Im elsässischen Dorf Bantzenheim in der Rheinebene, rund 30 Kilometer nördlich von Basel, ist zu den über 25 elsässischen technischen und Wissenschaftsmuseen des Elsass ein weiteres hinzugekommen - ein Motorrad-Museum, das am Dienstag eröffnet wird. «Die sechs Gemeinden, die zum Zweckverband Communauté de communes de Porte de France Rhin Sud gehören, kennen nur wenige. «Wir fallen vor allem wegen unserem Industriegebiet mit den Chemiewerken wie Rhodia auf. Wir möchten jetzt einen anderen Eindruck von uns vermitteln», erzählte Martine Laemlin, Präsidentin des Zweckverbands und Maire des Nachbarorts Chalampé, kürzlich auf einer Medienkonferenz zur Eröffnung des neuen Museums in Bantzenheim.

Der Zweckverband ist für den Tourismus zuständig, und die Idee für das Museum entstand 2006, als der Sammler Raymond Lemoine Bantzenheim seine Töff-Sammlung geschenkt hat. Von den 145 Maschinen sind knapp 100 ausgestellt. Es handelt sich zum überwiegenden Teil um Motorräder der französischen Marke Ravat von 1923 bis 1950.
«Ich bin immer, schon seit dem Alter von 14 Jahren, Motorrad gefahren», erinnert sich Lemoine. Mit seiner Sammlung begann er 1997 mit der Marke Ravat, weil diese seltener als andere französische Marken war. Alle ausgestellten Motorräder könnten noch fahren, allerdings wurde ihnen das Öl ausgelassen - sie wurden von Lemoine restauriert, gewartet und repariert.

Bis zu 8000 Besucher im Jahr

Das Museum wurde in einer vollständig restaurierten alten Scheune eingerichtet, ergänzt durch einen neuen 200 Quadratmeter grossen Ausstellungsraum - die Gesamtfläche beträgt 750 Quadratmeter. Beides wurde in Niedrigenergieweise gebaut und kostete rund 1,5 Millionen Franken. «Wir haben uns getraut, das Museum zu bauen, da die Schweiz und Deutschland so nahe liegen, und es dort viele Motorradfahrer gibt», sagte Martine Laemlin. Obwohl das Museum bis heute gar noch nicht geöffnet war, hätten bereits viele Gruppen angefragt. Die Initianten erwarten jährlich 5000 bis 8000 Besucher, bei weitem nicht nur Töff-Fans.

«Wir haben auch schon Anrufe von Leuten erhalten, die uns alte Motorräder für das Museum leihen wollen», berichtet Roland Onimus vom Verein «Les Amis du Musée le la Moto», der vor einem Jahr gegründet wurde und mit dafür sorgen soll, dass das Museum ein lebendiger Ort wird. So werden die Vereinsmitglieder Führungen durch das Museum anbieten. Ferner gibt es eine Werkstatt, in der die 72 Mitglieder an Oldtimer-Motorrädern schrauben können. Auf einem Motorrad können sich die Besucher fotografieren lassen, auf einem anderen mithilfe einer Simulation durch die Gegend um Bantzenheim fahren.

Film zur Geschichte des Töff

Ein dreizehnminütiger Film, der auf Französisch und Deutsch vorliegt, erzählt die Geschichte der französischen Motorräder und lässt auch den Sammler Lemoine ausführlich zu Wort kommen. Das gesamte Museum ist konsequent zweisprachig gestaltet. Im Eingangsbereich sind acht Motorräder zu sehen. Ein Exemplar, das einem Pfarrer gehörte, ein anderes, das mit einem Seitenwagen ausgerüstet als Sanitätsfahrzeug im Krieg diente. Auch die grösste Maschine, die Ravat je gebaut hat und die bis zu 110 Stundenkilometer erreichte, ist zu sehen. «Sie ist im gleichen Jahr gebaut worden, in dem ich geboren bin: 1928», sagt Lemoine mit Stolz. In einem anderen Raum sind Ersatz- und Einzelteile zu sehen; daneben steht eine Nähmaschine, ebenfalls von Ravat hergestellt.
In einem weiteren Raum sind um die 80 Motorräder in chronologischer Reihenfolge aufgebaut. Dort findet sich auch das einzige Fahrrad, natürlich von der Marke Ravat. Mit Angelroute, Gewehr und Körben war es für einen Wilderer ausgestattet. Auf dem Gebäckträger befinden sich Stiefel mit Sohlen, die umgekehrt montiert sind. Die Fussspuren, die der Wilderer hinterlässt, zeigen also in die falsche Richtung.

La Grange à Bécanes 8, rue du Général-de-Gaulle, Nähe Mairie, Bantzenheim. Tel. +33 3 89 26 23 36; Eintritt 4 Euro. Öffnungszeiten: Von April bis Oktober, Dienstag bis Samstag, 14-17 Uhr, Sonntag 10-12.30 Uhr und 14-17 Uhr.
http://lagrangeabecanes.com