert. Denn Tiere haben einerseits ihren eigenen Willen, und gegen den will Buchenhorner auch gar nicht angehen. Andererseits geht die Rechnung bei Ponys und Lamas zwar bestens auf, die Künstlerin ist hochzufrieden mit dem Resultat. Doch die Gänse etwa sind leicht, ihre Fussabdrücke zeichnen sich nicht derart deutlich ab, ausserdem lassen sie sich nicht an der Leine führen. «Der Zufall spielt eine grosse Rolle», konstatiert Buchenhorner. Doch der Prozess sei für sie genauso Teil der Kunst wie letztlich das Ergebnis. Dieser Prozess lässt sich übrigens auch auf ihrem Blog lillylubawin.ch verfolgen.

So sieht, wer genau hinschaut, Schmetterlinge in den Spuren der Lamas – und lächelnde Asiaten in jenen der Ponys. Das macht das Projekt nicht nur zu einem lehrreichen Erlebnis für die Künstlerin: «Viele Menschen haben eine ganz spezielle Beziehung zum Tierpark Weihermätteli. ‹Animal Footprints› macht es möglich, ein Stück von seinem Lieblingstier mit nach Hause zu nehmen», sagt sie. Die Bilder, alsdann «wandgerecht» zugeschnitten und gerahmt, stehen nämlich bald schon zum Verkauf, die Vernissage ist auf den 13. Mai angesetzt. Der Erlös fliesst vollumfänglich der Trägerstiftung des Tierparks und also den eigentlichen Künstlern zu: den Lamas und Ponys und Gänsen.