Da war Mike Keller zu voreilig. Er wolle das Thema «bis Ende Jahr vom Tisch haben», sagte der Binninger Gemeindepräsident im Juni. Jetzt muss er nochmals ein Jahr warten. Mindestens.

Erst im kommenden Juli soll das Imhof-Haus im Ortskern von Binningen saniert werden. Das hat der Binninger Gemeinderat kürzlich entschieden. Die Binninger werden den Anblick der schwarz verfärbten Nordfassade des stattlichen Gebäudes also noch ein wenig länger ertragen müssen.

Das Imhof-Haus war erst vor sieben Jahren vollständig renoviert worden – wegen offensichtlicher Ausführungsfehler haben sich auf dem weissen Verputz jedoch Schimmelpilze und Flechten angesiedelt. Die Nordfassade war rasch mit Flecken übersät, bei den Fensterrahmungen blätterte Farbe ab. Im Dorf war die Ursache schnell ausgemacht: Baupfusch.

Zu kalt für neuen Verputz

Als Grund für die verzögerte Sanierung gibt der Gemeinderat an, dass deren «sichere Umsetzung» aus klimatischen Gründen bis Ende Jahr nicht gewährleistet sei. Während der neue Verputz angebracht werde, dürfe die Temperatur in der Nacht nicht unter fünf Grad Celsius fallen. Die Sanierung nehme jedoch zwischen acht und zehn Wochen in Anspruch. Im Frühling sei es ebenso wenig möglich, das Gebäude einzurüsten, denn dann finden Baselworld und Art Basel statt. Im Imhof-Haus ist ein Hotel untergebracht – den Messebesuchern will die Gemeinde kein Gerüst vor den Fenstern zumuten.

Die Gemeinde schweigt sich über die Verursacher der Baumängel weiterhin aus. In der jüngsten Mitteilung heisst es lediglich, dass «die Ursache und die Haftungsfragen» hätten geklärt werden können. Ende Juni hiess es noch, die Haftungsfrage stelle sich gar nicht mehr, da eine aussergerichtliche Einigung habe erzielt werden können. Damals wurde die Schadenssumme auf 108 000 Franken beziffert. Von diesem Betrag übernehme die Gemeinde 30 Prozent, den Rest «die anderen am Projekt beteiligten Parteien». Über den genauen Inhalt der Vereinbarung sei Stillschweigen vereinbart worden.

Diese Weisung befolgt Bernard Keller, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde, weiterhin. Zur Ursache der Verfärbungen sagt er auf Anfrage immerhin: «Flechtenbildungen auf Nordfassaden sind häufig, insbesondere bei nichtisolierten Altbauten.» In der Basler Altstadt seien die meisten alten Gebäude davon betroffen, auf den grauen Fassaden könne man die Verfärbungen jedoch kaum erkennen – und falls doch, würden diese als «Patina» wahrgenommen. Die spezielle Patina des Imhof-Hauses kommt die Binninger nun noch teurer zu stehen als vorgesehen. Zwar bleibt es für den neuen Verputz bei den 108 000 Franken, es sind jedoch mehrere «Zusatzmassnahmen» vorgesehen, die einen «nachhaltigen Schutz gewähren» sollen. Kostenpunkt: 35 000 Franken.

Zu diesen Zusatzmassnahmen gehören neue Fensterleibungen und ein neues Giebel-Vordach. Dieses soll die Fassade vor Feuchtigkeit und erneutem Schimmelbefall schützen.

Ein solches Vordach besass das Haus bereits einmal – es wurde jedoch entsorgt: bei besagter Renovation 2008.