Der Freisinnige erhielt 1459 Stimmen, 298 mehr als sein Kontrahent, der bisherige Amtsinhaber Claudio Botti (CVP). Dieser hatte im ersten Wahlgang im November noch vor Hiltmann vorn gelegen. Doch dann zog die SP ihre Kandidatin Regula Meschberger zurück und sprach sich für Hiltmann (und vor allem gegen Botti) aus, zusammen mit den Grünen.

Diese Strategie ging auf: Hiltmann erhielt gestern fast so viele Stimmen, wie er und Meschberger im ersten Wahlgang zusammen. Der neu gekürte Gemeindepräsident räumte gestern auch ein, dass er von der linken Wahlempfehlung profitiert habe: «Das hat mir sicherlich geholfen.»

Er sei aber nicht nur deshalb Präsident geworden, weil man Botti weg haben wollte. Sicher seien einige Wähler mit Bottis Arbeit «nicht so zufrieden» gewesen. «Aber viele wollten gezielt mich als Präsidenten haben», sagte er mit Verweis auf seine Bestplatzierung an den Gemeinderatswahlen vor fast einem Jahr.

Verbesserungspotenzial vorhanden

Sein Sieg sieht er als ein «Zeichen, dass man endlich wegkommen will von den ewigen Querelen in Birsfelden». Tatsächlich war eines der häufigsten Wörter im fast ein Jahr langen Wahlkampf «Neubeginn». Einen solchen möchte Hiltmann jetzt an den Tag legen, der 40-Jährige hält sich für unbelastet genug. «Ich will jetzt alles tun, um sachlich zu politisieren, möglichst alle einzubinden und besser zu kommunizieren. Da gibt es im Gemeinderat noch Verbesserungspotenzial», kündete er an.

Botti, 2006 an die Spitze des Gemeinderats gewählt, holte im zweiten Wahlgang zwar deutlich mehr Stimmen als im ersten. Das lässt sich aber mit der höheren Wahlbeteiligung erklären (40,8 % im Vergleich zu 35,9 im November). Seine Niederlage nahm er gestern gefasst: «Ich bin nicht am Boden zerstört. Ich wusste ja, dass ich gegen die Phalanx meiner Gegner nicht viel machen konnte.»
Den Ausschlag für seine Abwahl gegeben hätten «die vielen Leute, die seit Jahren gegen mich politisieren». Die Vorwürfe, er sorge für Unruhe in der Verwaltung, seien zwar unbegründet. Aber manche hätten solche Gerüchte gestreut. «Und es ist immer das Negative, das haften bleibt.»

Wie Botti im Vorfeld angekündet hatte, will er trotz seiner Niederlage im Gemeinderat bleiben. Er könne problemlos in die zweite Reihe zurück. «Und ich werde politisieren wie bisher», kündet er an. «Was die anderen tun, ist ihre Sache.» Mit Hiltmann komme er gut aus, betont er.

Alle wünschen sich jetzt Ruhe

In Birsfelden leitet der Gemeindepräsident ein eigenes Departement, das Präsidium ist eine Zusatzaufgabe. Deshalb wird sich an der Aufgabenverteilung nichts ändern, Hiltmann behält die Finanzen, Botti die Gemeindeentwicklung - ausser es stellt jemand innerhalb des Gemeinderats den Antrag, daran etwas zu ändern. Das würde wieder für einige Unruhe sorgen. Aber sowohl Botti als auch Hiltmann machen deutlich, dass sie das Kriegsbeil begraben wollen. «Jetzt sollten alle Gemeinderäte zum Tagesgeschäft übergehen», sagt Botti. Und Hiltmann meint: «Wir haben jetzt Klarheit und können die politischen Geschäfte ruhig angehen.»