Gerne würden wir an dieser Stelle alle Pessimisten Lügen strafen. Doch die am Mittwoch vom Statistischen Amt Baselland publizierte Sozialhilfe-Statistik 2014 belegt, was zu befürchten war: Es gibt immer mehr Menschen im Kanton, die von der Sozialhilfe abhängig sind. Dementsprechend steigen auch die Kosten für die Gemeinden – und letztlich für den Steuerzahler.

Mit den neuen Zahlen wird aber noch ein weiterer Trend der letzten Jahre bestätigt: «Die Belastung fokussiert sich immer stärker auf ein paar wenige Gemeinden», sagt Kantonsstatistiker Johann Christoffel. Er nennt mit Grellingen, Liestal und Pratteln die drei gemäss ihrer Einwohnerzahl am stärksten belasteten Orte, bei denen die Kosten von 2013 auf 2014 nochmals überdurchschnittlich zugenommen haben. Christoffel nennt aber explizit auch Laufen. Es ist absehbar, dass der Bezirkshauptort, der 2013 noch auf Platz 17 der Negativrangliste lag, sich künftig in der «Spitzengruppe» etablieren wird.

Liestal braucht Hilfe vom Kanton

Liestals Stadtpräsident Lukas Ott überrascht das nicht: «Das kam nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Jetzt werden neue Gemeinden vom Strudel erfasst.» Er nennt auch Zwingen, das 2013 noch unter 50 Personen unterstützen musste, bis Ende 2014 aber bereits bei 81 angelangt ist. Der Bezirk Laufen weist denn auch die stärkste Zunahme aller Bezirke auf: Statt 360 werden nun rund 480 Personen im Laufental unterstützt – eine Zunahme um nicht weniger als ein Drittel. Die Gründe sind für Ott bei all diesen Sozialhilfe-Hotspots dieselben: billiger Wohnraum, ein guter Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel, Anonymität durch eine gewisse Grösse der Gemeinde sowie das Phänomen der Cluster-Bildung. «Es ist eine Tatsache, dass Sozialhilfebezüger sich verstärkt dorthin begeben, wo bereits viele andere wohnen.»

Ott wählt klare Worte, um die Lage Liestals zu beschreiben: «Wir kommen an unsere Belastungsgrenze, es ist alarmierend.» Dies auch, weil Liestal bei der Sozialhilfe für 2015 bereits wieder mit einer Kostenzunahme von zwei Millionen auf total zwölf Millionen Franken rechne. Das Schlimmste ist für den grünen Stadtpräsidenten, dass man diese Entwicklung kaum beeinflussen könne. «Wir fühlen uns allein gelassen.»

Dieses Gefühl teilt man in Grellingen. «Es ist katastrophal», sagt Gemeindepräsident Hans-Peter Hänni. Man stecke in einem Teufelskreis. Dies, weil man 2014 vom Kanton über einen Härtefall-Fonds 300 000 Franken erhalten habe, dafür aber den Steuerfuss von 62,5 auf 65 Prozent anheben musste. «Jetzt ziehen Grellinger weg und es kommen keine neuen Steuerzahler hierher.» Ott kündigt gegenüber der bz trotzdem an, dass Liestal für 2015 beim Regierungsrat ebenfalls Gelder aus dem Härtefall-Fonds beantragen werde. «Wir kommen nicht darum herum.»

Kritik an der Gemeindeinitiative

Wie die bz bereits publik machte, reicht das einigen Gemeinden aber nicht: Liestal, Grellingen, Laufen, Waldenburg, Hölstein und Langenbruck werden kommenden Donnerstag eine Gemeindeinitiative präsentieren. Diese verlangt, dass die Kosten der Sozialhilfe nicht mehr von jeder Gemeinde allein, sondern gemäss ihrer Einwohnerzahl auf alle 86 Baselbieter Gemeinden gleichmässig verteilt werden.

Kantonsstatistiker Christoffel zeigt sich skeptisch: «Die Gesamtkosten würden massiv steigen, weil das Kostenbewusstsein der einzelnen Gemeinden sinken würde.» Genau deshalb wollen die Initianten einen Sockelbeitrag bei der betroffenen Gemeinde belassen. Wie die bz weiss, soll dieser 30 Prozent betragen. Doch auch das überzeugt Christoffel nicht: «Das würde an der Grundproblematik nichts ändern, dass weniger Anreize bestünden, sich zu verbessern.»