Obwohl nicht alle eine eigene haben durften, spielten die meisten in ihrem Leben schon einmal mit ihr. Die Auto-Rennbahn gehörte während Jahrzehnten in den heimischen Kinderzimmern zur Grundausstattung. Mit der Zeit ging das Interesse an den massstabgetreuen Wagen aber bei vielen verloren. Die einst heiss geliebte Bahn ereilte dasselbe Schicksal wie zahlreiche andere Spielsachen. Sie landete auf dem Dachboden, wo sie dem Staub überlassen wurde. 

Veranstalten in ihrem Clublokal in Reinach Läufe der Schweizer Meisterschaft: Simon Bauen und Jean-Pierre Hafner vom Slot Racing Club Basel.

Veranstalten in ihrem Clublokal in Reinach Läufe der Schweizer Meisterschaft: Simon Bauen und Jean-Pierre Hafner vom Slot Racing Club Basel.

Ein Besuch beim Slot Racing Club Basel verleitet dazu, sie von dort wieder hervorzuholen und aufzustellen. Im Vergleich zur Anlage, die der Verein in einem Untergeschoss an der Bruderholzstrasse errichtet hat, wirkt die Rennbahn aus der Kindheit aber mickrig. Die Bestandteile sind zwar dieselben, in Reinach sind sie jedoch in weitaus grösserer Ausführung vorhanden. Die selbst gebaute 43,5 Meter lange Strecke hat fünf Spuren, in denen die kleinen Modellautos in ungeheurem Tempo ihre Runden drehen. Die Zeitmessung auf der kurvenreichen Bahn erfolgt digital und ist auf die Tausendstel-Sekunde genau.

«Damit sind wir auf Augenhöhe mit der Formel 1», erklärt Clubpräsident Simon Bauen. Sein Nachname steht buchstäblich für die Leidenschaft, welche er mit den vierzehn anderen Mitgliedern des seit 2007 existierenden Vereins teilt. «Die Freude am Tüfteln gehört bei uns dazu», sagt der Inhaber eines Modellbaugeschäfts. Das beginnt bei den Bausätzen, aus denen mit viel Fingerspitzengefühl das Grundgerüst der Fahrzeuge entsteht. «Um das Möglichste aus den kleinen Vehikeln herauszuholen, tunen wir sie», scherzt er. Die Carrosserie und das Chassis werden selber konstruiert und sind an die Wagen angepasst. Ausserdem montiert man Felgen, bringt Nieten an und setzt Rennfahrer-Figuren in die Autos. 

Slot Racing Club Basel - Bloss kein Staub auf den Rädern

Slot Racing Club Basel - Bloss kein Staub auf den Rädern

Beliebt bei lokalen Vereinen

Einmal pro Woche stellen die rein männlichen Clubmitglieder ihre Fahrzeuge auf die Rennbahn. «Wie im Kinderzimmer gilt es auch bei uns, die Fliehkräfte richtig einzuschätzen», sagt Jean-Pierre Hafner, der als Kassier für den Slot Racing Club Basel tätig ist. In den Kurven ist die Gefahr besonders gross, aus der Bahn zu geraten, wie sich bei einem Schaurennen zeigt.

Nachdem auf der Anzeigetafel alle roten Lichter erloschen sind, werden die Autos mithilfe eines Joysticks in Bewegung gebracht. Laut dem Präsident liegt der aktuelle Rundenrekord bei sechseinhalb Sekunden. Bei den innerhalb des Clubs durchgeführten Rennen gelingt es regelmässig, die Spitzenzeit zu verbessern.

Weitaus entspannter geht es an den gesellschaftlichen Anlässen zu, die immer wieder im Clublokal stattfinden. «Unsere Rennbahn ist beliebt bei lokalen Vereinen, die hier Plauschrennen veranstalten», erzählt Jean-Pierre Hafner. Bisher seien sämtliche Gäste begeistert gewesen, meint der Pensionär. Selbst Frauen, die manchmal zuerst die Nase rümpfen würden, kämen auf den Geschmack. Die Veranstaltungen hätten den angenehmen Nebeneffekt, dass sie ein wenig Geld in die Clubkasse spülen.

Nur wenige Clubs in der Schweiz

Die Einnahmen benutzen die Mitglieder wiederum für Ausbauten der Rennstrecke. Momentan ist man daran, die Bahn um einige Grünflächen zu erweitern. Aber auch die Ausflüge zu anderen Slot Racing Clubs in der Schweiz verursachen Kosten. Insgesamt gebe es im Land vier Vereine, die den Sport auf dieselbe Weise betreiben wie die Reinacher. Mit den Clubs misst man sich bei den Schweizer Meisterschaften, für die jedes Jahr Läufe im Clublokal abgehalten werden.

Simon Bauen betont, dass bei den Rennen der olympische Gedanke im Zentrum stehe. Um dann gleich nachzuschieben: «Wenn ich teilnehme, will ich aber natürlich schon gewinnen.»